Vom Sehen, Hinsehen und getäuscht werden

Im Ludwig Forum in Aachen: „Lust der Täuschung“. Die Ausstellung war in etwas anderer Form zuvor schon in München zu sehen.

Die Reden sind gehalten, die Ausstellung ist eröffnet. Jetzt können wir uns überlegen: Was sehen wir, was glauben wir zu sehen und was sind wir konditioniert zu sehen?

Museumschef Dr. Andreas Beitin hat seine letzte große Bilderschau abgeliefert, und viele wollten dabei sein. In seiner Rede bedankte er sich bei all denen, die ihn mit Mails und Anrufen unterstützten, als ihm von Seiten der Politik der Wind ganz heftig um die Ohren fegte. Er erhielt lang anhaltenden Beifall.

In seinen drei Aachener Jahren hat Beitin hier viele echte Fans gewonnen, bestimmt mehr, als er selber geglaubt hatte. Man hat ihm völlig zu Unrecht in groß aufgemachten Presseartikeln vorgeworfen, Geld nicht der Stadtkasse zugeleitet zu haben – das Preisgeld einer Stiftung, 1700 Euro für die besonders gut gelungene Mies-van-der-Rohe-Ausstellung, eine Summe, die ausdrücklich ihm als Kurator zugeeignet wurde.

Die CDU-Kulturausschussvorsitzende Margrethe Schmeer hielt eine merkwürdige Rede. Sie sprach davon, dass Kunst und Kultur in Aachen derzeit nicht gerade Hochkonjunktur hätten (sinngemäß), es müssten jetzt alle zusammenhalten, denen Kunst und Kultur etwas bedeute. – Wie sonderbar. Sorgt doch die CDU selbst am meisten dafür, dass Künstler klein (und arm) gehalten werden, zumindest die der freien Kulturszene. Die Damen und Herren Christdemokraten werden sich noch wundern, zu welcher Verrohung die Kultur in der Zukunft fähig sein wird. Da kann der ewig grinsende OB dann auch nichts mehr weglächeln.

Die Ausstellungsstücke selbst konnte man bei der Eröffnung nicht in Ruhe anschauen. Zu viele Leute. Bei einem Rundgang war es mir zudem schwer, nicht zuzugreifen, denn man will schließlich nach längeren Betrachten dann doch wissen: Ist das Teil nun dreidimensional oder wieder nur gemalt?

Die allgegenwärtigen Kameras, die dich erkennen und deine Wege verfolgen. Es sei denn, zu ziehst dir eine Maske über und spazierst – wie in früheren Tagen – anonym wohin es dich gerade treibt.

Volles Haus im Ludwig Forum. Besonders viel Applaus gab es für Noch-Museumschef Dr. Andreas Beitin.

Es folgen: 2 LeserInnenbriefe

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3 Antworten zu Vom Sehen, Hinsehen und getäuscht werden

  1. Pingback: Vortrag im LuFo: Von der Digitalisierung der Welt zur Virtuellen Realität – Gut zu wissen

  2. Michael schreibt:

    Sorry, ich kann nicht nachvollziehen, warum ein Herr Museumsdirektor 1700 Euro neben seinen A 16-Bezügen bekommen darf, während es jedem Müllwerker streng untersagt ist, Trinkgeld anzunehmen. Ich finde es sehr gut, dass da mal jemand dran rührt. Es ist ja nicht so, dass das Geschäftsgebahren der Museumsführung so vorbildlich gewesen ist. Vergaben ohne Ausschreibung, überteuerte Kataloge, und und und…

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    • Margret Vallot schreibt:

      Also, wenn der Müllwerker so gut arbeitet, dass weit über die Grenzen von Aachen hinaus das Lob erschallt und wenn dann eine unabhängige Jury meint, den Mann zeichnen wir aus, der hat einen Preis verdient . . . dann soll und wird der das Preisgeld behalten dürfen, das ist doch wohl klar.

      Von den drei Kuratoren vom LuFo das Preisgeld zu verlangen, ist eine Aktion, über die die Kunstwelt bundesweit den Kopf schüttelt oder – schlimmer – lacht. Und wenn alle anderen etwas Vollhorst-mäßig saudumm finden und nur du allein findest es in Ordnung, dann könnte es richtig sein, noch mal kurz nachzudenken. Oder?

      Eine beschämende Aktion, eine Dreistigkeit und Dümmlichkeit, die sich auf nichts als Missgunst und Neid gründet, das sehen wir hier. Und das ganz unabhängig davon, was der Museumschef sonst noch „verbrochen“ haben soll. Entweder ich stelle eine Diva ein oder ich lass es sein und engagiere einen sturen Bürokraten als Museumschef. Dann muss ich mich aber nicht wundern, wenn kaum einer mehr das Aachener Ludwig Forum mag.

      Die Stadtverwaltung hatte keine Bedenken, einem Personalrat (Gärtner) mittels Gehaltsprüngen 150.000 Euro zu viel aus der Stadtkasse zukommen zu lassen. Jetzt rennt sie dem Preisgeld von 5000 Euro der 3 Kuratoren hinterher. Hallo? Gehts noch?

      Man macht respektlose Vergleiche und lässt großzügig gegen sich selbst die Tatsache unter den Tisch fallen, dass der Museumschef hohe Beträge bei Sponsoren eingeworben hat. Für eine Ausstellung, die man nicht haben wollte, der in Aachen geborene Ludwig Mies van der Rohe, ja, ja, der kommt uns nicht in die Stadt. Als der Exil-Architekt nach dem Weltkrieg für Aachen bauen wollte, da hieß es: Nicht erwünscht. Warum wohl?

      Und wann äußert sich eigentlich mal der feine Herr Oberbürgermeister zu dem Fall? Und warum ist demnächst nicht Beitins reguläre Stellvertreterin, Dr. Annette Lagler, kommissarische Leiterin des LuFo, sondern eine Frau Knoll oder Kroll? Was hat die GroKo in Aachen mit dem Ludwig Forum vor?

      Tja Leute. Wir wissen es nicht.

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