Das war in Aachen noch nie einfach: Die Suche nach einer neuen Wohnung. Besonders schwierig ist es für Alleinerziehende, für Flüchtlinge und Flüchtlingsfamilien mit Kindern. Und: Es kann das Leben eines jungen Menschen negativ beeinflussen, wenn er/sie bei den Eltern nicht ausziehen kann, weil einfach keine bezahlbare Wohnung zu finden ist.
Die Politiker*innen in Aachen haben viel Einfluß darauf, ob auf städtischen Grundstücken Wohnungen gebaut werden und was diese an Miete dann kosten. Etwas außerhalb von Aachens Innenstadt in Richtung Brand gibt es ein großes Grundstück (am Grauenhofer Weg), das ein Investor eventuell mit Wohnungen zubauen könnte. Im Rahmen des ISEK-Projekts erfuhr AachenNews.org zum ersten Mal davon.
Zur Info: Der Bund hat eine Milliarde Euro für Wohnungsbau eingestellt, das klingt nach viel, ist es aber nicht.
Es ist außerdem von einer Bürokratiereform die Rede, damit ohne umfangreiche Regulierungen, ohne Rücksicht auf diverse Vorschriften zügiger als bisher gebaut werden kann. Umweltschützer befürchten das Schlimmste. Unter dem (wenig schönen) Namen „Bau-Turbo-Pakt für Deutschland“ wird seit Monaten unter Experten etwas diskutiert, was der Natur/dem Klima gefährlich werden könnte – angeregt von einer vollkommen fachfremden Bauministerin, Klara Geywitz (SPD).
Wie genau darf also am Grauenhofer Weg einmal gebaut werden?
Zur Erinnerung: Insgesamt ist nicht nur in Aachen, sondern bundesweit der Mangel an Wohnungen so groß, dass Aufstockung und Nachverdichtung (was bundesweit die Grünen vorschlagen) nicht reichen werden. Hilft uns also die Reduzierung der Vorschriften aus der Wohnungsnot heraus?
Die Lage ist schwierig, hauptsächlich wegen der Rahmenbedingung. Hohe Zinsen treiben die Kosten hoch, hohe Materialkosten und hohe Handwerkerkosten (es gibt zu wenig Handwerker) desgleichen. Außerdem gibt es einen Mangel an Personal in den Bauämtern. Private Investoren haben bundesweit Grundstücke gekauft, auf denen – wie man beobachten kann – nicht gebaut wird, obwohl (wie in Aachen) Wohnbebauung samt Kita einmal fest zugesagt worden waren. Aber: Es rechnet sich für den Investor nicht.

Soll man also einfach billig bauen, im Wohnungsbau auf Qualität verzichten? Würden billige Wohnsilos die Situation entschärfen? In den 60er und 70er Jahren hat man Trabantenstädte auf Wiesen gebaut und quasi automatisch eine Menge soziale Probleme geschaffen. Probleme, die am Ende der Stadtgesellschaft auch nur Kosten verursachen. Schlechtes Wohnen befeuert Konflikte, die Leute wählen aus Wut die AfD, und dagegen helfen die großen Demonstrationen dann kein bisschen.
Als Laie ist man ziemlich ratlos und staunt über Städte wie Frankfurt und Köln. In Frankfurt wird gerade eine Oper gebaut, die mindestens eine Milliarde Euro kosten wird. Die Kölner Oper wird 674 Millionen Euro kosten. Warum gibt man das Geld nicht für sozialen Wohnungsbau aus? Warum bietet man den Menschen nicht vernünftige Wohnungen an, die sie auch bezahlen können? Wohnungsnot ist im Grunde nichts anderes als Mangel an Sozialwohnungen.
Schätzungsweise 100 Millionen würde in Aachen ein „Haus der Neugier“ (mit Stadtbibliothek und Volkshochschule drin) kosten. Entschieden ist – soweit hier bekannt – noch nichts. Aber in Aachen 100 Millionen, wenn man sie denn hat, für guten, sozialen Wohnungsbau auszugeben, das scheint doch eigentlich keine schlechte Idee zu sein.
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Zum Thema Wohnungssuche: Checkpoint-Podcast zum Thema. Ein Berliner Makler (Achim Amann) gibt einige Tipps, wie man ein neues Zuhause finden könnte – und warum man es schwerer als andere hat, wenn man sich als Lehrer-Paar mit Doppelnamen bewirbt.
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