Ganz Haaren probt den Aufstand. Ganz Haaren?

Das (Foto oben) ist die Welsche Mühle. Die heißt so, weil sie vor Jahrhunderten einem Welschen gehörte. Welsche sind romanisierte Angehörige keltischer  Völker. Die Welsche Mühle steht in Haaren, was ein Aachener Ortsteil ist und ansonsten sehr arm an bauhistorischen und sonstigen Attraktionen. Haaren wurde in den 1920 Jahren ein Arbeiterviertel.

Das (Foto oben) ist der Teich der Welschen Mühle. Aus dem speiste sich das Wasser, das von oben auf das Mühlrad knallte und die Mühle in Gang setzte. Es wurde Mehl gemahlen.

Das (nochmal Foto oben) ist die Obstwiese, die zu dem Teich und zu der Welschen Mühle gehören. Das Ensemble wird im Volksmund „der Kurpark von Haaren“ genannt, weil die Leute, besonders die aus dem nahegelegenen Seniorenheim, dort gern eine Runde spazieren gehen.

Auf diese Obstwiese soll in Kürze ein Kindergarten gebaut werden. In Haaren fehlen Kindergartenplätze für rund 90 Kinderchen. Beschlossen wurde das erstmals im Mai 2017 in der Bezirksvertretung Haaren, einstimmig.

Jetzt (reichlich spät) haben sich rund 300 Haarener zu Protesten aufgeschwungen. Sie wollen, dass die Wiese unbebaut bleibt und die Kita auf einem anderen Grundstück errichtet wird, das seinerzeit auch zur Diskussion stand und vielen als geeignet erschien.

Der Fall wird am kommenden Dienstag, 22. Januar, ab 18 Uhr im Bürgerforum diskutiert. Die Mitglieder des Bürgerforums werden vor Ort tagen. Beginn in der GGS Haaren ist um 18 Uhr.

Die Preisfrage ist jetzt übrigens quasi nebenbei: Warum melden die Bürgerinnen und Bürger mal wieder so spät Protest an? Warum haben sie sich nicht schon viel früher eingemischt? Weil sie dazu zu faul waren? Weil sie zu doof und verschlafen sind und nichts mitbekommen? Weil sie trotz Bemühungen der Stadtverwaltung um Mitbestimmung nicht informiert waren? Weil sie – wie an anderer Stelle viele Briten – geglaubt haben: So ein Quatsch wird doch sowieso niemals realisiert?

Die Welsche Mühle, von der Obstwiese aus fotografiert. Übrigens: Die Bilder sind „Bilder“ und nicht die „Wirklichkeit“. Man wählt die Perspektive und einen Ausschnitt und die Lichtdramaturgie aus. Objektiv sind Fotos nie. Wer das denkt ist dumm.

Hier weiterlesen. Wenn ihr daran interessiert seid zu erfahren, wie es immer wieder dazu kommt, dass Bürger*innen sich zu spät einmischen. 

***

Folgendes hat die Verwaltung erwogen bei der Überlegung, die Obstwiese der Welschen Mühle als Standort für eine neue Kita vorzuschlagen.

1. Das Grundstück gehört der Stadt, muss also nicht extra gekauft werden.

2. Es ist zwar knapp, hat aber doch so gerade noch die richtige Größe.

3. Der Bebauungsplan muss aber geändert werden. Dauer: 2 Jahre.

4. Die Lage ist innerörtlich und damit gut.

5. Die 90 Kinder (in 6 Gruppen) ergeben einen zusätzlichen Pkw-Verkehr morgens von 45 – 60 Autos. Dafür ist die Mühlenstraße zu klein, sie müsste ausgebaut werden.

6. Wäre die Kita an der Welschen Mühle, wären die Kitas in Haaren gut über das Stadtviertel verteilt.

7. Die Stadt könnte das andere, ebenfalls gut geeignete Grundstück mit Gewinn verkaufen.

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Bitte schenkt in diesem Fall denen, die routinemäßig und einfältig Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielen wollen, keine Beachtung. Es

Wie passend: Kunst von Peter Lacroix (Aachen) an einer Seite von der Mühle.

heißt, die Alten wollen keine Kita, die Jungen wollen die Kita auf der Obstwiese doch. Das ist durch keine Umfrage belegt. Alt gegen Jung, Reich (Nizzaallee) gegen Arm (Ostviertel) usw. das ist Quatsch.

