Bei den Bayern viel gesehen, viel gelernt

Die Fraktion der Freien Wähler des Landschaftsverband Rheinland (LVR) besichtigte den Landtag in München, wo Bayerns Freie Wähler mit der CSU koalieren. (Es fehlen Kai Hemsteeg, Wilfried Adamy und Margret Vallot.)

Die Fraktion der Freien Wähler (FW) im Landschaftsverband (LVR) hat wieder eine Info-Reise unternommen. Ziel war München, wo die dortigen Freien Wähler mit der CSU die Regierung bilden und sogar mit Hubert Aiwanger den stellvertretenden Ministerpräsident stellen. 

Jahrelang befanden sich die Freien Wähler im Freistaat in der Opposition, „da konnten wir ununterbrochen fordern“, jetzt sei man Regierungspartei, „da müssen wir liefern“. Dass das ein himmelweiter Unterschied sei, wurde den Rheinländern von Gottfried Obermair, Referent für Öffentlichkeitsarbeit, anschaulich dargestellt. Der erklärte auch, wie weit man es politisch gebracht habe, indem man sich in der Opposition auf lediglich drei Themen konzentriert habe, auf die aber mit ganze Kraft.

Die Freien Wähler haben in Bayern bereits 1. den für alle Kinder kostenfreien Kita-Besuch durchgesetzt, sie setzen sich 2. dafür ein, dass auch in Bayern wieder Windräder aufgestellt werden und Energie produziert wird, und sie waren maßgeblich daran beteiligt, dass 3. die Bürgerinnen und Bürger in Bayern (wie in Baden Württemberg) keine Straßenbaubeiträge mehr zahlen müssen. 

Die Freien Wähler in Bayern wurden hauptsächlich in ländlichen Gebieten, nicht  so sehr in den Großstädten gewählt. Als mit der Landwirtschaft vertraute Abgeordnete geraten sie besonders mit den Grünen aneinander, denen sie vorwerfen, mit zu wenig Sachkenntnis unrealistische Forderungen zu erheben.

Für die beim LVR ehrenamtlich aktiven Rheinländer besonders interessant waren Vortrag und Gespräch mit dem Vize-Präsident des Bezirkstages vom Bezirk Oberbayern, Rainer Schneider, der über die Aufgaben seines Bezirk informierte. Die Bezirke sind – wie in etwa der LVR in NRW – zuständig „für alles, was für die Landkreise zu groß ist“. Gemeint sind öffentliche Aufgaben, die über das Leistungsvermögen der Landkreise hinausgehen. Bezirke sind z. B. Träger psychiatrischer und neurologischer Fachkrankenhäuser, von Spezialkliniken, Fach- und Sonderschulen und Freilichtmuseen. Der Haushalt des Bezirk Oberbayern umfasst knapp 2 Milliarden Euro. (Vergleich: Der vom LVR knapp 4 Milliarden)

Was in der Folge intensiv diskutierte wurde: Das Bundesteilhabegesetz und der mit diesem Gesetz verbundene Zuwachs an Bürokratie, der effektive Einsatz von Schulbegleitern, Sinn und Zweck von Förderschulen sowie von Werkstätten für Behinderte, das erfolgreiche bayerische Projekt „Soforthilfe für Menschen in seelischen Krisen“, sodann Aspekte der Kulturförderung und des Naturschutz. Es erschreckte die Gäste der hohe Hebesatz der Bayern. Allerdings wurde schnell klar, dass LVR und Bezirke in entscheidenden Punkten nicht zu vergleichen sind.

Die NRWler ließen sich die drei kommunalen Ebenen der Bayern erklären und hatten einmal mehr den Eindruck, dass NRW mit seinen fünf Verwaltungsebenen (Landtag, Landschaftsverband, Regierungsbezirk, Kreise/StädteRegion, Kommune) wo auch schon mal etwas doppelt gemacht wird, nicht so effektiv arbeitet, wie dies wünschenswert wäre. 

