In Wien: Auf großzügige Inseratvergabe folgten Jubelberichte und frisierte Umfragen

In Österreich haben Politiker mitbestimmt, was in der Zeitung steht: Jubelberichte über Kanzler Kurz und seine Politik. Außerdem frisierte Umfragen, die ergeben haben, dass in Österreich ziemlich viele Leute sich den Sebastian Kurz als Kanzler wünschen. Es geht um das auflagenstarke Boulevardblatt „Österreich“.

Sieh mal an, die Ösis, hihihi, wie sind die denn drauf? Man muss lachen, wenn man erfährt, was da abgelaufen ist. An eine frisierte Umfrage dachte ich auch, als mitgeteilt wurde, dass junge Menschen in Deutschland bei der Bundestagswahl hauptsächlich die FDP gewählt haben. Wie kam eigentlich diese Umfrage zustande, wer wurde befragt? 

Zurück zu „Österreich“, wo Medienmanager sich für bestimmte Berichte von Politikern (unter anderem vom Finanzminister) bezahlen ließen. Tolle Medienleute, muss man schon sagen, die die Hand aufhalten und dann veröffentlichen, was die Politik zu lesen wünscht. Man darf dabei nicht vergessen, worum es geht: Nämlich um die Frage, ob die Bevölkerung die Informationen bekommt, die wichtig sind. 
Wenn es diesen Kuhhandel wirklich gegeben hat (noch ermittelt die Staatsanwaltschaft), dann haben Mitarbeiter von Kanzler Kurz das Geld der Steuerzahler dafür eingesetzt, dass diese Steuerzahler falsch informiert wurden. Die Bürgerinnen und Bürger haben sozusagen ihre eigene Desinformation bezahlt. Genial, ist man versucht zu sagen. 

So läuft es übrigens genau in Ungarn, wo die Menschen gezielt falsch informiert wurden und werden, aber die Politik zahlt dort nicht mit Geld aus der Staatskasse, sondern mit Geld, dass die Europäische Union nach Ungarn überweist, für andere Zwecke natürlich. 

Mitbestimmen, was in der Zeitung steht, davon träumen Politiker*innen. Und dass auf Kritik an der Regierung verzichtet wird, dass über Fehler des Kanzlers und seiner Minister geschwiegen wird. Das passiert umso leichter je offensichtlicher wird, dass sich Zeitungen ohne Bestechungsgelder nicht mehr finanzieren lassen. 

Der ganze Casus hat noch eine zweite Seite. Politiker, die keine Anzeigen schalteten, die nicht zahlten wurden einfach nicht mehr erwähnt, fanden in der Zeitung nicht mehr statt. Das nennt man Erpressungs-Journalismus: Entweder das Geld fließt oder wir berichten gar nicht mehr über dich, oder nur ganz wenig, oder bringen nur schlechte Berichte. 

Und weiter: Die Zeitungen, die nicht mitmachten beim Bestechungs-Karusell haben keine Information mehr bekommen. Die sich auf den Deal nicht eingelassen haben, wurden bestraft, sie gingen leer aus, bekamen keine Anzeigen mehr, und da dürfte es sich um erhebliche Summen handeln. Mehr als jetzt in der Öffentlichkeit erwähnt wird.  – Mal sehen was das Misstrauensvotum gegen Sebastian Kurz am kommenden Dienstag ergibt.

Was lesen diese Leute in den Wiener Cafés in den Zeitungen? Die Wahrheit? Offenlage: Was hat Wien mit Aachen zu tun? Gott sei Dank nichts. Und die, die sagen, AachenNews.org soll sich – wie der Name es verspricht – auf Aachen konzentrieren, werden Bedenken haben. Schon klar.

ZUM NACHHÖREN: Der Podcast von Übermedien. – Journalist und Podcaster Holger Klein aus Berlin spricht mit Chefredakteur Florin Klenk in Wien.

ZUM NACHLESEN UND SEHEN:

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Über AachenNews.org

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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