Immer weitere Kreise zieht in Aachen ein Filmbeitrag der Sportschau zur Alemannia. Darin geht es um Kontakte, die der Verein mit gewalttätigen Hooligans einst pflegte und immer noch pflegt. Ein Beitrag, den man gesehen haben muss.
Es geht um rechte Hooligans, die im Stadion nicht nur geduldet, sondern hofiert werden. Es geht um rechtsradikale Fans, die 2023 mit ins Trainingslager nach Belek fahren durften und – mit Hakenkreuz oder SS-Totenkopf oder anderen Nazi-Tattoos auf dem Oberkörper – mit Funktionären feiern. Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen äußert zu dem ganzen schaurigen Treiben ihre Bedenken, desgleichen Kommunalpolitiker der Fraktion „Zukunft“. Nicht so sehr erschüttert ist der Präsident der Alemannia, Andreas Görtges: Der meint sinngemäß, es sei alles nicht so wild.
Man ist entsetzt und fasst sich an den Kopf. Von Distanzierung keine Spur. Wie kann ein Verein (gerade in die 3. Liga aufgestiegen) sich so heftig selbst ins Knie schießen?
Insbesondere wird in dem Beitrag abgehoben auf Kevin P. (37), genannt Chemo, und seine Verbindungen zur Alemannia. Dieser mehrfach vorbestrafte Mann, Kopf der Aachener Hooligans am Tivoli, sitzt aktuell in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm u. a. versuchten Totschlag vor. Er soll im Dezember 2023 einen Freier in der Antoniusstraße mit einem Baseballschläger krankenhausreif geschlagen haben. Hier nachlesen. Und insbesondere hier.
Es wird noch schlimmer

Am Tivoli wird unterdessen auf T-Shirts und Transparenten im Stadion „Freiheit für Chemo“ gefordert, und es wird zu Spenden aufgerufen. „Wir sammeln für anfallende Kosten wie z. B. Anwälte, Elektrogeräte, Einkauf“. Wer spenden möchte, kann dies über Paypal tun. Wie man auf Facebook nachlesen kann, hat z. B. der Kapitän der Mannschaft, Mika Hanraths schon 20 Euro gespendet. Davon, dass ihm das Profil geklaut wurde und sein Name benutzt wurde, ist bisher nichts zu lesen.
Foto: T-Shirt mit Aufschrift. Wurde kürzlich im Stadion auch als Transparent gesehen.
Von der Vereinsspitze gibt es neuerdings eine Distanzierung, nicht etwa von den Rechtsradikalen, oh nein, Gott bewahre. Man distanziert sich von der Sportschau und dem Journalisten, der für den Beitrag verantwortlich zeichnet. Hier nachlesen. Das setzt (vorerst) allem die Krone auf. UPDATE 29. 08.: Wurde erkannt, dass die Stellungnahme alles noch schlimmer macht? Sie wurde gelöscht.
Ob der rundum beliebte Aufstiegs-Trainer Heiner Backhaus (42) mit diesen Problemen im Verein klarkommt und noch lange Trainer bleibt (Vertrag bis 30. Juni 2027), bleibt abzuwarten.
Der Fall interessiert auch andere
Die Seite „11Freunde.de“ teilt heute (28. 08.) innerhalb eines lesenswerten Beitrags mit: „Alemannia Aachen schafft es einfach nicht, sich von dubiosen Akteuren aus dem rechten Milieu abzugrenzen. Stattdessen schießt der Verein gegen die Presse und tritt weiter sagenhaft unseriös auf.“
Der FC Kaiserslautern postete gestern auf X/Twitter lang und breit über den Spieler Jannik Mause: „In einer Dokumentation der ARD-Sportschau über Alemannia Aachen ist der damalige Alemannia-Spieler gemeinsam mit fünf weiteren Spielern auf einem Foto mit einer rechtsextremen Person aus dem Hooliganumfeld von Alemannia Aachen zu sehen. . . . Wir haben nach Kenntnisnahme der Bilder und Informationen, die uns bis dato nicht bekannt waren, umgehend das Gespräch mit Jannik Mause gesucht. Ein rechtsextremes oder rassistisches Weltbild ist mit den Werten des 1. FC Kaiserslautern nicht zu vereinbaren . . .“
Der FC Kaiserslautern liefert das Anschauungsmaterial für die Alemannia. Die Vereinsspitze kann sehen, wie man mit Kritik korrekt umgeht und was bei Vorwürfen alles zu prüfen ist.
Sehr lesenswert: Text des Aachener Journalisten und Rechtsextremismus-Experten Michael Klarmann
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