Das imposante Landtagsgebäude, sogar von hinten eindrucksvoll.
Im Landtagsgebäude (Maximilianeum): Prominenter Besuch darf diese Treppe hinauf schreiten.
Durchblick im Landtag. Alles ist (wie auch die Stadt München insgesamt) in einem hervorragend guten Zustand. An Geld scheint kein Mangel im Freistaat.
Man befindet sich in einem traditionell christlichen Haus. Tradition und Vergangenheit scheinen wichtig, die Zukunft im Freitstaat gehört aber der Wasserstoff-Technologie, wie oft versichert wurde. Es ist zumindest das von Minister Aiwanger bevorzugte Thema.
Ein Sitzungssaal. Welche enorme Prachtentfaltung.
Was den Straßenverkehr betrifft, so hat München der Stadt Aachen viel voraus: Fahrradstraßen und selbstverständlich auch eine Straßenbahn.
Fahrradparkhaus in unmittelbarer Nähe zu einer U-Bahn-Station. Dort können Räder platzsparend auf zwei Etagen untergestellt werden.
Die Fraktion mit Florian Streibl (Mitte), Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im bayerischen Landtag. Der Jurist hatte wesentlichen Anteil am Zustandekommen des Untersuchungsausschusses zum Fall Gustl Mollath im Jahr 2013, dessen Schicksal seinerzeit auch die Piratenpartei zu Aktionen veranlasste. Foto: Gottfried Obermair
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Bauprojekt „Luisenhöfe“. Heute: Demo

Wo jetzt noch Werkstätten sind, wollen Investoren drei und vier Etagen hohe Wohnblocks bauen. Zusätzlich u. a. einen sechsgeschossigen Bau mit Wohnungen für Studierende. Entschieden ist noch nichts.

Weil es plötzlich alle Welt interessiert und offenbar noch Info-Bedarf besteht: Hier ein weiteres Textchen zum Bauprojekt „Luisenhöfe“.

Seit wann hat Aachen einen Boxpark? Wer ist Hans Poth? Und was sagen die Piraten eigentlich zu dem Projekt? Alles Fragen, die nach diesem Bericht hier aufgeploppt sind. 

Es geht um ein Wohnungsbau-Projekt von zwei Aachener Investoren (Landmarken und Aixact) im Innenbereich von Boxgraben, Südstraße und Mariabrunnstraße. Wer da nicht (in der Nähe) wohnt, kennt wahrscheinlich den Innenbereich nicht, er ist aber sehr schön, beinah idyllisch, mit mehreren Bäumen und vielen Pflanzen.

Wie es nun mal ihr Job ist, möchten die Investoren dort u. a. Wohnungen (200 Stück), eine Tiefgarage und eine Kita bauen, sie brauchen aber die Genehmigung der Stadtverwaltung, die letztlich nur das genehmigt, was die Mehrheit der von uns gewählten PolitikerInnen absegnet. Eine Bürgerinitiative (BI) will ebenfalls, dass dort gebaut wird, aber deutlich behutsamer, als die Investoren das wollen. 

Die Fronten sind klar, der Rat der Stadt muss sich auf eine Seite stellen, muss Schiedsrichter sein. Glückwunsch. Keine leichte Aufgabe bei der in Aachen herrschenden Wohnungsnot und jüngst ausgerufenem Klimanotstand

Das Grüngelände in dem Blockinnenbereich hat die BI einfach „Boxpark“ genannt, damit man weiß, worüber man redet, vermutlich. Und Hans Poth ist früher mal Pressesprecher der Stadt Aachen gewesen, jetzt pensioniert und einer der zwei Sprecher der BI. Er ist kein Hitzkopf, im Gegenteil, er ist klug, immer sachlich und besonnen. 

Das Großprojekt hat gute Chancen, das erste Areal in Aachen zu werden, wo Autos mit Verbrennungsmotor keine Chance haben – außer natürlich Taxis, Feuerwehr, Pflegedienste, Krankenwagen, Polizei, Müllabfuhr, Stadtbetrieb usw. Aachen könnte zeigen, ob man es tatsächlich ernst meint mit einer ökologischen und modernen Stadtentwicklung. (Spoiler: nein, meint man nicht) 

Seis drum. Die BI will kämpfen, will Grünflächen erhalten, den Grad der Versiegelung klein halten, nicht ganz so hoch bauen, wie die Investoren wollen und auch das Luisenhospital-Parkhaus nicht vergrößern. Sie veranstaltet sogar heute (14. 11.) eine Demonstration vor dem Verwaltungsgebäude (Lagerhausstraße), wo die PolitikerInnen (ohne Presse) über das Projekt beraten werden. Beginn der Demo: 16.30 Uhr. Etwa 400 Familien wohnen unmittelbar neben dem neuen Wohnprojekt, mal sehen wie viele von denen den Weg in die Lagerhausstraße finden werden. 

In den Fraktionen des Rates (CDU, SPD, Grüne, Piraten, FDP und Die Linke) wird das Megaprojekt zur Zeit heftig diskutiert. Immer geht es um die Frage: Wie bekommen wir die Wohnungsnot in den Griff, obwohl es kaum neue Baugrundstücke gibt? Und wie dicht und wie hoch sollen wir in Innenhöfen Bebauung zulassen? In den Fraktionen wird diskutiert, und hier wird natürlich weiter berichtet. 