Bitte glaubt auch denen nicht, die sagen: Die Haarener hatten Zeit, sich einzumischen, es sind erwachsene Menschen, jetzt ist demokratisch entschieden, und damit Schluss, aus, Ende, vorbei. Wer so denkt ist nicht bürgernah.

Seid auch vorsichtig, wenn Verschwörungs-Theoretiker sich zu Wort melden. Die vermuten, dass die Verwaltung oder die Politiker oder beide in Wirklichkeit gar keine Bürgerbeteiligung wollen, sondern den Bürgern ihren Willen aufzwingen wollen. Auch das ist erwiesenermaßen Quatsch.

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Mordsgeschichte im Ludwig Forum

Ein Erlebnis: Theater K. im Ludwig Forum

Richtig gute Theaterkost wird in diesen Tagen im Ludwig Forum geboten. Das Aachener Theater K. führt dort „Nike“ auf, ein blutrünstiges, pralles Stück von Thea Dorn.

Es handelt von einer Frau, die mindestens 19 ältere, gebildete, weiße Männer (darunter: zwei Lehrer und ein Journalist) ermordet hat, und die deshalb in einem Museum zur Schau gestellt wird (Regie: Agma Formanns). Ein Besuch lohnt sich.

Nike, das ist in der griechischen Mythologie der Name der Siegesgöttin. Die Nike im Stück (Mona Creutzer) ist aber zunächst alles andere als eine Siegerin. Sie sitzt im Museum, ist dort quasi in einem Käfig gefangen, und sie ist – wie auch ihre Mordwerkzeuge, mit denen sie den Männern lustvoll die Köpfe (!) abschnitt – Ausstellungsobjekt. Wie es dazu kommt, dass sie am Ende doch als Siegerin das Museum verlässt, das ist vordergründig der Inhalt des Stücks.

Das Publikum erlebt zunächst eine typische Museums-Situation: Man wird im LuFo als Gruppe von Kunstwerk zu Kunstwerk geführt . . . bis hin zu Nike, die außer ein paar schwer verständlichen Zaubersprüchen nichts von sich gibt. Die schlanke und sehr hübsche Museumsführerin Kyra (Anna Scholten) aber, das wird bald klar, gehört zur Inszenierung, und sie bekommt es mit zwei Männern zu tun.

Der Erste ist ein lebensmüder, dickbäuchiger Mann mit Glatze (Martin Päthel), der sich zunächst von Nike ermorden lassen will, sich dann aber unversehens in

Kunst von Allen Jones, die sich im Ludwig Forum befindet, spielt im Stück eine Rolle.

Kyra verliebt, der er mit seiner aufdringlichen Art gewaltig auf die Nerven geht. Nach Art gänzlich rücksichtsloser Männer/Stalker erlaubt sich der Verliebte krasse Übergriffe.

Der zweite Mann ist Kyras Freund Andy (Jochen Deuticke), auch irgendwie lästig. Er kann nicht verstehen, dass sie sich nicht freut, wo er sie doch an ihrem Arbeitsplatz besuchen kommt. Tja.

Was schließlich Nike mit beiden Männern macht, ist nicht schwer zu erraten. Teils bizarr, teils komödiantisch ist das Stück, 80 Minuten vergehen wie im Flug. Am Schluß gab es im LuFo verdienten, lang anhaltenden Beifall.

Weitere Termine im Januar: 18., 19., 24., 26. 27., 31. im Ludwig Forum, Jülicher Straße 97 – 109.

