Stadt: Elf Ahornbäume müssen fallen. Baumschutzbund hat Zweifel.

Die Politik hat es beschlossen und jetzt wird es gemacht: Die Stadt gestaltet die Lothringerstraße zwischen Oppenhoffallee und Wilhelmstraße um. Bevor die Bauarbeiten im März 2024 beginnen können, „müssen leider elf Ahornbäume gefällt und gegen neue Bäume ersetzt werden“. Das teilt die Pressestelle der Verwaltung mit. 

In der Lothringerstraße gibt es – quasi vor der Gaststätte Cocon – einen kleinen Platz (ohne Namen). Die Bäume dort werden voraussichtlich am Freitag, 16. Februar, gefällt. Die anschließenden Bauarbeiten an der Lothringerstraße dauern dann rund sechseinhalb Monate. Zunächst hatte es geheißen, die Bäume würden nicht gefällt. Dann hatte eine Untersuchung ergeben, dass die Baumwurzeln über und unter einer im Untergrund vorhandenen 10 bis 40 Zentimeter dicken Betonschicht liegen. Was für eine Pleite.

Die Betonschicht könne, so wurde am Rande einer Ausschuss-Sitzung schon beinah zufällig bekannt, nur mit schwerem Gerät entfernt werden – was wiederum die Bäume verletzen würde. Zusätzlich hieß es dann, die Bäume seien sowieso „nachhaltig geschädigt“. Wegen der schwierigen Standortbedingungen und wegen der Hitzesommer. Das übliche.

Anwohner können sich auch in der Lothringerstraße – wie überall in Aachen – nur schwer mit dem Gedanken abfinden, dass wieder Bäume gefällt werden (müssen). Auch wenn zugesichert wird, später viele neue, auch großkronige Bäume zu planzen, „so dass am Ende die Baumbilanz gegenüber heute deutlich positiver ausfällt“.

Zukünftige Baumbeete, das wurde zugesagt, werden später bestmöglich angelegt und gestaltet. Dadurch würden die neuen Bäume große Wurzelräume erhalten. Ihre Lebensbedingung würden deutlich besser und sie seien vorbereitet auf das erwartete veränderte Stadtklima mit regenarmen und sehr heißen Witterungsperioden. Infos: www.aachen.de/lothringer_2ba

Gemacht wie bestellt?

Die Platzsanierung und vor allem das Schicksal der Bäume hat den Aachener Baumschutzbund schon länger in höchste Aktivität versetzt. Zuletzt wurden die Fraktionen im Rat und Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen angeschrieben und befragt. Hans Falk weist für den Baumschutzbund auf die unterschiedliche Beurteilung hin: Mal seien die Bäume als gesund bewertet worden, mal als überhaupt nicht gesund. Falk fragt: „Was soll der Laie von solchen „Expertisen“ halten? Das nährt den Verdacht, die werden gemacht wie bestellt.“

Falk weiter: Es sei plötzlich eine unter dem gesamten Platz befindliche Betonplatte behauptet worden, weswegen die Bäume nicht in die Tiefe, sondern nur breitflächig mit einigen Betondurchwurzelungen hätten wachsen können. Das, so Falk, „stimmt aber so nicht, wie eine andere Quelle verlautbarte“.

Falk ist überzeugt, es habe an den Baumstandorten für Baumscheiben entsprechende Aussparungen gegeben. Allerdings würde man die heutzutage größer dimensionieren. „Mit Nachkriegspfuschereien, die man heute nicht mehr nachvollziehen könne, hatte das nichts zu tun“, schreibt er. Erstens seien die Bäume nicht so alt und genau genommen seien in gewisser Weise alle Neupflanzungen „Nachkriegspflanzungen“.

Stehen fest und sehen eigentlich gar nicht krank aus: die Bäume auf dem Lothringerstraßen-Platz. Verschiedene Anwohner*innen und wohl auch Kinder haben versucht klarzumachen, wie wichtig ihnen die Bäume sind.

Quellen:

Wer die Protokolle diverser Sitzungen einsehen kann (und die muss man erst mal finden, gar nicht so leicht), weiß mehr. Die Antwort bzgl. der Vitalität der Bäume auf dem Lothringerplatz aus dem Bürger:innendialog vom 12. 4. 2021 lautete:

Im Rahmen der Vorentwurfsplanung wurde der Baumbestand durch FachkollegInnen untersucht. Die Bäume haben eine langfristige Perspektive insbesondere nach der vorgesehenen Entsiegelung …“.

Jetzt lautet das Fachurteil auf einmal ganz gegenteilig: „… dass die Vitalität der Bäume schon jetzt nicht mehr als gesund zu erachten sei.“ In der Niederschrift des Mobilitäts-Ausschusses vom 25. 1. 2024 tatsächlich ganz am Ende gefunden (Ö 20, von 20).


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