Detail im Innenhof.
Blick vom Parkhaus aus auf den Innenhof und einige Werkstätten. Das Gelände soll insgesamt 15.000 Quadratmeter groß sein.

Hier weiterlesen: https://luisenhoefe-aachen.de

Im weitesten Sinne zum Thema passen diese Seiten: Movie sowie https://uniurbanmobil.de/projekte/

und https://changing-cities.org

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Politik in Aachen hat „bisher vor allem die Interessen der Investoren berücksichtigt“

Im Boxpark in Aachen. Wird diese grüne Idylle erhalten bleiben? Oder wird sie in die neuen Luisenhöfe integriert? Eine Bürgerinitiative möchte Wohnungsbau nicht verhindern, hat allerdings andere Vorstellungen von dem Gelände als die Investoren.

Die Bürgerinitiative (BI) Luisenhöfe hatte zu einem Rundgang eingeladen, zwei Aachener Piraten haben daran teilgenommen. Besichtigt wurde das Gelände zwischen Südstraße, Mariabrunnstraße, Reumontstraße und Boxgraben.

„Wir hoffen, dass bei dem Rundgang erkannt wurde, welche irreparablen städtebaulichen Schäden bereits durch die Genehmigung des vorhandenen Parkhauses entstanden sind, und dass eine Erweiterung deshalb unbedingt verhindert werden muss“, teilte Hans Poth für die BI im Nachhinein mit. Und weiter: Die Bürgerinitiative bittet darum, den geplanten Verkauf des Boxparks an die Investoren zurückzustellen. Sie bittet darum, vorher die Möglichkeiten auszuloten, den Park an einen von den Anwohnern zu gründenden Verein zu verpachten oder zu verkaufen.

Investoren planen, auf dem Areal gut 200 Wohnungen und eine Kita zu errichten, alles weitgehend im hochpreisigen Segment. Luxuswohnungen, die sich Normalverdiener nicht werden leisten können.

Eins ist mal klar: Der Verzicht auf eine Erweiterung des Parkhauses und auf den geplanten Bau einer Tiefgarage würde eine Maßnahme zur Bekämpfung der Klimafolgen darstellen. Das Gebiet ist wegen seiner Lage zwischen zwei Bahnhöfen und an zahlreichen Buslinien tatsächlich geradezu prädestiniert für ein alternatives Mobilitätskonzept.

„Wir hoffen auch“, so Poth weiter, „dass die noch vorhandenen ökologischen Qualitäten der Flächen des Baublockinneren erkannt wurden und dies letztlich dazu führen wird, dass eine gegenüber der vorhandenen Planung reduzierte Verdichtung beschlossen wird“. Es sei bei der Abwägung dringend Wert zu legen auf einen Ausgleich zwischen den Interessen der Investoren und der Anwohner*innen. „Wir sind der Meinung, dass im bisherigen Verfahren vor allem die Interessen der Investoren berücksichtigt wurden“, teilt die Bürgerinitiative mit.

Insbesondere drängt die BI darauf, die Bedeutung des Innenbereiches (genannt: Boxpark) für das Stadtklima zu beachten: Noch bis vor einiger Zeit  habe dieser Bereich als ein Bereich gegolten, der aus klimatischen und ökologischen Gründen nicht bebaut werden sollte. Dies zeige sich in der Ausweisung als klimarelevante Fläche im Klimafolgen-Anpassungskonzept als Grundlage für den Flächennutzungsplan 2030. Die BI formuliert erfrischend deutlich und klar: „Im Rahmen des durch die Stadt erklärten Klimanotstandes ist es angezeigt, diese Flächen zu stärken und nicht zu vernichten.

Man kann nur hoffen, dass die Politik alles Erdenkliche unternehmen wird, den Anteil des sozialen Wohnungsbaus über das bisher geplante Maß hinaus zu erhöhen. Die Wohnungsnot kann nicht durch den Bau
überteuerter und für den normalen Bürger nicht mehr bezahlbarer
Wohnungen
verringert werden.

Bei dem Rundgang wurden die Piraten auch auf die architektonischen und städtebaulichen Qualitäten der vorhandenen Gebäude der ehemaligen Kalde-Fabrik hingewiesen. Mal abwarten, ob diese Gebäude im Zuge der Neubebauung erhalten bleiben können. Die BI gibt jedenfalls so schnell nicht auf: „Wir setzen uns auch weiterhin für eine Mischung von Arbeiten und Wohnen in diesen Gebäuden ein.“

Morgen, Donnerstag, 14. November, ist vor der Sitzung des Planungsausschusses eine Demonstration geplant. In dem Ausschuss wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bebauung, die von der Stadtverwaltung genehmigt werden muss, diskutiert. Hier Einzelheiten zum Weiterlesen: BI Luisenhöfe auf Facebook.

