Das Café zum Mohren – wie lange noch?

Ein Name wie aus dem Lexikon der Menschenverachtung: Café zum Mohren. Müssen wir da unseren Kuchen kaufen? Ich frag ja nur.

Triggerwarnung: Hier kommen Worte vor, die bei PoC Schmerz auslösen (update:) auslösen könnten.

Während in Bristol und in anderen Städten die Statuen von Sklavenhändlern vom Sockel geholt und sogar ins Meer geworfen werden, und weltweit Unternehmen und Einzelpersonen ihr Verhalten auf eingeschliffene rassistische Teile hin überprüfen, gibt es mitten in Aachen noch immer das Café zum Mohren.

„Mohr“ von griechisch μωρός mōros, „stumpf, töricht, dumm“, ist allgemein die Bezeichnung für den dunkelhäutigen Diener eines weißen Menschen. „Möhrchen“ nennen ältere Menschen in Aachen ein peschschwarzes Kätzchen. Meine Aachener Oma (geb. 1899) verwendete die Worte „Mohr“ und „Neger“ gleichermaßen, wenn sie von dunkelhäutigen Menschen sprach. Diese wurden dann auch noch – stereotyp – immer so dargestellt: dunkle bis schwarze Haut, dicke Lippen, krauses Haar, oft mit großen Ohrringen, Baströckchen oder anderen Attributen „wilder Völker“.

Bei den großen Dichtern früherer Jahrhunderte ist der Mohr auch oft der Teufel. Man liest die Worte Affengesicht und Nickneger. Alles Begriffe, die Menschen mit dunkler Haut verletzen und wohl auch verletzen sollen.

Aus aktuellen Anlass haben wir mal freundlich nachgefragt, ob es bei dem Café im Hof von Aachen bei dem Namen bleibt. Die Kuchenverkäuferin fühlte sich angegriffen und meinte patzig: Ja, da sei sie sich ganz sicher. „Der ist so und der bleibt auch so.“

Kuchen habe ich dann da nicht mehr gekauft, ich hatte die Frage auch nicht böse gemeint, ist aber wohl falsch rübergekommen. Mir ist nämlich klar, dass eine Umbenennung nicht so leicht ist, dass sie teuer werden kann. Da wäre Phantasie gefragt. Das ganze Haus heißt ja schon immer „Haus zum Mohren“. Allerdings: Wie viele Ungeheuerlichkeiten waren einst normal und erlaubt und sind nun gottseidank abgeschafft?

Beim „Café zum Mohren“ dauert es jetzt aber schon sehr lange. Schade.

Hier ein lesenswerter Bericht der örtlichen Presse von vor 5 Jahren: https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/lehrer-fordert-umbenennung-der-gaststaette-cafe-zum-mohren_aid-31155671

Tja, und nu? Es ist übrigens nicht sinnvoll, dieses Thema in aufgeheizter Atmosphäre zu diskutieren. Wer nicht sachlich bleiben kann, sage lieber nichts.

Und schon gibt es Reaktionen, danke: Mohren-Apotheke in Frankfurt, U-Bahn Station Mohrenstraße in Berlin. Alle denken über den Namen nach und was er mit den Menschen macht. Nichts Gutes, soviel ist klar.

PoC bedeutet Person of color (Plural: people of color). Es ist ein Begriff aus dem anglo-amerikanischen Raum für Menschen, die gegenüber der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft als nicht-weiß gelten und wegen ethnischer Zuschreibungen („Sichtbarkeit“) alltäglichen, institutionellen und anderen Formen des Rassismus ausgesetzt sind (aus Wikipedia).

Für Person of Color haben wir in Deutschland keinen adäquaten Ausdruck, auch nicht für Racial Profiling. Das erinnert mich an den Begriff „sexuelle Belästigung“, den es in den 1960er Jahren ebenfalls noch nicht gab. Diese ekelhafte Belästigung gab es aber, wie vielfach berichtet wird.

s. auch Alltagsrassismus

Lest meinetwegen auch, was Wolfgang Becker aus Aachen auf Facebook zu dem Thema schreibt.

