Als Aachen düster und trist war . . .

Achim Ferrari ist vielleicht einigen Leserinnen und Lesern als grüner Ratspolitiker bekannt, als ausgezeichneter Kenner der Menschen und Lebenswelten dieser Stadt an der äußersten Grenze Deutschlands. Aber Achim Ferrari hat sich der Stadt Aachen und der Region nicht nur auf dem Feld der Politik zugewandt. Er hat in den 80er Jahren in Aachen und Raeren Straßen, Häuser, Plätze und auch Menschen fotografiert. Stets in schwarz/weiß

Die CDU regierte und hatte schon damals keinen einzigen guten Einfall. Doch ihre Zeit war abgelaufen. 1984 bekamen SPD und Grüne im Rathaus das Steuer in die Hand.


120 Fotos präsentiert er jetzt – kurz vor Weihnachten – in einem Bildband. Die Bilder entstanden, als Ferrari (nach dem RWTH-Studium der Architektur) Fotojournalist und Mitherausgeber des damals alternativen Magazins „Klenkes“ war. 

Es sind technisch hervorragende Fotos, die alle etwas düster wirken. Aachen Anfang der 80er Jahre, das kann – geht man von dem Fotos von Achim Ferrari aus – keine bunte Stadt mit hauptsächlich lebenslustigen Menschen gewesen sein. Steinkaulstraße, Annastraße, Scheibenstraße, Dunantstraße, Franzstraße – überall fand Ferrari Ruinen, zugemauerte Fenster/schwarze Löcher, Reste von Mauern oder hohe Mauern ohne jedes Fenster und hielt sie mit der Kamera fest. 

Mit den Worten „Die große Welt des schönen Wohnens“ wirbt auf einem Foto ein Möbelmarkt – durch und durch unglaubwürdig, denn man sieht ein Stück von einem Acker, ein langweiliges, häßliches Gebäude mit kleinen Fenstern und das Dach einer Industriehalle. Alles andere als „schönes Wohnen“. 

Man könnte depressiv werden beim Durchblättern von „Aachen in den 80er Jahren“. Oder man freut sich, denn viele Schutthaufen und Baracken existieren längst nicht mehr, Unterführungen wurden geschlossen. Es sind zum Teil schöne Bauten in die Höhe gewachsen. Obwohl: Die Straßenszene zum Beispiel im sogenannten Nikolausviertel (Antoniusstraße/Mefferdatisstraße/Großkölnstraße) sieht immer noch zum Fürchten häßlich aus. 

Interessant: Zwei Fotos zeigen Wandbilder des Aachener Malers Klaus Paier, eins davon existiert nicht mehr. Schön, es im Foto noch einmal zu sehen.

Menschen und Autos sind auf vielen dieser Fotos ebenfalls abgebildet. Autos, die praktisch überall Platz einnehmen dürfen, auf Katschhof und Lindenplatz, von wo sie später verscheucht wurden, teils unter großem Protestgeschrei der Geschäftswelt. Menschen schauen auf den Fotos von Achim Ferrari traurig oder grimmig drein, wie könnte es anders sein in dieser tristen Welt? Nur Mandele Leo hat etwas zu lachen.

Achim Ferrari, „Aachen in den 80er Jahren“, Ferrari Media 2021, ISBN 978-3-942131-91-9, mit einem Vorwort von Bernd Mathieu, der das Betrachten der Fotos als eine „schöne Reise“ bezeichnet. Für 24,95 Euro z. B. in der Buchhandlung Backhaus zu haben.

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