Sehenswert: Mitten in der Stadt Aachen gibt es eine kleine grüne Hölle. Sehr erholsam ist es allerdings, sich dort aufzuhalten.
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Erinnerung an die Öffnung der Grenze, genannt „Mauerfall“

Mauern, die schon fast Kunstwerke sind, gibt es in Monschau. Schön, nicht wahr? Foto: Archiv

Aus gegebenem Anlass auch von mir heute eine Erinnerung:

Heute vor 30 Jahren – das weiß ich noch genau – war ich von einem anstrengenden Arbeitstag abends sehr müde. Die Mauer sei nun geöffnet, wurde in den ARD-Nachrichten mitgeteilt. Und ich saß mit meinem Lieblingsmenschen in einer Wohnung in der Weberstraße in Aachen vor dem TV-Gerät und fragte: Was denkst du was jetzt passiert? Er meinte lachend, er sei ganz sicher, „dass die jetzt alle rüberkommen werden“. Ich dachte: Das kann ich mir auch morgen noch ansehen, stand auf, ging ins Bett und schlief sofort ein.

***

Wenn jetzt alle Deutschen gedenken und sich erzählen, an was sie sich erinnern, fällt mir der Soziologe Harald Welzer ein. Er ist Gedächtnisforscher. Welzers These lautet: Gehen Sie davon aus, dass das Meiste, an das Sie sich zu erinnern glauben, so nicht stattgefunden hat.

Das Meiste . . . einiges aber doch.

***

Mauer, auf der Menschen stehen. In Aachen gesehen. Foto: Archiv
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Radentscheid-Initiative: „ein großer Schritt in Sachen Verkehrswende“

In Aachen im Frankenberger Viertel: ein Radler an der Wand.

Der Rat der Stadt hat am 6. November beschlossen, dass das Bürgerbegehren „Radentscheid Aachen“ zulässig ist. Überdies hat er sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, das Anliegen des Begehrens auch inhaltlich zu unterstützen. Das bedeutet eigentlich nur, dass die Verwaltung jetzt zusagt hat zu versuchen, die Forderungen des Radentscheids umzusetzen.

Der Oberbürgermeister (OB) ruft dazu auf, ihm bis Ende November konkrete Standorte zu nennen, wo Fahrradbügel in Aachen zusätzlich aufgestellt werden sollen. Bis zum Sommer 2020 sollen so 1000 weitere Fahrradbügel im Straßenraum auftauchen. Die Hinweise und Wünsche aus der Bürgerschaft nimmt der OB über folgende E-Mailadresse entgegen: oberbuergermeister@mail.aachen.de.

Wer auf den Unterschriftenlisten des Radentscheids unterschrieben hat, erwartet von der Stadt folgende Maßnahmen:

Ein durchgängiges, engmaschiges Radverkehrsnetz soll entstehen. Kreuzungen und Einmündungen sollen sicherer werden und an Hauptverkehrsstraßen gut gesicherte Radwege entstehen. Geh- und Radwege sollen durchgängig und einheitlich gestaltet sein. Das Angebot an Fahrradabstellplätzen soll umfassend ausgebaut werden. Mit Hilfe eines Online-Portals sollen Radler und Fußgänger Mängeln komfortabel melden können. Die Stadt soll jährlich einen Bericht vorlegen, in dem sie über die Umsetzung der Ziele berichtet und mitteilt, welche Fördermittel sie einwerben konnte.

Hier die Pressemitteilung der Gruppe, die den Radentscheid initiiert und vorangetrieben hat:

72 von 76 Ratsleuten stimmten am Ende in der Sitzung des Aachener Stadtrats für die Zulässigkeit und Umsetzung der Ziele des Radentscheids Aachen. Zuvor hatten sich nahezu alle Fraktionen in Redebeiträgen für die dialogorientierte, sachbezogene Arbeit des Radentscheid-Teams bedankt – und für den kräftigen „Schubs“, den Politik und Verwaltung durch die Initiative in Sachen Verkehrswende erhalten.

„Wir waren in den letzten Jahren an vielen Stellen nicht mutig genug, mehr umzusetzen“, hieß es da und „einem so starken Bürgerwillen mit solider Arbeit im Hintergrund kann man sich nicht verwehren“. 37.436 Unterschriften waren am 1. Oktober an Oberbürgermeister Philipp übergeben worden, das nötige Quorum von rund 7.800 Unterschriften war schnell als gültig geprüft.