***

Update: Ich finde, dass es Zeit ist, damit anzufangen darüber zu reden, dass Menschen darunter leiden, wenn ein Café „Café zum Mohren“ heißt.

Über AachenNews.org

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3 Antworten zu Das Café zum Mohren – wie lange noch?

  1. Beda schreibt:

    Die Diskussion finde ich richtig. Was mich als PoC aber massiv stört, ist die Trigger-Warnung: Nein, diese Worte lösen bei mir keinen schlimmen Schmerz aus! Es mag sein, dass es anderen PoC so ergeht, aber bitte sprecht nicht im Namen anderer – ganz unabhängig davon, ob die Autorin oder der Autor weiß, schwarz, gelb, rosa oder grün ist. Merkt ihr nicht, dass hier eine neue Form von Suprematie errichtet wird? „Wir Nicht-PoC können über alles sprechen, ihr PoC könntet allerdings damit Probleme haben. Aber keine Sorge liebe PoC, wir tuen es nur in Eurem Sinn.“

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  2. Heijo Eck schreibt:

    Was kann denn der arme Kuchen dafür, dass Sie ihn nicht kaufen, weil er das Pech hat, im „Café zum Mohren“ feilgeboten zu werden? So oder so ähnlich möchte man fragen, wenn man Ihren Beitrag zu diesem Thema liest. Nun sind Sie nicht der oder die erste, die eine Tilgung dieses Namens fordert; schon vor Jahren berichtete die Aachener Presse (Sie weisen darauf hin) über einen Lehrer, der die Umbenennung des Cafés forderte. Um es kurz zu machen: Ich halte diese Form der politischen Korrektheit, die eine Art Wiedergutmachung sein soll, für grundlegend falsch. Und zwar aus verschiedensten Gründen, von denen ich nur einige kurz erwähnen darf. Ein schwaches Argument, zugegeben, wäre: Wollen Sie Shakespeares „Mohr von Venedig“ weltweit umbenennen? Oder: Schafft man ein bestehendes Ärgernis, in diesem Falle den Rassismus, aus der Welt, indem man einen althergebrachten Begriff aus der Welt schafft? Macht man das Schlimme der Vergangenheit ungeschehen, wenn man, wie jüngst in Edinburg, die Statue eines Sklavenhändlers ins nahegelegene Meer entsorgt? (Dass besagter englischer Sklavenhändler gleichzeitig auch ein großer Wohltäter war, macht die Sache zudem noch etwas komplizierter). Nein, wir sollten nicht die Begriffe und auch die Erinnerungsstücke an eine sicherlich schlimme Vergangenheit entsorgen, sondern Ihnen etwas entgegensetzen, sie in einen Kontext einbinden, in irgendeiner Form verfremden und so das Vergangene als Mahnung lebendig erhalten.
    Ich hoffe sehr, und das ist nicht ironisch gemeint, dass das „Café zum Mohren“ seinen Namen behält und nicht einer falsch verstandenen politischen Korrektheit opfert. Als ironische Brechung und Ausgleich könnten sich die Konditoren des Hauses ja etwas einfallen lassen und ein neues Gebäck mit dem Namen „Bleichgesicht“ kreieren.
    PS, und mal ganz freundlich gefragt: Glauben Sie wirklich, dass eine gestresste Kellnerin, während sie gerade mit Abräumen des Geschirrs beschäftigt ist, sich auf eine Grundsatzdiskussion zum Thema „Mohr“ einlässt? Das ist ungefähr so, als würde bei der Aachener Zeitung kurz vor Redaktionsschluss, in der letzten Stressphase, ein Anrufer wissen wollen, warum denn diese Zeitung nicht mehr „Aachener Volkszeitung“ heißt.

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  3. Anonymous schreibt:

    Gut, dass Du mal gefragt hast … immerhin bekommen die BetreiberInnen so mit, dass die Umwelt für das Thema immer sensibler wird.

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