In Deutschland finden 2024 Wahlen statt, da besteht die Gefahr, dass sich bisweilen keine Person findet, die sich wählen lassen will. Die Rede ist von den Kommunalwahlen. In sage und schreibe 9 von 16 Bundesländern finden dieses Jahr Kommunalwahlen statt. Im Mai und Juni geht es rund.
Die Kommunalpolitik ist ein Feld, wo man am ehesten die Personen kennt, die in der Stadt, in der Gemeinde das Sagen haben. Wer kennt schon seine Landtagsabgeordneten, wer die Bundestagsabgeordneten persönlich? Keine/r. Die Leute, die im Rat von Aachen sitzen, in den Ausschüssen oder in den Bezirksvertretungen, die sind schon eher bekannt. Es sind alles irgendwie Nachbarn, entfernte oder sogar alte Bekannte und Menschen, denen man bei Aldi und Netto begegnet.
Aber: Ehrenamtlich als Bürgermeister*in, als Gemeinderatsmitglied aktiv zu sein, das wollen immer weniger. Da muss man nur mal beim Städte-und Gemeindebund nachfragen. Warum ist dieser ehrenamtliche Job so unbeliebt?
1. lässt sich die Tätigkeit schwer mit einem sonstigen Leben in Berufstätigkeit vereinbaren. Mit einem intensiven Familienleben ebenfalls nicht. Denn alle Sitzungen werden in weiteren Sitzungen vorbereitet und alle Sitzungen finden abends satt und dauern sehr lange.
2. sind die allermeisten Kommunalpolitiker männlich. Konfrontativ und barsch ist entsprechend viel zu oft der Ton. Verbal werden richtige Klatschen verteilt. Das ist manchmal so krass und unfreundlich . . . dass man kurz davor steht, aufzustehen und einfach nach Hause zu gehen. Nicht ohne vorher den „Angreifer“ noch „blödes Arschloch“ zu nennen.
3. kommt es auch vor, dass man auf offener Straße beschimpft wird wegen einer Entscheidung, die im Rat mit Mehrheit getroffen wurde. Einfach so beschimpft zu werden, passiert Journalist/innen allerdings genauso („Lügenpresse“). Man muss als Kommunalpolitiker*in wirklich einiges wegstecken können.
4. möchten sich manche/r schon ganz gern spektakulär für den Umweltschutz, für Europa oder die Verkehrswende einsetzen, findet es aber nicht attraktiv, z. B. für den Umweltschutz in einer örtlichen Schule oder Kita usw. zu kämpfen. Wollen diese Menschen einfach nur mit irgendwas groß rauskommen und die Mühen der Ebene nicht auf sich nehmen?
Warten wir ab, wie die Kommunalwahlen verlaufen in diesem Jahr. Etwa 200.000 Menschen sind ja angeblich ehrenamtlich in Deutschland in der Kommunalpolitik aktiv. Nur: Viele sind alt, und wer den Job schon 30 Jahre lang macht (und das sind nicht wenige), möchte jetzt aufhören. Vielleicht würde es helfen, Stadt- und Gemeinderäte personell zu verkleinern. Dann könnten allerdings viele Ämter und Posten nicht mehr besetzt werden. Wäre schade.
Hier noch was zum Weiterlesen: Frauen und Angriffe
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NEU. Zwei, die für die Fraktion Die Zukunft im Rat der Stadt Aachen aktiv sind, und offenbar viel Lust auf Kommunalpolitik haben, haben sich wieder etwas einfallen lassen: Den Wochenrückblick. Alexandra Radermacher und Marc Teuku. – Einfach mal reinhören.
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