Neue Wohnungen entstehen, aber es sind nicht genug

Bismarckstraße/Ecke Viktoriaallee im Frankenberger Viertel.

Die Baubranche hat viel zu tun. Doch all die neuen Wohngebäude, die jetzt fertiggestellt werden, reichen nicht aus, die Wohnungsnot zu lindern. Es fallen in Aachen zu viele ältere Gebäude aus der Sozialbindung raus, die Mietpreisbindung entfällt.

Läden, Praxen, Büroräume, eine Tiefgarage und Wohnungen für Familien und Studierende entstehen gerade in der Bismarckstraße/Ecke Viktoriaallee – da, wo mal die grün schimmernde Zentrale der Vegla zu finden war. In AachenNews wurde schon mehrfach berichtet, immer besser lässt sich erkennen, welch gigantische Dimensionen diese Anlage angenommen hat.

Wenn die Sozialbindung entfällt, können verabredungsgemäß tausende Wohnungen (6000 in den kommenden Jahren), die zuvor nur preiswert vermietet werden durften, danach teuer vermietet werden. Kurz gesagt: Menschen, die in einer bezahlbaren Wohnung leben, müssen ausziehen, weil sie sich die Wohnung nicht mehr leisten können. Und weil die Situation in Aachen ist wie sie ist, müssen die Familien oft von Aachen wegziehen, nach Würselen oder Eschweiler oder sogar in die Eifel.

Politik und Verwaltung zermartern sich das Hirn wegen der Frage, wie man diese schwierige Situation in den Griff bekommen kann. Denn Platz zum Bauen ist in Aachen knapp, wir sind voll, sozusagen. Die letzten Wiesen, Felder und Brachen an den Rändern der Stadt möchte man nicht bebauen, weil von dort sonst deutlich zu wenig Frischluft in die Innenstadt zieht.

Noch gibt es nur ein großes Transparent. Aber auch in der Großkölnstraße gegenüber von SINN wird derzeit gebaut: Wohnungen und Geschäfte.

Mit Befremden muss man auch auf die vielen Mikroappartements schauen, die derzeit gebaut werden. Es sind ultrakleine, sehr teurer Studentenbuden, wo man sich gar nicht vorstellen kann, dass jemand es in so einem engen Raum eine Zeitlang aushält. Übrigens: Im Wintersemester 2020/21 studierten erstmals über 60.000 Menschen in Aachen.

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Die Stadtverwaltung hat unterdessen die Wohnungs-Situation analysiert und wieder einen Bericht verfasst. In dem Bericht heißt es, 2020 sei neuer Wohnraum für knapp 550 Haushalte geschaffen worden. Davon seien über 90 Wohneinheiten flächeneffizient und ressourcenschonend über Maßnahmen im Bestand – wie zum Beispiel durch Dachgeschossausbau oder die Umnutzung gewerblicher Einheiten – realisiert worden.

Weiter wird mitgeteilt: Die Stadt Aachen erteilte im vergangenen Jahr Baugenehmigungen für über 1.041 Wohnungen; davon 160 in Bestandsmaßnahmen. Zentrale Herausforderung bleibe trotz aller ergriffenen Maßnahmen die soziale Wohnraumversorgung. Bereits heute seien nur noch 7 Prozent aller Wohneinheiten öffentlich gefördert, 56 Prozent dieser Wohneinheiten fallen in den kommenden 10 Jahren aus der Bindung. Gleichzeitig sei auch das Ende der großen Flächenpotentiale real: „Die Bodenpreise steigen ebenso wie die Bau- und Materialkosten.“

Als Folge steigen auch Miet- und Eigentumspreise kontinuierlich an. So lag der mittlere Angebotsmietpreis für Wohnungen in Aachen im Jahr 2020 bei 9,13 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.

Bürgermeister Norbert Plum (SPD) ist Stellvertreter von Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen. Er betont, dass über die letzten 5 Jahre hinweg 146,8 Millionen Euro an Landesfördermitteln zur Errichtung bezahlbaren Wohnraums in Aachen ankamen. Dies entspricht einem jährlichen Durchschnitt von 29,4 Millionen Euro.

Eine gedruckte Ausgabe des Wohnungsmarktberichts 2021 kann beim Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration der Stadt Aachen unter der Telefonnummer 0241/432-56306 oder der Mail-Adresse komwob@mail.aachen.de angefordert werden. Im Internet ist der Wohnungsmarktbericht unter www.aachen.de/wohnungsmarktbericht zu finden.

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