In die Sitzung brachte Jan van den Hurk, neben Steffen van Bergerem einer der beiden Vertretungsberechtigten der Initiative, noch einen letzten Ordner mit eingetrudelten Unterschriften mit. In seiner Rede bedankte er sich für die breite Unterstützung aus der Stadtgesellschaft und vor allem durch die zahlreichen Aktiven. „Radverkehr wird in Aachen heute in einer noch nie dagewesenen Breite diskutiert. Die Wünsche lauten: Radverkehr soll sicher, übersichtlich, stressarm und komfortabel sein.“ Entscheidend für den Erfolg, da sind sich die Initiator*innen des Begehrens sicher, war; „Wir wollten von Beginn an eine Kampagne “FÜR” etwas durchführen! Wir wollen einen positiven Beitrag zur Stadtgestaltung leisten. Das ist bei den Menschen angekommen, die unterschrieben haben.“

Mit der Umsetzung der Ziele des Radentscheids, die ab sofort beginnt, wird ein großer Schritt in Sachen Verkehrswende getan. Dabei möchte das Team gerne weiterhin begleiten und die Arbeit von Politik und Verwaltung unterstützen. „Über Wandel und Veränderung muss eine Stadtgesellschaft reden, miteinander ins Gespräch kommen und bleiben. Wir sind bereit, auch in der praktischen Umsetzung, zum Beispiel als Teil eines Mobilitätsbeirats oder in einem anderen Gremium konstruktiv mitzuarbeiten. Unsere bisherige Arbeit war ein Sprint, jetzt gehen wir gemeinsam auf die Langstrecke.“

War vor etwa 40 Jahren in Aachen im Frankenberger Viertel (Goerdelerstraße) zu sehen: Kunst von Wandmaler Klaus Paier. Ein Radfahrer wird von einem Pkw überfahren. Wirklich Fahrrad-freundlich ist Aachen bis heute nicht. Foto entnommen von Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Paier_(Graffitikünstler)
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Aachen: Die Verkehrswende lässt auf sich warten

Soll Fahrradstraße werden: die Lothringerstraße. Dafür müssten viele Parkplätze wegfallen. Mit der derzeitigen Mehrheit im Rathaus ist das, so denke ich, nicht zu machen, obwohl hier und da Beschlüsse gefasst werden, die bei naiven Menschen Hoffnung aufkommen lassen. Foto: Archiv

Vorige Woche habe ich mir drei Stunden lang angehört, was Aachens Mobilitäts-Politiker zur Mobilität in Aachen zu sagen und zu entscheiden haben. Es war phasenweise echt lustig. :-/

Die CDU ist in dem Ausschuss (wie überall in der Aachener Politik) recht stark vertreten, bildet zusammen mit vier Leuten von der SPD die GroKo (große Koalition) und hat die Mehrheit. Grüne, Linke, FDP und Piraten bilden die Opposition. Von allen ist da – ganz ehrlich – Pirat Matthias Achilles die souveränste Figur. Auch Jörg Lindemann (CDU) argumentiert vernünftig. Falls ihr das nicht glaubt, geht doch selbst hin und schaut euch die Sitzung an. Sie ist öffentlich.

Was man sonst sehen kann: eine Person, die einschläft; eine Person, die ständig und immer dazwischenredet; eine, die sich erbsenzählerisch an Kleinigkeiten hochzieht; eine Person, die außer Aachen gar nichts kennt, usw usw. ES IST ZUM HEULEN, bzw. zum Lachen. 

Das waren einige Themen: 

Dass die Luft in Aachen endlich mal sauberer werden muss, hat sich die Politik zuletzt von keinem Geringeren als dem Oberverwaltungsgericht in Münster sagen lassen müssen. Von allein ist man da seit 9 Jahren nicht drauf gekommen. Jetzt endlich werden Maßnahmen eingeleitet. Luftreinhalteplan usw hier.

Durch die engsten Straßen der Stadt, an Dom und Rathaus vorbei, sollen bald die „Marktliner“ kurven. Kleine Busse, die de facto die Fußgängerzonen (Großkölnstraße, Annastraße und Markt) zurückverwandeln werden in Straßen, wo man immer aufpassen muss, dass man nicht angefahren wird oder unter die Fahrzeuge gerät. Eine Idee der FDP . . . Schade, aber die Mehrheit hat’s beschlossen, nur Grüne und Piraten sind dagegen. Dieser Spaß wird Millionen Euro kosten. Hier Infos zum Beschluss.

Ich vermute, dass man mit dem Projekt auch Professor Günther Schuh (RWTH) einen Gefallen tun will, aber das ist Spekulation. Schuh möchte ein autonom fahrendes Auto entwickeln und probefahren lassen. Der „Marktliner“ soll dafür infrage kommen, denken sich unbedarfte Kommunalpolitiker.