Theater K. http://www.theater-k.de/nike_index.htm

Termine und Vorverkaufsstellen. http://www.rger.de/theater-k.de/images/Spieltermine_NIKE.pdf

Was Sabine Rother (AN/AZ) schreibt: https://www.aachener-nachrichten.de/kultur/moerderisches-im-ludwig-forum-aachen_aid-35617009

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Umfrage zu Elterntaxis an Aachener Schulen

Michael Sahm, für die Piratenpartei Aachen als sachkundiger Bürger in den Schulausschüssen von Stadt und StädteRegion Aachen aktiv, hat eine Umfrage gestartet. Er schreibt:

„Elterntaxi“ nennt man es, wenn übervorsichtige Eltern (a.k.a. „Helikoptereltern“) ihre Lütten am liebsten bis in den Klassenraum fahren möchten. Das morgendliche Verkehrschaos vor den Schulen erzeugt jedoch für alle (Eltern, Kinder, Lehrkräfte, Anwohner) unnötigen Stress, Lärm, Abgase und nicht zuletzt unübersichtliche und damit gefährliche Verkehrssituationen.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob „Elterntaxis“ auch in Aachen ein Problem sind, würde ich mit dieser kleinen Umfrage von Euch gerne wissen, ob das an Eurer Schule auch so ist.

Wohnt ihr in der Nähe einer Schule? Bringt ihr oft Kinder oder Enkelkinder zur  Schule? Dann: Zur Teilnahme an der Umfrage, die natürlich nicht repräsentativ sein kann: hier klicken

 

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Ganz einfach: Situation am Hansemannplatz wird entschärft

Die Unfallkommission in der Stadt Aachen hat sich am Mittwoch, 9. Januar, ausschließlich mit der Verkehrssituation am Hansemannplatz beschäftigt. Das teilte das Presseamt der Stadtverwaltung mit. In der Beratung sei es darum gegangen, eine Lösung zu finden, um die Situation von Radfahrerinnen und Radfahrern am Hansemannplatz deutlich zu verbessern.

„Sie war nötig geworden, weil Ende April 2017 am Hansemannplatz ein

Angesichts eines tödlich ausgegangenen Unfalls ist es durchaus angebracht, in Aachen mehr für die Sicherheit der Radfahrer*innen zu tun.

tödlicher Unfall passiert war“, so wurde mitgeteilt. Ein Busfahrer hatte beim Rechtsabbiegen von der Monheimsallee in die Busspur Peterstraße eine Radfahrerin übersehen. Die Radlerin war dabei ums Leben gekommen.

Der Busfahrer musste sich vor Gericht verantworten. Für ihn gab es eine Strafe auf Bewährung.

Die Unfallkommission hatte als Sofortmaßnahme nach dem Unfall bereits entschieden, den Radfahrstreifen von der Monheimsallee in Richtung Heinrichsallee auf einer Länge von rund elf Meter rot einzufärben. Das reichte nach Ansicht von Fahrrad-Aktivisten nicht. Jetzt habe sich die Kommission auf eine weitere Maßnahme verständigt:

Die ASEAG-Buslinie 54 biegt ab Montag nächster Woche am Hansemannplatz von der Monheimsallee nach rechts in die normale Fahrspur ein.

In Aachen wird das Fahrradfahren gefördert. Entsprechend sollten auch die Straßen radfahr-freundlich gestaltet sein.

Rechtsabbiegen der Linie 54 in die Busspur entfällt komplett, ebenso der Halt an der Haltestelle Hansemannplatz.

Kritik an dieser einfachen Lösung findet sich schon im Netz: „Also eine einfache ‚Lösung‘ ist das nicht, denn der Bus biegt da ja noch rechts ab, nur halt etwas früher, und das Problem ist ja nicht nur die Buslinie! Ohne eine Umgestaltung der Kreuzung wird es nicht gehen. Eine einfache Lösung bis dahin wäre eine Ampel für Radfahrer. (Über die Angelegenheit wird hier weiter berichtet.)

Das ist wichtig für Bus-Kunden: Die Aseag-Fahrgäste müssen sich fortan darauf einstellen, dass sie am Hansemannplatz nicht mehr aus- oder umsteigen können. Der Bus fährt vom Hansemannplatz aus direkt bis zum Bushof weiter, weil sich nur so Rückstaus auf dem Hansemannplatz vermeiden lassen. Am Bushof können die Fahrgäste dann aus- oder umsteigen.

Zusatzinfo: Die Kommission setzt sich zusammen aus Fachleuten der Stadt Aachen (Verkehrsbehörde, -planung, Straßenbau und -unterhaltung), der Polizei und der Aseag.

