Ein anderer Blick auf die Zeugenbefragung

Man überlegt sich ja: Soll man auf einen Bericht, der einen mehr oder weniger prominenten Trainer im falschen Licht darstellt, überhaupt antworten? Lohnt sich das? Habe ich überhaupt gerade Zeit? 

Seufz. Die Autoren des ZEIT-online-Textes (über Backhaus Auftritt vor Gericht) werden wahrscheinlich sagen: Alles Quatsch. Was wir geschrieben haben, das ist alles korrekt. 

Sei’s drum. Es ist nicht korrekt, so über eine Zeugenbefragung zu schreiben. Als wäre in der ganzen Affaire, die sich gerade in Aachen bei der Alemannia abspielt, als wäre da der Trainer der „Verdächtige“, der Involvierteste von allen, die im Sperrfeuer sitzen. Umgekehrt: Er ist genau der, dem am wenigsten vorgeworfen werden kann. 

Eine Nebenbeobachtung vorneweg, ihr schreibt Backhaus „schnellt aus dem Zeugenstuhl hoch und eilt nach vorne“. Ja, Leute, so war es nicht. Klar, der Trainer ist ein sportlicher Mensch, ein Profi-Sportler, er bewegt sich auch so. Er erhebt sich nicht ächzend und langsam aus einem Stuhl. Das muss ein Journalist, der ein guter Beobachter von Mikro-Vorgängen sein muss, mitkriegen.

Foto: Durch dieses Tor am Adalbertsteinweg gehen in diesen Tagen Journalisten und Beobachter eines Verfahrens, bei dem es um die Verurteilung eines Gewalttäters geht, der im Stadion und sogar im VIP-Bereich ein- und ausgegangen ist.

Aber weiter mit was Wesentlichem, süffisant heißt es: „Offenbar ist der Empfang nicht immer schlecht an der Weser.“ Jo, Kollegen, was wollt ihr denn damit andeuten? Da ist die unfaire Unterstellung enthalten, als würde das Argument, der Trainer habe das inkriminierte Video auch deshalb nicht angesehen, weil auf dem Land das Internet schlecht ist, gar nicht stimmen. 

Ihr schreibt: „Das Gericht hat Fragen, die Backhaus nicht gut parieren kann.“ Genau das habe ich definitiv anders erlebt. Dem Zeugen wurde zu Beginn vom Richter mitgeteilt, dass er gar nicht auf jede Frage antworten muss. Er hat sich aber die Mühe gemacht und jede noch so detaillierte Frage zu beantworten versucht. (Und es waren schwere Fragen, nach dem, was man Ende 2023 genau gesagt, gehört, von wem genau, und gedacht hat.) Mit außerordentlicher Konzentration und Geduld wurde geantwortet. Dass er das gut gemacht hat, habt ihr nicht mitbekommen? Habt ihr echt nicht mitbekommen? Ist eure Perspektive irgendwie eingeschränkt? 

Der Richter habe aus dem Chat vorgelesen und sich gewundert über die „sehr freundlichen Antworten“, die Backhaus dem Angeklagten zukommen lies. Dabei: Alles, was vorgelesen wurde, waren routinierte Freundlichkeiten, vielleicht in Hamburg nicht üblich, im Rheinland aber wohl. Ein Beispiel.: Der Angeklagte hat den Trainer zum Bier eingeladen, der hat sinngemäß mit „klar, machen wir“ oder so  geantwortet. Zu dem gemeinsamen Biertrinken ist es nie gekommen. 

Da steht, dass sich P. von seiner rechtsradikalen Vergangenheit nur zum Schein distanzierte, Backhaus „will das nicht mitbekommen haben“. Tja, der Trainer hatte damals halb Aachen in Aufstiegs-Euphorie an der Backe, dazu eine 4.-Liga-Mannschaft, die er bei Laune und zwecks Aufstieg fokussiert halten musste, dazu ununterbrochen Vorwürfe wegen einer Demonstration und massive Vorwürfe gegen die Chefs bei Alemannia. Und da soll man als Trainer noch prüfen können, ob bei einem Fan die Distanzierung nur vorgetäuscht ist oder echt? Okay, „ja“, werdet ihr sagen. Ich habe Zweifel. 

Backhaus hat Zeit-online kein Interview gegeben. (Ich weiß, dass verzeihen Journalisten nie.) Erst am Ende schreibt ihr selbst, warum. „Ich hätte der ZEIT ein Interview gegeben, aber der Verein hat mir davon abgeraten,“ sagte er. Er wollte ein Interview geben, man hat ihm davon abgeraten. Hallo? Der Mann wurde vom Vorstand im Verein so wenig informiert und geschützt, dass er sich selbst einen Anwalt genommen hat. In dieser Lage der Dinge jetzt gegen Backhaus zu schießen, ist kacke. „Daraus Backhaus einen Strick drehen zu wollen anstatt diesem Irrenhaus von Vorstand, ist asozial“, so und so ähnlich schreiben mir Freunde. Mir reichts.

Jetzt hab ich schon 45 Minuten mit der Reaktion auf ZEIT-online verbracht und mehr Zeit wäre angesagt, aber – sorry – ist es mir nicht wert. 


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