Kaum ist die neue Koalition aus CDU, SPD, Volt und FDP geschmiedet, da bläst ihr schon der Wind massiv ins Gesicht. Fahrradaktivisten werden den Verdacht nicht los, dass es Rückschritte (oder zumindest keinen Fortschritt mehr) bei der Umgestaltung Aachens in eine maximal fahrradfreundliche Stadt geben wird. Ein Antrag der neue Fraktion gibt zu derartigen Befürchtungen Anlass.
Alles Quatsch, sagt sinngemäß der Oberbürgermeister, man werde die Angelegenheit nur etwas pragmatischer angehen, alles werde moderat angepasst.
Vor der jüngsten Sitzung des Rates demonstrierten Mitglieder der Fahrradverbände auf dem Aachener Markt. Zwei Tage zuvor hatten sie schon eine Mahnwache vor den Burtscheider Kurparterrassen veranstaltet, als dort gerade die SPD tagte.

Der Ausbau der Radinfrastruktur möge wie bisher fortgeführt werden, das ist die Forderung von Rad- und Umweltverbänden und vom Radentscheid. Die Ziele sind und waren ehrgeizig, aber schon jetzt steht fest, dass nicht erreicht wird, was eigentlich bis 2027 geschafft sein sollte.
Die Koalition will den Radentscheid umsetzen, aber nicht so schnell und nicht so radikal, wie er einst beschlossen wurde. Es soll auf die Rotfärbung der Wege verzichtet werden, Rot soll es nur noch in den Kreuzungsbereichen geben. Statt teurer Edelpoller sollen kleine Baken zum Einsatz kommen. Und das Wichtigste: Den Lenkungspunkt (Karlsgraben/Jakobstraße) wird es bald nicht mehr geben, er wird außer Betrieb gesetzt, und die Schleifenerschließung – wie sie mal geplant war – wird auch nicht realisiert.

Foto: Trotz heißer Temperaturen: Wieder mal wollten weit mehr Menschen zur Fragestunde in den Ratssaal als hineinpassten. Thema war bei der letzten Sitzung vor der Sommerpause der Ausbau der Radinfrastruktur.
Die Verwaltung soll – das ist leichter gesagt als getan – eine andere Lösung vorschlagen. Und das auch noch mit einem größeren Loch in der Kasse und einer Haushaltssperre.
Dem Wunsch der Radaktivisten nach mehr Abstimmung und Diskussion kam Oberbürgermeister Ziemons im Rat nach. Er kündigte an, es werde demnächst für alle ein „Runder Tisch Stadtmobilität“ ins Leben gerufen.
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