Was leistet sich Aachen für 40 Millionen?

Ganz schön turbulent und mit vielen sehr unterschiedlichen Themen ging gestern im Rathaus das Bürgerforum über die Bühne. Rund 20 Bürgerinnen und Bürger trugen unterschiedliche Anliegen vor. Das Thema „Neues Kurhaus“, von den Piraten auf die Tagesordnung gesetzt, wollten CDU und SPD aber leider nicht besprechen.

Klar, das Thema war etwas spät auf die Tagesordnung gekommen, aber man hätte ja auch mal etwas Spontaneität und Aktualität zulassen können!!! Allein: Grüne, Linke und Piraten sowie ein Einzelvertreter zogen bei der Abstimmung über den Tagesordnungspunkt den Kürzeren.

Generell „bewegt“ sich die Kommunalpolitik immer im Schneckentempo. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Ein Thema muss erst durch verschiedene Ausschüsse gehen, das allein dauert u. U. Monate. Dann durch den Rat. Dann wird eine Summe in den Haushalt des kommenden Jahres eingestellt und erst danach werden Firmen mit der Realisation beauftragt. So dauert z. B. die Umgestaltung eines Platzes oder der Ausbau einer kleinen Straße mindestens 2 Jahre, eher drei, von der ersten Behandlung im Bürgerforum bis zur Fertigstellung. 

Wir (Grüne, Piraten und die Linke) wollten uns gestern mit einem Bauwerk, das so kaputt ist, dass seine Wiederherstellung mindestens 40 Millionen Euro kosten würde, befassen. Eine Angelegenheit, die ohne Zweifel in die Öffentlichkeit gehört.

Dieses Geld, so steht es zur Debatte, soll die Stadt Aachen aufbringen. Meine persönliche Meinung: Ich bitte zu bedenken, dass es in Aachen nicht wenige Menschen gibt, die so gut wie gar nichts mit diesem Prachtbau verbinden. Die haben dort drinnen niemals Karneval gefeiert, waren nie in der Disco, weil es diese Disco schon nicht mehr gab, als diese Leute im passenden Alter waren.

Und die sind auch nie ins Spielkasino gegangen, weil für sie ein Spielkasino nicht attraktiv war und ist, es ist höchstens ein Ort, wo man auf dumme Weise viel Geld verliert. Die Hochschule hat schon und baut noch große Säle, an das neue CARL sei erinnert. Die Notwendigkeit, das Neue Kurhaus als Ort für Groß-Kongresse vorzuhalten wird ebenfalls nicht gesehen.

40 Millionen also  . . . für ein Bauwerk, das keine wirkliche Bedeutung hat. Bedeutung haben in Zeiten von Wohnungsnot aber neue Wohnungen. In Zeiten von schmutziger und krankmachender Luft/Fahrverboten wichtig ist auch der Ersatz von Autos durch Fahrräder und damit der Ausbau von Fahrradwegen und -straßen.

Es wundert nicht, dass viele meinen, mit 40 Millionen müsse dringend etwas anderes geschehen. Das Neue Kurhaus könne man verkaufen, an wen auch immer. Ein privater Investor kann eine Seniorenresidenz dort einrichten, oder eine Anwälte-Gruppe eine entsprechende Kanzlei. Oder etwas anderes.

Wie auch immer: Wenn das Neue Kurhaus nicht verkauft wird, muss der Einsatz der Millionen gut begründen werden. Denn diese Investition hat das Zeug, die Politikverdrossenheit zu fördern.

Am Dom von Aachen gesehen: ein Drachen, der an alte Wasserspeier erinnert. Gut, dass der Dom nicht Eigentum der Stadt Aachen ist, sondern der Kirche gehört. Er sähe sonst deutlich mehr heruntergekommen aus.

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