Sodann ging es um den Umbau des kleinen Platzes an der Lothringerstraße. Was dort stattfinden soll, das ist nichts weniger als die sogenannte Verkehrswende. Diese Straße soll nämlich Fahrradstraße und Premiumfußweg werden, und dass in der Lothringerstraße 50 Parkplätze wegfallen, das  glaube ich erst, wenn ich das Werk vollendet sehe. Die Autofahrerparteien CDU, SPD und FDP waren natürlich dagegen, dass dort am Rande des neugestalteten Platzes weitere 11 Parkplätze entfallen könnten und verlangten (zur Rettung der 11 Pkw-Plätze) von der Stadtverwaltung: Neuplanung. Hier die Vorlage zu dem Thema.

Nächster Punkt: Umgestaltung der Bismarckstraße zwischen Drimbornstraße und Schlossstraße. Die Umgestaltung der Bismarckstraße als Rad-Vorrang-Route soll die Zügigkeit, den Komfort sowie die objektive und subjektive Sicherheit für RadfahrerInnen erhöhen. Um diese Ziele zu erreichen, ist in Tempo-30-Zonen eine Priorisierung des Radverkehrs auf der Fahrbahn erforderlich. Entlang der Rad-Vorrang-Route wurden daher bereits die angrenzenden Straßen (Schlossstraße / Lothringerstraße und Beverstraße) als Fahrradstraßen beschlossen.
Auch hier gilt für die FußgängerInen- und RadfahrerInnen-freundlichen Pläne (drei Varianten) der Stadtverwaltung: Erst mal alles untersuchen. Dass die Bismarckstraße – was sinnvoll wäre – mit den Stimmen der GroKo JEMALS wirklich fahrradfreundlich wird, das genau glaube ich persönlich NICHT. Dazu bedarf es anderer Mehrheiten im Rathaus. Hier die Vorlage.

Mobilitätsausschuss, 31. Oktober, die komplette Tagesordnung hier. Auch die örtliche Presse (in der Politik oft der Position der Grünen zugeneigt) berichtete. Hier.

Übrigens: Die nächste Sitzung findet statt am Donnerstag, 21. November. Beginn ist um 17 Uhr. Ort wird in AachenNews.org noch bekanntgegeben. Man sieht sich.  )))

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Nicht schlecht: „Entkräfter Pro Max“ gegen rechte Parolen

Das Moderatoren-Duo Joko & Klaas setzt ein Zeichen gegen RECHTS und die absurden Behauptungen voll verpeilter Rechtspopulisten, die übrigens nicht nur in Parteien wie NPD und AfD unterwegs sind.

Die beiden nutzten ihre 15 Minuten freie Sendezeit (auf ihrem Heimatsender ProSieben) für eine Aktion, die gefallen hat. Sie stellten ein Gerät vor, das rechtspopulistische Aussagen entkräften soll. Passend dazu heißt es „Entkräfter Pro Max“.

Per Knopfdruck soll eine Stimme Aussagen wie „Ausländer sind kriminell“ und „Seenotrettung fördert Schlepperei“  kontern. Das 10-Euro-Gadget heißt entsprechend Entkräfter Pro Max, sieht aus wie ein Yps-Gimmick und liefert – wie erwähnt – auf Knopfdruck gut recherchierte Argumente gegen populistische Parolen.

https://www.entkraefter.de

Wird alles hier etwas ausführlicher erklärt: Joko & Klaas gewinnen in diversen Spielen freie TV-Zeit, die sie in ihrem Sender gänzlich frei gestalten dürfen. Da macht ProSieben ihnen keine Vorschriften, und der Sender distanziert sich auch immer vorsichtshalber vorab von den beiden Moderatoren. Bei der Anti-Rechts-Aktion distanziert sich ProSieben allerdings nicht, unterstützt Joko & Klaas sogar:


presseportal.de

https://www.entkraefter.de

Leute von heute gegen die Parolen von gestern, äh . . . vorgestern.

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High-Tech-Asphalt, Kandidaten-Aufstellung und eine Aktion von Baumschützern

Wunder-Asphalt wurde hier aufgetragen. Ob sich eine entsprechende Wirkung einstellt, wird jetzt gemessen.

Noch lange nicht fertig, aber jetzt schon mal einseitig mit High-Tech-Asphalt bedeckt: der Adalbertsteinweg, der eine vierspurige Hauptverkehrsstraße in Aachens Osten ist. Angeblich ist Aachen die erste Stadt in NRW, die diesen Belag testet. Der soll die Stickoxid-Konzentration senken, und zwar dauerhaft. Und er soll einen lärmmindernden Effekt haben.