Critical Mass Aachen

Meldung im WDR

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Old Fashioned

Am Bahnhof von Aachen gesehen.        Foto: Henning Brinkmann

Briefe schreiben – wer macht das noch? Und erst Liebesbriefe! Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es noch Leute gibt, die ganz altmodisch einen „Liebesbrief“ (auf totem Holz) verfassen, in einen Briefumschlag packen, eine Briefmarke kaufen (wo?) und draufkleben und dann in so einen gelben Kasten werfen.

Genauso wie sich niemand mehr in eine „Telefonzelle“ stellt, in einem sogenannten Telefonbuch eine Nummer sucht, dann Münzen einwirft und eine runde Scheibe mit dem Finger in Bewegung versetzt.   Oder dass jemand eine Kamera seitlich öffnet, ein Röllchen einlegt und anfängt zu fotografieren, ohne sofort nachzuschauen, was er da eigentlich aufgenommen hat.

Auch Teppiche werden ja nicht mehr an die frische Luft geschleppt, über eine Stange gelegt und ausgeklopft. Und es kommt auch niemand mehr vorbei und bringt zu Balken gefrorenes Wasser, das in die Vorratskammer gelegt wird, um da die Temperatur künstlich abzusenken.

Im Wald sammelt man kein „Anzündholz“ mehr, man geht da nur spazieren. Und es bringt auch kein „Kohlenmann“, der aussieht wie der Glöckner von Notre-Dame, Kohlen und Briketts säckeweise in den Keller. – Schon seltsam, wie sich das Alltagsleben verändert hat.

Ganz bestimmt total altmodisch ist es auch, Texte aus einer auf Papier erscheinenden (wie lange noch?) Tageszeitung auszuschneiden und zum Lesen in irgendein Fenster zu stellen!!! – Sei’s drum.

Bleibt hier noch jemand stehen und fängt an zu lesen?

Wo es grade um Zeitungen geht: Wie die Schriftsetzer (den Beruf gibt es nicht mehr) gearbeitet haben, das ist heute fast niemand mehr bekannt. Texte wurden mit Bleisatz-Druckvorlagen hergestellt, im 20. Jahrhundert mit der Linotype-Setzmaschine. Nicht ganz  verschwunden ist die Drucker-Sprache, im Folgenden mal nur die Worte, die mit A anfangen:

Abbreviatur, Abgittern, Entgittern, Ablationsplatte, Ablegen, Abliegen, Abrakeln, Abschwächer, Abspecken, Abstimmbogen, Abstimmung, Abwicklung, Abzug, Ätzgravur, Affiche, Ahle, Akzidenz, Alphakanal, Andruck, Andruckskala, Anfasser, Anlage, Anlagemarke, Anschnitt, Antialiasing, Antiqua, AP-Papier,
Aquatinta, Arkansas-Ölstein, Atlasfarben, ATM, Aufbauen, Auflage, Auflösung, Aufsichtsvorlage, Aufzug, Augenpulver, Ausdruck, Ausleger,  Aussparen, Ausrichtung, Ausschießen, Ausbringen/Austreiben, Ausschließen, Auszeichnen, Autografie, Umdruck, Autokorrektur, Autorenkorrektur/Autorkorrektur, Autorensystem,  Autotracing, Autotypie, Azureelinien.

 

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Über den Tellerrand geschaut

Was erwartet uns eigentlich – über Aachen hinaus betrachtet – 2019? Auf was müssen wir uns gefasst machen?

Die Frage ist leicht zu beantworten: Zunächst wird es sehr spannend am 29. März, da tritt der Brexit in Kraft. Und die Ratspräsidentschaft liegt dann bei Rumänien, einem Land, dass jetzt Zug um Zug alle Gesetze rückgängig macht, deren Einführung es überhaupt zur EU-Mitgliedschaft berechtigte. Das war vorauszusehen, nur nicht vom Riesenstaatsmann Martin Schulz (SPD), der die Erweiterung der EU immer massiv betrieben hat.

