Es ist Wahlkampf, aber man merkte es bisher kaum. Dieser „Kampf“ verlief anfangs erstaunlich ruhig (kann sein, dass sich das nach dem Doppelmord von Aschaffenburg gerade ändert). Will man Fotos von Wahlplakaten machen, muss man in Aachen schon viel rumrennen um von allen Parteien unterschiedliche Motive zu finden um dann eine Linie daraus abzulesen. Wir haben deshalb diesmal auch im Internet nach Plakaten gesucht.
Sichtbar ist in der Oppenhoffallee die CDU in Person ihres Kandidaten Armin Laschet. Der schaut – ganz wie es seinem Naturell entspricht – freundlich drein. Ein bisschen verhalten, nicht aufdringlich und schon gar nicht aggressiv.

Auch CDU-Spitzenkandidat Friedrich Merz schaut uns freundlich an. Man hat tatsächlich ein Foto machen können, auf dem er einigermaßen gut aussieht. ABER die Sprüche. Die sind so dermaßen nach hinten gewandt, dass es einen schaudert. „Versöhnen statt spalten“, mit diesem Spruch ist doch Johannes Rau (SPD) in unser aller Erinnerung geblieben. „Für ein Deutschland, auf das wir wieder stolz sein können“. Das ist doch eine Anleihe an Trumps Spruch (great again). Und: „Fleiß muss sich wieder lohnen“. Alles soll wieder so sein wie früher. CDU insgesamt: alles retro

Egal wie, die CDU will zurück in die Vergangenheit. In die Zukunft will – laut ihren lila Plakaten – im ganzen Wahlkampf nur eine Partei: Volt. Für diese Partei wirbt Maral, die kein Mensch kennt. Wieso hat Volt in den Jahren seines Bestehens nicht eine Persönlichkeit aufbauen können, deren Stimme man schon mal irgendwo gehört hat? Wer ist Maral? – Auf der Rückseite stehen Slogans mit Blick auf eine Zukunft „Mit Lösungen für bezahlbares Leben“ oder „Mit sozialem Wohnraum statt steigender Mieten“ oder „Mit günstiger Mobilität für alle“.
Kommen wir zur FDP, die ihren Erfolg erstaunlicherweise darin sieht, sich wie zuvor tatsächlich ganz auf Christian Lindner zu konzentrieren. Und den mag nun wirklich keiner mehr. Das von allen Wahlplakaten einzige so verunstaltete Plakat fanden wir im Frankenberger Viertel. Oh je.

Die FDP meint „Alles läßt sich ändern“, man denkt sogleich: . . . nur die FDP nicht. Wer möchte, dass die nächste Koalition ebenfalls platzt, wählt FDP. Nebenbei: Die Liberalen haben die beste Seite im Internet, sehr übersichtlich, schön gestaltet. Okay, das können sie, das muss man ihnen lassen. Die FDP will hauptsächlich: viel ändern, ändern, ändern. Mal sehen.
Die SPD fordert uns unter jedem Slogan auf, das Plakat zu scannen. Es ist ein QR-Code drauf, da gibt es Videos.
Erstaunlich, wo doch die SPD gerade von älteren Personen gewählt wird, die jetzt nicht dafür bekannt sind, dass sie alle Nase lang etwas einscannen wollen. Was wird versprochen? „Mehr für Dich. Besser für Deutschland“. Die SPD duzt uns. Warum?

Starr und streng blickt uns Bundeskanzler Olaf Scholz von seinem SPD-Plakat aus an. Fast schon aggressiv. So als wollte er führen (nachdem er gerade darin drei Jahre lang total versagt hat). Scholz (historisch unbeliebt) ist das Zugpferd seiner Partei, beliebt ist von den Sozialdemokraten ein anderer.
59 Millionen Wahlberechtigte könnten auch die Partei von Sahra Wagenknecht (BSW) wählen. Wagenknecht ist es wichtig – egal was sie fordert, ob mehr Wohnungen oder mehr Rente, mehr Sicherheit oder mehr Lehrer und Ärzte – es heißt immer „Aber die alten Parteien haben versagt“.

Die Grünen kommen für die Wahl am 23. Februar mit erstaunlich langweiligen Slogans raus, wohl die langweiligsten, die sie jemals hatten. „Ein Mensch. Ein Wort“, was sagt uns das? Oder „Ein Bündnis. Ein Wort.“ Die Grünen formulieren diesmal betont vorsichtig: „Natur und Klima: Schützen!“ oder „Leben: Bezahlbar machen!“

An einer Aachener Maiglöckchen-Laterne in der Innenstadt: Robert Habeck, Kanzlerkandidat von Bündnis 90/Die Grünen. Er konnte vor 4 Jahren nur Annalena Baerbock beim Fehlermachen zusehen. Jetzt will er es selber wissen. Aber: Bei der grünen Wahlwerbung wird uns keine Richtung angeboten, da wird nur beruhigt. Und: Statt relativ viel Text wie früher gibt es nur noch ein einzelnes Wort, z. B. „Zuversicht“.
Die Darstellung (Brustbild, frontal, auf grünem Hintergrund) ist ebenfalls nicht besonders inspiriert. Da hat man sich nichts einfallen lassen.
Die Partei die Linke bleibt ihrem Namen treu und formuliert als einzige linke, quasi klassenkämpferische Sprüche. Man ist daran gewöhnt, dass in Deutschland die von „Unten“ gegen „Ganz-Unten“ kämpfen, also Geringverdienende gegen Bürgergeld-Empfänger. Auf den Plakaten tritt man mal andersrum, nicht mehr nach unten (Flüchtlinge und Asylbewerber), sondern gegen die Reichen (Vermieter, Konzerne). „Ist Deine Miete zu hoch, freut sich der Vermieter.“ Krass, diese Zuspitzung und Umkehr. Das ist man in Deutschland so nicht gewöhnt.

Sie meinen „Tax the Rich“ (besteuert die Reichen).
Die AfD wird wegen eines formalen Fehlers in Aachen Stadt und in der StädteRegion mit Direktkandidaten nicht wählbar sein. Mehr Infos dazu: hier. AfD-Plakate haben wir in Aachen noch nicht gesehen.
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