Hellgraue Krümel sind es, von denen die Wunderwirkung ausgehen soll. Entwickelt wurde alles von der Firma Strabag zusammen mit Hochschul-Leuten und finanziell gefördert von einem Bundesministerium. Jetzt wird erst mal gemessen (Lärm, Luftqualität), und sollte sich Erfolg einstellen, werden bestimmt noch weitere Aachener Straßen mit dem Belag bedeckt.

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Der Aachener Weihnachtsmarkt öffnet in diesem Jahr vom 22. November bis zum 23. Dezember seine Pforten rund um Dom und Rathaus. Wegen der entsprechenden Auf- und Abbauarbeiten werden der Biomarkt auf dem Münsterplatz ab dem 9. November und der Wochenmarkt vor dem Rathaus ab dem 12. November auf dem Platz vor dem Elisenbrunnen stattfinden. Über die Verschiebungen der Wochenmärkte (freuen sich die Händler) informiert die Stadt Aachen auch per Newsletter, den man auf www.aachen.de abonnieren kann (Suchbegriff: „Wochenmärkte“).

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Es dauet noch fast ein Jahr, aber schon jetzt überlegen die Parteien, wen sie im September 2020 als Oberbürgermeister-Kandidat ins Rennen schicken können. Die SPD scheint sich auf Mathias Dopatka, einen sympathischen Gewerkschaftsmann (Verdi), geeinigt zu haben. Die Grünen, so hört und liest man, wünschen sich (in Teilen) einen Parteilosen, der sich durch seine Arbeit an der RWTH qualifiziert hat, als Kandidaten. Die CDU bekommt sich derzeit gar nicht gekramt, kann sich jedenfalls noch nicht zur Nennung einer Kandidatin/eines Kandidaten durchringen, und die anderen Parteien (einschließlich Piraten) kommen wahrscheinlich auch erst Anfang 2020 mit ihren Favoriten raus.

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Die Lothringerstraße soll dermaleinst zu einer Radvorrangroute gehören, deshalb sollten diese Woche schon vier oder fünf Bäume gefällt werden. Aachener Baumschützer hatten was dagegen, stellten sich vor die Bäume, die Fällarbeiten fielen aus, die Einrichtung einer Radvorrangroute verzögert sich. Es wird zum Fällen nach einem neuen Termin gesucht.

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Der Platz zwischen Alfonsstraße und Friedrichstraße. Nach einem eventuellen Umbau gehen hier mehr als 20 Parkplätze verloren. Foto: Archiv

Nochmal Lothringerstraße, bzw. der Platz an der Lothringerstraße, zwischen Alfons- und Friedrichstraße. Der soll zu einem viel schöneren Fleckchen Aachen umgebaut werden. Allein, es müssen über 20 Parkplätze dran glauben. Und daran, so meine Prognose, scheitert dann auch der ganze Umbau. Klima schützen? Mehr Grün ins Viertel? Aufenthaltsqualität verbessern? . . . spielt alles keine Rolle, wenn es um Platz für Autos geht. Entschieden ist aber noch nichts. Das Thema wird am Donnerstag, 31. Oktober, um 17 Uhr im Mobilitätsausschuss (Sitzungssaal 170, Verwaltungsgebäudes Marschiertor, Lagerhausstraße) behandelt. Die Sitzung ist öffentlich.

Hier vier Bücher, die ich mit großem Vergnügen und ebenso großem Erkenntnisgewinn gelesen habe. Meine Bücher des Jahres 2019, besonders das von Edward Snowden, wie ich ja auch schon getwittert habe.

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Der Hass einiger weniger Männer, die hauptsächlich via Facebook auf sich aufmerksam machen, ist erschütternd. Die grausame und häßliche Grundstimmung dieser Menschen war auch schon vor Facebook vorhanden, hat nun aber Möglichkeiten bekommen, öffentlich zu werden und verbreitet zu werden. Sie hassen ein 16-jähriges Mädchen, das sich für Umweltschutz einsetzt, sie hassen überhaupt Frauen, die sich hervortun, allen voran Angela Merkel oder Renate Künast. Sie hassen jedwedes abweichende Verhalten. Deshalb: Wenn Sie/du in unguten Gefühlen gefangen bist, lies hier nicht mehr mit, schreib mir auch keine Mails mehr. Danke.

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„Was die Digitalpolitik angeht, sind wir halt nicht smart und strong.“

62 Minuten lang sagt hier Influencer Rezo wieder Erhellendes über Medien, über YouTube, und entscheidende Unterschiede zwischen den Generationen werden wieder offensichtlich. Rezo kritisiert in diesem Zapp-Interview den Begriff YouTuber als „dummen Ausdruck“, weil sich das Wort nur auf das Medium beziehe. Journalisten würden ja auch nicht Fernsehler oder Printler genannt. Der Blauhaarige aus Aachen befürwortet den Plan, eine europäische Alternative zu YouTube aufzubauen. Hätte man sich auch denken können.

