Nur weil einige drohen, stehen jetzt ALLE vor verschlossenen Türen, wochenlang

Das Josefshaus im Kirberichshofer Weg: am heutigen 22. Dezember 2018 ist es wie schon seit Wochen zu. Mindestens noch bis Mitte Januar.

Nicht jeder weiß, dass ein Jugendtreff für Kinder und Jugendliche ein zweites Zuhause sein kann. Aber genau das ist es, ich habe das selbst einst erfahren. Und es ist eine schlimme Sache, dort plötzlich vor verschlossenen Türen zu stehen – wochenlang. Genau das passiert derzeit im Aachener Ostviertel.

Sehr, sehr spät – viel zu spät haben Aachens Politiker von der Sache Kenntnis erlangt, die sich in der OT Josefshaus abgespielt haben soll: Nach dem Tod des beliebten  Leiters Richard Okon wurde ein neuer Leiter ernannt . . . und gegen den soll es dann irgendwann „massive Drohungen“ gegeben haben. Nichts mehr als ein Tütchen Marihuana im Briefkasten soll der Auslöser gewesen sein.

Und wer auch immer die „massiven Drohungen“ ausgesprochen hat: Die ganze OT-Gemeinschaft wird nun bestraft. Kinder und Jugendliche stehen auf der Straße. Ist das normal? Die Piraten in Aachen haben eine Stellungnahme verfasst:

 

Im Kinder- und Jugendausschuss war jetzt zu erfahren, dass die Offene Tür (OT) Josefshaus (eine Einrichtung für Jugendliche) im Ostviertel am 13. 11. 2018 geschlossen wurde und seitdem schon viele Wochen lang ihre Tore nicht mehr geöffnet hat. Es gab Berichte in den Printmedien und in den Ausschüssen der Stadt Aachen, in denen von Bedrohung von Mitarbeiter*innen und Leitung die Rede war. Die Piraten haben versucht herauszubekommen, was dort geschehen ist.

Es ergibt sich folgender Vorgang: Richard Okon als langjähriger Leiter der Einrichtung und Vertrauensperson der Jugendlichen ist vor etwa einem Jahr als 64-Jähriger gestorben. Ein Schock und ein großer Verlust für alle, die ihn kannten. Kurz darauf wird ein neuer Leiter eingesetzt. Hiernach soll es zu massiven Konflikten zwischen Jugendlichen und dem Personal gekommen sein. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten zu Richard Okon lange Vertrauen gefasst. Er war nicht wenigen von ihnen ein väterlicher Freund.

In der Einrichtung wurden aber weder Tod noch Trauer mit den Teilnehmer*innen thematisiert. Gab es sozialpsychologische und sozialpsychiatrische Unterstützung? Nein! So etwas brauche man in einer Einrichtung nicht, so wurde im Ausschuss mitgeteilt. Von einem Leiter bzw. dem Bistums-Vertreter hätten die Piraten etwas anderes erwartet. Der Ausschussvorsitzende Bernd Krott (SPD) vertrat sogar die Meinung: „Man braucht hier für die jungen Erwachsenen nur die harte Hand des Gesetzes.“

Das sehen die Piraten im Rat der Stadt anders. In dieser Ostviertel-OT geht man allgemein etwas robuster miteinander um und darf nicht zimperlich sein. Eine Schließung nützt niemandem etwas, weder den Jugendlichen, noch den jungen Erwachsenen. Insbesondere von einem Jugendamtsleiter hätte man mehr erwartet, als nur „die harte Hand des Gesetzes“ zu empfehlen. Letztlich ging es um ein Tütchen Cannabis im Briefkasten.

Statt offen mit dem Thema „Drogen“ umzugehen, ist es nur vermeintlich einfacher, die Einrichtung zu schließen. Wenn wir im Jahr 2018 immer noch in den Köpfen wie im Mittelalter denken und wenn bei vielen Menschen immer noch nicht angekommen ist, dass Cannabis von weiten Teilen der Erwachsenen und Jugendlichen konsumiert wird, fragt man sich, ob da Jugendzentren oder vielleicht wieder Zuchthäuser verlangt werden. Dort kann man dann mit harter Hand durchgreifen!

Wir Piraten leben gerne in Aachen und reden mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Erwachsenen egal wie betrunken, vollgekifft oder sonst etwas sie sein sollten. Für uns zählt die Geschichte jedes einzelnen Menschen. Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen muss man einen gewissen minimalen Freiraum lassen.

Ganz anders handelten die Verantwortlichen im Fall des Josefshauses: Sie kommen gar nicht erst auf die Idee, Jugendliche und junge Erwachsene ernst zu nehmen und Gespräche zu suchen sowie Lösungen zu finden – fernab von Polizei und Jugendamt. Dazu braucht man keinen Coach sondern Authentizität. Offene Jugendarbeit muss mehr sein, als Jugendliche und junge Erwachsene an den Pranger zu stellen. Und der Umgang mit Drogen muss offen und vorbehaltsfrei thematisiert werden.

Insofern fordern wir, unverzüglich einen neuen OT-Leiter einzusetzen und das Josefshaus wieder für Kinder und Jugendliche zu öffnen. Dazu müssen Gespräche stattfinden, und es muss versucht werden, auf die Wünsche und Bedürfnisse der OT-Besucher*innen einzugehen und die Jugendlichen mit ihrer Trauerbewältigung nicht alleine zu lassen.

Eine Reproduktion: „Zwischen den Tagen“ von Klaus Paier.

 

Über AachenNews

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Nur weil einige drohen, stehen jetzt ALLE vor verschlossenen Türen, wochenlang

  1. Pingback: Nur weil einige drohen, stehen jetzt ALLE vor verschlossenen Türen, wochenlang – Piratenpartei Aachen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.