War wieder ein Erlebnis der Extraklasse: ein Besuch im Theater Aachen

Sehr bequem: Was demnächst im Theater Aachen (Großes Haus, Kammer und Mörgens) aufgeführt wird, kann man sich auf kleinen Flyern durchlesen und schauen, ob man das mag. Im Foyer des Theaters.

Ein Besuch im Theater Aachen hat sich wieder gelohnt. Zum letzten Mal wurde „Der Kaufmann von Venedig“ (Shakespeare) gegeben. Um mit dem Schluss zu beginnen: Es gab tosenden Applaus.

Das Stück handelt von zwei Töchtern – die eine Christin, die andere Jüdin – die über den Reichtum ihrer Väter verfügen. Und da sind eine Reihe junger Männer,

Bilder im Theater zeigen die Kostüme der Schauspieler*innen im Stück.

die dringend Geld brauchen. Dies teils wegen ihres kostspieligen Lebenswandels, teils weil sie als Kaufleute gerade sehr wenig Erfolg haben. Beide (!) Töchter reichen die Kohle ihrer Väter an ihre neuen, völlig mittellosen Ehemänner weiter. Aus Liebe, oder so.

Es geht also um Geld. Der titelgebende „Kaufmann von Venedig“ leiht sich in dem Stück Geld von Shylock, dem Juden, er kann es nach der abgemachten Frist nicht zurückzahlen und das Unglück nimmt seinen Lauf . . . Mehr als der Kaufmann steht in dem Stück übrigens der Jude im Mittelpunkt, wohlhabend und über alle Maßen unbeliebt, als Geldverleiher benutzt und zugleich beschimpft und am Ende noch reingelegt und der Verlierer im Stück.

„Das muss aufhören“, dachte ich sonderbar glasklar beim Rausgehen aus dem Theater, dass nämlich der Außenseiter, sei er nun Dunkelhäutiger, Inuit, Sioux, Krummer, Dicker, Dürrer, Jude, Flüchtling, Obdachloser, Behinderter, Homosexueller, Moslem, usw, usw, am Ende immer der Verlierer ist und die anderen die lachenden und fröhlich tanzenden Gewinner.

Falls jemand Lust hat, sich im Theater Aachen in diesem Frühjahr was anzusehen, für den/die habe ich mal ein Foto von Teilen des Programms gemacht (s. oben Aufmacherbild). Das Theater ist zwar hochsubventioniert, ein Besuch ist trotzdem teuer. Bis jetzt zahlten wir jedes Mal pro Person 30,50 Euro. Wenn ihr zu Zweit zweimal in einem Monat ins Theater geht, habt ihr schon mehr Geld aus öffentlichen Kassen bekommen, als ein Hartz-IV-Empfänger im ganzen Monat für sich bekommt (Miete nicht mitgerechnet). Denkt mal drüber nach. (UPDATE: Dazu gibt es prompt Nachfragen. Werde später mal genauer berichten)

„Der Kaufmann von Venedig“, inszeniert von Ewa Teilmans. Die Frau hat’s drauf. Wer alles auf der Bühne stand, seht ihr hier

Hier Ausschnitte (Das Stück ist abgelaufen, da kann ich mich kurz halten):
https://www.youtube.com/watch?v=-fGLD700MOo

Und so erlebte Sabine Rother (AZ/AN) das Stück: https://www.aachener-nachrichten.de/kultur/der-kaufmann-von-venedig-am-theater-aachen_aid-33260151

Imposant: Die Decke samt Leuchter im großen Saal des Stadttheaters.

Ganz, ganz toll in seiner Rolle fand ich Björn Jacobsen als Diener und Narr. Seine schauspielerischen Leistungen wurden ausgezeichnet mit dem Förderpreis für Kultur der Stadt Bremerhaven, dem Förderpreis der Gesellschaft der Staatstheaterfreunde Braunschweig und dem Publikumspreis der Bayerischen Theatertage für das Livehörspiel »Spiel mir das Lied vom Tod« am Theater Erlangen. Und ich wette, dass er das Preisgeld jeweils nicht an seinen Arbeitgeber abliefern musste.

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