Im Mai steht die Europawahl an mit den neuerdings unvermeidlichen Desinformations-Kampagnen (via Facebook). Unsere Vorlieben, Eigenschaften, alle Verhaltensdaten liegen Facebook vor. Wir werden anläßlich der Wahl dubiosen Einflüsterern ausgesetzt, ohne dass wir es merken. (Hier nachlesen)

Zur EU-Wahl wird es Versuche geben, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, z.B. mit Microtargeting, also der gezielten Ansprache von Kleingruppen – aus den europäischen Ländern heraus und auch gezielt aus außereuropäischen Ländern (USA, Russland) heraus – unter Verwendung von Datenprofilen. Vorbereitet auf derartiges ist die Öffentlichkeit nicht.

Seit man über die Firma Cambridge Analytica Bescheid weiß, die bei der Trump-Wahl letztlich 87 Millionen Wähler ihren Manipulations-Attacken aussetzte, hätte man entsprechende Gesetze beschließen können. Ist das geschehen? Nein. Die EU hat ein paar nicht-verpflichtende EMPFEHLUNGEN veröffentlicht, immerhin, darüber muss man schon froh sein.

Wie auch immer: Vom 23. bis 26. Mai sind rund 400 Millionen Bürgerinnen und Bürger in 27 Mitgliedsländern aufgerufen, zum neunten Mal das Europäische Parlament (s. Foto) zu wählen. In Deutschland wird am Sonntag, 26. Mai, gewählt. Die Wahlbeteiligung lag zuletzt bei etwa 40 Prozent, wird am 26. Mai aber wohl deutlich höher sein.

Dass nun – wie allgemein erwartet wird – antieuropäische, nationalistische und populistische Parteien krass zulegen werden, da bin ich mir – bezüglich West- und Mitteleuropa – gar nicht so sicher. Länder wie Ungarn und Polen allerdings, mit noch gegenwärtiger Erinnerung an von Moskau gelenkte Politik/Regierungen, werden sich mit aller Macht dagegen wehren, von Brüssel aus auch nur irgendetwas vorgeschrieben zu bekommen. Geschweige denn, von dort aus regiert zu werden. Kann man verstehen.

Die dringend erforderliche Erneuerung der EU bedeutet aber, dass das Parlament wichtiger wird und mehr Kompetenzen bekommt. Geplant war ja mal, dass das EU-Parlament wichtiger wird als z. B. der deutsche Bundestag. Könnte ich mit leben! Aber mit Ländern wie Polen und Ungarn wird das nicht zu machen sein.

Und um noch etwas weiter zu spekulieren (ist am Anfang des Jahres ja erlaubt): Vom französischen Präsidenten Macron werden wir bezüglich Europa in 2019 noch ein paar krasse Diskussionsbeiträge hören. Darauf freu ich mich schon.

Sonneborn-Mitarbeiter erklärt euch die EU. https://www.youtube.com/watch?v=ao1s4lWOb-8

Microtargeting und Manipulation. https://www.youtube.com/watch?v=NZ66iR4Gi7E

Auch interessant: Die Netzpolitik der AfD im Bundestag https://www.youtube.com/watch?v=ukZNeNdBmb0

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Aachen 2018: Wirklich keine rosige Bilanz

Grau in grau oder: Farbe in den Alltag? Wie hier in der Oppenhoffallee.

Vorbei, vorbei, 2018 ist vorbei. Und es war für Aachen ein komisches Jahr.

Nicht nur, dass hier vieles, was 2017 nicht weitergekommen ist, auch 2018 nicht wirklich vorankam.

Es wurde auch die Kluft zwischen Deutschlands Superhochschule RWTH einerseits und der dazu gehörenden Stadt bzw. Stadtpolitik andererseits noch immer größer.

Ja, es klafft ein Graben zwischen den beiden Teilen: Hier die RWTH mit Spitzenforschung auf höchsten Niveau, gut 560 Professoren und Professorinnen und 45.000 Studierenden. Dazu ein 948-Millionen-Euro-Jahresetat. Da die hemdsärmelige Kommunalpolitik, die zögerlich geführte Stadtgesellschaft, die mit dem dringend notwendigen Neubau der halben Innenstadt überhaupt nicht vorankommt. Die Radvorrangrouten plant, aber nicht baut und wo Vorhaben wie das Richtericher Dell oder das Bluegate-Projekt als Rohrkrepierer verenden. Büchel, Markthalle, Elektrobusse, Bushof-Umbau: Aus all dem wird nie mehr was, auch 2019 nicht.

