Sie verfügen über eine Menge Lebenserfahrung. Sie haben schon eigene Kinder großgezogen, und sie ziehen die selbstständige Beschäftigung mit kleinen Kindern einem Angestellten-Dasein vor. Die Rede ist von Kindertagespflegepersonen, früher Tagesmütter genannt. 60 von ihnen haben sich in der Interessengemeinschaft Kindertagespflege Aachen e. V. zusammengeschlossen.
Mit ihrem Vorsitzenden Jörg Somaraki hatten sie am Mittwoch Vertreter*innen aller im Rat aktiven Parteien eingeladen, um sich und ihre Arbeit einmal vorzustellen und unter anderem die Frage zu erörtern, wie die allgemeine Kinder-Betreuungskrise in den Griff zu bekommen sei. Dabei konnte man erfahren, dass die Kindertagespflege (KTP) für die Kinder (alle U3), für ihre Eltern und die Tagespflegepersonen (KTPP) selbst eine rundum gute Sache ist.
Bis zu 5 Kinder werden in der Tagespflege im privaten Bereich oder in einer angemieteten Wohnung intensiv betreut. Die Tage werden flexibel gestaltet, es gibt eine geschwisterähnliche Situation und die enge Bindung, die kleine Kinder brauchen, kann besser als in einer Kita (wo manchmal insgesamt 100 Kinder betreut werden) entstehen.
Den politischen Vertreter*innen von Grünen, SPD, FDP und Zukunft wurden die Ergebnisse einer Eltern-Befragung vorgestellt. Dieser ist zu entnehmen, dass unter anderem intensive Zuwendung der Betreuungsperson und die familiäre Umgebung dazu führen, dass sich etliche Eltern in Aachen bewusst für die Tagespflege entscheiden. Die Befragung ergab zudem eine große Zufriedenheit der Eltern mit den Leistungen der Tagespflege in Aachen.
Etwa 150 Pflegepersonen betreuen in Aachen rund 600 Kinder. Sollten es zur Entlastung der Kitas mehr werden, so wäre es möglicherweise von Vorteil, die Regelungen hinsichtlich Urlaub und Krankheit für die Kindertagespflegepersonen etwas großzügiger zu gestalten. Doch darum ging es bei diesem ersten Treffen von Politik und KTPP nur am Rande.
Die Politik interessierte sich für die Frage: Wie sieht es aus mit der Qualifikation? 300 Stunden Ausbildung, ein Praktikum, ständige Weiterbildungen und jahrelange Erfahrung können die KTPP nachweisen. Außerdem gebe es bei Bedarf Fachberatung durch die Stadt Aachen. Ob da aus Büchern angelesenes Wissen mithalten könne, die Frage müsse man sich stellen. Berufserfahrung, so die einhellige Meinung der KTPP, sei „ein wichtiges Qualitätsmerkmal“.
Was oft vergessen wird: Kindertagespflege ermöglicht es Müttern, berufstätig zu sein. Beim gegenwärtigen Fachkräftemangel sollte das bedacht werden. Eine Person, die 5 kleine Kinder betreut, stellt dem Arbeitsmarkt u.U. 5 Arbeitskräfte zur Verfügung.

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Was ist Kindertagespflege? hier lesen
Kindertagespflegeportal IG Aachen
Kindertagespflege in der StädteRegion
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