ZAPP-Moderatorin Kathrin Drehkopf befragte Rezo in ihrer ersten Sendung am 23. Oktober u. a. nach seiner Wortwahl. Auch die spezielle Sprache der Politik ist Thema.

Gudrun Kipfel aus der „ZAPP“-Redaktion hat übrigens in diesem Video einen Auftritt bei den „Space Frogs“. Sehr sehenswert.

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Rezo schreibt ab sofort Kolumnen für ZEIT ONLINE. Seit erster Text ist hier. „Horst Seehofer ist kein drolliges Kleinkind“

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Das schreibt die New York Times über Rezo aus Aachen: https://www.nytimes.com/2019/10/18/world/europe/germany-rezo-youtube.html

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Aachen könnte mehr aus sich machen

Stadtentwicklung in Aachen: Seit gefühlt 10 Jahren ein unendlich trauriges Kapitel. Hier Alfonsstraße, wo preiswerter Wohnraum vernichtet wurde und teure Eigentumswohnungen geplant sind. Foto: Archiv

Wer in Aachen lebt, fühlt sich an vielen Stellen und in vielerlei Hinsichten geradezu behindert und als Teilnehmer am modernen Leben ausgebremst. Seit etwa 10 Jahren erleben wir eine Art Stillstand in der Entwicklung der Stadt. Aachen könnte mehr aus sich machen. Dabei haben wir vor Ort eine leistungsfähige Hochschule, die uns den Weg aus dem Stillstand weisen könnte. Das tut sie auch. Ab Dienstag, 5. November, geht es los. Und zwar mit einer Vortragsreihe, einem Städtebaulichen Kolloquium um es genau zu sagen. Das hört sich akademisch an, ist aber für jeden offen und verständlich. Geh doch mal hin, Links zu Terminen stehen unten.

Das Wissen wird zunehmend wichtiger: als „neuer Rohstoff“ für das Leben in den Städten. Universitäten, Bildungs- und Forschungseinrichtungen werden zu Magneten für Talente, zugleich befördern sie Kreativität und Innovation. Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick unwillkürlich auf die räumliche Allianz von Universität und Stadt: Die Universität ist seit ihrer Entstehung im Mittelalter untrennbar mit der Stadt verbunden, obwohl die Städte als auch die Universitäten seither gravierende Veränderungen durchlaufen haben.

Die Auffassung von Universität und Hochschule als Elfenbeinturm hat sich seit dem zweiten Weltkrieg und der Phase der „Bildungsexpansion“ und der Hochschulneugründungen in den 1960er und 1970er Jahren grundlegend verändert. Heute haben die Synergieeffekte zwischen Stadt und Universität längst Einzug in die vielfältigen Strategien der Stadtentwicklung erhalten.

Hochschulen können die Attraktivität einer Stadt und einer Region nachweisbar erhöhen. Diese Erkenntnis nutzen viele Städte bei der Erstellung von Masterplänen, um den Beitrag der Hochschulen zur Stadtidentität zu stärken.

Die Universitäten und Hochschulen spielen auch in Städten und Regionen eine große Rolle als Wirtschaftsfaktor: als Arbeitgeber aufgrund der Kaufkraft der Studierenden und Hochschulangehörigen oder weil sie hochqualifizierte Arbeitskräfte bereitstellen.

Das Städtebauliche Kolloquium will den Fokus auf die Rolle der Universität als Motor für Stadtentwicklung richten und damit einhergehende Fragen nach der Wechselwirkung von Wissen und Stadt stellen: Welche Synergieeffekte zwischen Bildungs- und Forschungseinrichtung lassen sich identifizieren? Wie lassen sich die gestiegene Lebensbedürfnisse von Studierenden, Forschenden und Lehrenden räumlich beantworten?

Mit diesen Fragen will sich das Städtebauliche Kolloquium auseinander setzen und Strategien zu neuen Allianzen aus Wissen und Stadt befördern.

Die Termine: Vom Elfenbeinturm zur Wissenschaft https://www.staedtebau.rwth-aachen.de/go/id/dgotd

Konzepte für die Stadt von morgen: https://www.staedtebau.rwth-aachen.de/go/id/dgpda

Wissensbasierte Stadtentwicklung: https://www.staedtebau.rwth-aachen.de/go/id/dgpgdBitte empfehlen Sie AachenNews.org weiter

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