An diese Zögerlichkeit und Langsamkeit gewöhnt, könnte man damit ja noch einfach weiterleben, wenn nicht die Hochschule wäre mit ihrem Campus hier und Campus da. Erstaunlich, dass die Spitzen dieser weltberühmten Universität nicht öfter im Rathaus vorstellig werden und massiv mehr professionelles Agieren fordern.

Fehlender Wohnraum, heruntergekommene Straßenzüge in prominenter Lage, Leerstand im Einzelhandel: Das passt alles nicht mehr zu dem, wie die RWTH in der Welt dastehen will. Ein Niveauunterschied, tief wie der Andreas Graben zeichnet sich schon länger ab.

Trotzdem, Aachen ist nun mal unser geliebtes Vaterstädtchen, und einen Erfolg gab es 2018 ja doch: Die Ausstellung „Flashes of the Future“ im Ludwig Forum wurde „Ausstellung des Jahres“, und das Forum selbst wurde (s. ZEIT) „Museum des Jahres 2018“ der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes AICA. Eine geradezu sensationelle Belobigung, die den allermeisten Ratsmitgliedern rein nichts sagt und wo sie sich typischerweise auch nicht kundig machen, wie hochbedeutend sie ist.

Stattdessen watschen sie (über Indiskretionen/Presse) den Museumschef wegen Lappalien dermaßen ab, dass der sich nach einem neuen Arbeitgeber umsieht und prompt weg ist. Gerade so, als sollte unbedingt vermieden werden, dass demnächst anspruchsvolles Publikum aus aller Welt nach Aachen reist, um zukunftsweisende Kunst im Ludwig Forum zu erleben.

Was uns bleibt von 2018? – Naja, das wiedereröffnete Freibad Hangeweiher scheint rundum gelungen zu sein. Dann treffen wir uns 2019 eben da. Bis dahin wünschen wir den Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch und möglichst wenig Frust in 2019.

Auf dem Platz an der Lothringer Straße gesehen. Da steht: „Wenn Holland nicht wär, lag Aachen am Meer!“ (Ja, aber zum Glück gibt es Holland. Mit dem  Deiche-Bauen würden wir nämlich niemals fertig.)

 

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Wohin mit dem Fahrrad? Die Grünen haben eine Idee.

Der Klosterplatz im historischen Stadtzentrum hat Raum für Leihautos, eine Ladestation und andere Pkw. Aber auch für viele Fahrräder.

Der Klosterplatz, von anderer Seite aus betrachtet, mit Blick in Richtung Katschhof. Platz satt.

Das ist ja mal ein schöner Ratsantrag von den Grünen in Aachen: Auf dem Klosterplatz soll noch 2019 ein Fahrradparkplatz eingerichtet werden.

Es ist nur ein ANTRAG, wohlgemerkt. Sehr sinnvoll zwar und ganz einfach zu realisieren. Man müsste nur ein paar Bügel aufstellen. Wir Radfahrer*innen müssten die Drahtesel dann nicht mehr an Blumengittern, Verkehrsschildern und Laternenpfählen anketten. Allerdings neigen CDU und SPD dazu, jedem noch so sinnvollen Vorschlag der Opposition ein lautes „Nein“ entgegenzubrüllen. Insofern . . .

Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben. Auf dem Klosterplatz, an dem sich die niemals fertig gebaute Verwaltung des Bistums befindet, also in zentraler Innenstadtlage, da hätten außer den Fahrzeugen von Behinderten, den Cambio-Autos (CarSharing), drei bis vier alten Bäumen und einer Ladestation für E-Autos bestimmt auch noch 200 Fahrräder Platz. Dass es, wie die Grünen fordern, „hochwertige Abstellmöglichkeiten“ sein müssen, denke ich nicht. Planung und Bau würden dann wieder Jaaaaahre dauern. Radfahrer brauchen aber sofort Abstellmöglichkeiten.

In dieser kleinen Elektro-Postille hier wurde schon oft der Mangel an Fahrradbügeln beklagt. Zu Weihnachtsmarkt-Zeiten und beim September-

Immer mehr Leute steigen um. Die Folge: Es fehlt in Aachens Innenstadt an Abstellplätzen für Räder.

Special findet man beim besten Willen keine Abstellmöglichkeiten, aber auch an verregneten Tagen mitten in der Woche (ohne ein Event im Zentrum) ist es verdammt schwer. Der Klosterplatz ist unterdessen als Fahrradparkplatz ideal geeignet: Er ist sowieso kein Platz zum Verweilen, und dort abgestellte Räder und e-Bikes stehen niemandem im Weg.

Angeblich soll in Aachen die Radinfrastruktur aus Umweltschutzgründen gefördert werden. Die von außerhalb kommenden Aachener*innen sollen möglichst vom Pkw auf ASEAG und Rad umsteigen. Trotz drohender Fahrverbote geschieht diesbezüglich nicht genug.

Der Antrag: https://www.gruene-aachen.de/fileadmin/Webseite/pdfs/Antraege/AT_26.2018_Ratsantrag_Fahrradparken_historisches_Zentrum.pdf

Die Grünen: https://www.gruene-aachen.de/home/news/klosterplatz-fuer-fahrradparken-besser-nutzen.html

Für Autos werden in der Innenstadt mehr als genug Parkplätze und Parkhäuser zur Verfügung gestellt. Als Radler wirst du in Aachen wie ein Verkehrsteilnehmer 2. Klasse behandelt. Das ist nicht fair.

 

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Italien lässt grüßen: Lecker schmausen in der neuen L’Osteria

Neu in Aachen und quasi seit der Eröffnung beliebt: eine L’Osteria in der Gut-Dämme-Straße (Krefelder Straße runterfahren, dann unten rechts und wieder rechts rein).

In sechs Monaten gebaut und kürzlich eröffnet: ein neues Restaurant in Aachen, das – wie man hört – ständig gut besucht ist. Von der Sorte gibt es deutschlandweit schon rund 90 Stück, weshalb man das Ganze „Systemgastronomie“ nennt.

L’Osteria in der Gut-Dämme-Straße bietet Pizza und Pasta, knackige Salatvariationen, Antipasti und Süßes in sehr entspannter Atmosphäre, zu kleinen Preisen und in guter Qualität. Kinderfreundlich scheint der Laden ebenfalls zu sein. Offene Küche, hohe Fensterfronten (Industriedesign) und draußen jede Menge Parkplätze – was will man mehr?

200 Plätze gibt es, die Kellner sind freundlich, und sauber ist es auch. Also nichts wie hin, alles, was wir dort gegessen haben, schmeckte lecker, und was wir nicht geschafft haben, wurde zum Mitnehmen eingepackt. Innen zentral ist eine große Theke, die sieht so aus.

Was ich noch nicht von innen gesehen habe, ist das Restaurant direkt neben der L’Osteria, auch komplett neu: The Ash, ebenfalls Gastronomie mit System. Hier mal ein Foto:

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Nur weil einige drohen, stehen jetzt ALLE vor verschlossenen Türen, wochenlang

Das Josefshaus im Kirberichshofer Weg: am heutigen 22. Dezember 2018 ist es wie schon seit Wochen zu. Mindestens noch bis Mitte Januar.

Nicht jeder weiß, dass ein Jugendtreff für Kinder und Jugendliche ein zweites Zuhause sein kann. Aber genau das ist es, ich habe das selbst einst erfahren. Und es ist eine schlimme Sache, dort plötzlich vor verschlossenen Türen zu stehen – wochenlang. Genau das passiert derzeit im Aachener Ostviertel.

Sehr, sehr spät – viel zu spät haben Aachens Politiker von der Sache Kenntnis erlangt, die sich in der OT Josefshaus abgespielt haben soll: Nach dem Tod des beliebten  Leiters Richard Okon wurde ein neuer Leiter ernannt . . . und gegen den soll es dann irgendwann „massive Drohungen“ gegeben haben. Nichts mehr als ein Tütchen Marihuana im Briefkasten soll der Auslöser gewesen sein.

Und wer auch immer die „massiven Drohungen“ ausgesprochen hat: Die ganze OT-Gemeinschaft wird nun bestraft. Kinder und Jugendliche stehen auf der Straße. Ist das normal? Die Piraten in Aachen haben eine Stellungnahme verfasst:

 

Im Kinder- und Jugendausschuss war jetzt zu erfahren, dass die Offene Tür (OT) Josefshaus (eine Einrichtung für Jugendliche) im Ostviertel am 13. 11. 2018 geschlossen wurde und seitdem schon viele Wochen lang ihre Tore nicht mehr geöffnet hat. Es gab Berichte in den Printmedien und in den Ausschüssen der Stadt Aachen, in denen von Bedrohung von Mitarbeiter*innen und Leitung die Rede war. Die Piraten haben versucht herauszubekommen, was dort geschehen ist.

Es ergibt sich folgender Vorgang: Richard Okon als langjähriger Leiter der Einrichtung und Vertrauensperson der Jugendlichen ist vor etwa einem Jahr als 64-Jähriger gestorben. Ein Schock und ein großer Verlust für alle, die ihn kannten. Kurz darauf wird ein neuer Leiter eingesetzt. Hiernach soll es zu massiven Konflikten zwischen Jugendlichen und dem Personal gekommen sein. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten zu Richard Okon lange Vertrauen gefasst. Er war nicht wenigen von ihnen ein väterlicher Freund.

In der Einrichtung wurden aber weder Tod noch Trauer mit den Teilnehmer*innen thematisiert. Gab es sozialpsychologische und sozialpsychiatrische Unterstützung? Nein! So etwas brauche man in einer Einrichtung nicht, so wurde im Ausschuss mitgeteilt. Von einem Leiter bzw. dem Bistums-Vertreter hätten die Piraten etwas anderes erwartet. Der Ausschussvorsitzende Bernd Krott (SPD) vertrat sogar die Meinung: „Man braucht hier für die jungen Erwachsenen nur die harte Hand des Gesetzes.“

Das sehen die Piraten im Rat der Stadt anders. In dieser Ostviertel-OT geht man allgemein etwas robuster miteinander um und darf nicht zimperlich sein. Eine Schließung nützt niemandem etwas, weder den Jugendlichen, noch den jungen Erwachsenen. Insbesondere von einem Jugendamtsleiter hätte man mehr erwartet, als nur „die harte Hand des Gesetzes“ zu empfehlen. Letztlich ging es um ein Tütchen Cannabis im Briefkasten.

Statt offen mit dem Thema „Drogen“ umzugehen, ist es nur vermeintlich einfacher, die Einrichtung zu schließen. Wenn wir im Jahr 2018 immer noch in den Köpfen wie im Mittelalter denken und wenn bei vielen Menschen immer noch nicht angekommen ist, dass Cannabis von weiten Teilen der Erwachsenen und Jugendlichen konsumiert wird, fragt man sich, ob da Jugendzentren oder vielleicht wieder Zuchthäuser verlangt werden. Dort kann man dann mit harter Hand durchgreifen!

Wir Piraten leben gerne in Aachen und reden mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Erwachsenen egal wie betrunken, vollgekifft oder sonst etwas sie sein sollten. Für uns zählt die Geschichte jedes einzelnen Menschen. Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen muss man einen gewissen minimalen Freiraum lassen.

Ganz anders handelten die Verantwortlichen im Fall des Josefshauses: Sie kommen gar nicht erst auf die Idee, Jugendliche und junge Erwachsene ernst zu nehmen und Gespräche zu suchen sowie Lösungen zu finden – fernab von Polizei und Jugendamt. Dazu braucht man keinen Coach sondern Authentizität. Offene Jugendarbeit muss mehr sein, als Jugendliche und junge Erwachsene an den Pranger zu stellen. Und der Umgang mit Drogen muss offen und vorbehaltsfrei thematisiert werden.

Insofern fordern wir, unverzüglich einen neuen OT-Leiter einzusetzen und das Josefshaus wieder für Kinder und Jugendliche zu öffnen. Dazu müssen Gespräche stattfinden, und es muss versucht werden, auf die Wünsche und Bedürfnisse der OT-Besucher*innen einzugehen und die Jugendlichen mit ihrer Trauerbewältigung nicht alleine zu lassen.

Eine Reproduktion: „Zwischen den Tagen“ von Klaus Paier.

 

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