„Die größte Ehre meines Lebens“

Die Auszeichnung mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen, die Ursula von der Leyen am Himmelfahrtstag, 29. Mai, entgegennahm, stand unter besonderen Vorzeichen. Die akuten und anhaltenden Bedrohungen der europäischen Gemeinschaft – durch Krisen, Krieg, Klimawandel, durch Aggression und Desinformation von innen und außen – zogen sich wie ein roter Faden durch die Verleihung, die Veranstaltungen und Gespräche im Umfeld. Gleichzeitig war aber auch von der daraus resultierenden Chance, von Aufbruch und Verantwortung die Rede.

Lächeln und winken: Die neue Karlspreisträgerin Ursula von der Leyen mit der Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen. Foto: Stadt Aachen/Andreas Steindl

Der Tenor: Nur gemeinsam können die großen Herausforderungen bewältigt, können Demokratie und Freiheit in Europa bewahrt und verteidigt werden. Nur ein eigenständiges, vereintes Europa der Stärke kann demokratisch, wirtschaftlich und diplomatisch gestärkt aus den Krisen hervorgehen.

„Europa ist mein Leben. Und es ist die größte Ehre meines Lebens, heute hier vor Ihnen allen zu stehen“, sagte die frisch gekürte Preisträgerin, als sie im Krönungssaal ans Rednerpult trat. Dieser Preis, diese Stadt seien das Symbol für ein vereintes Europa. Das Wunder Europa – die Wiedervereinigung von Völkern, Geschichte und Schicksal – seien „in dieser Stadt festgeschrieben“.

Die Preisträgerin sprach von drei bedeutenden Denkmälern in Aachen, die von der Geschichte und Bedeutung Europas zeugen. Zunächst der Aachener Dom, ein einzigartiges Zeugnis der geistigen, kulturellen und politischen Renaissance Europas, angestoßen durch die Vision Karls des Großen. Seine Idee für Europa sei es gewesen, einen Raum zu schaffen, in dem sich Wissenschaft und Kultur, Bildung und Rechtstaatlichkeit entfalten können.

Als zweiten Ort wählte von der Leyen die von den Nationalsozialisten zerstörte alte Synagoge und schlug eine Brücke zur Aachenerin Edith Holländer und ihrer Tochter Anne Frank, deren Ausspruch heute noch beeindruckt: „Und doch, wenn ich zum Himmel schaue, denke ich, dass sich alles wieder zum Guten wenden wird, dass auch diese Härte aufhören wird, dass wieder Ruhe und Frieden in die Weltordnung kommen werden. Inzwischen muss ich meine Ideale hochhalten, in den Zeiten, die kommen, sind sie vielleicht doch noch auszuführen.“ Die neue Synagoge in Aachen ist für von der Leyen ein Symbol der Wiedergeburt, aber auch der Erinnerung.

Als dritten Ort nannte von der Leyen das Aachener Rathaus, wo vor 75 Jahren der europäische Vordenker Richard Coudenhove-Kalergi als Karlspreisträger ausgezeichnet wurde. Auch er habe eine Vision für Europa gehabt: ein Europa, in dem Menschen dank gemeinsamer Kultur und Werte, Freiheit und dem Respekt vor der Menschenwürde zusammenkommen, sagte von der Leyen.

In einem der schönsten Säle Europas ist heute wieder eine Politikerin mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden: Ursula von der Leyen Foto: Stadt Aachen/Andreas Steindl

Europa könne nicht tatenlos den Umwälzungen zusehen, sagte von der Leyen. Sie forderte, nicht einem falschen Irrglauben zu verfallen, dass der Sturm einfach vorbeiziehen werde, und mahnte, Europa stünde vor einer grundlegenden Entscheidung: „Warten wir ab und reagieren wir nur auf die unmittelbare Krise? Akzeptieren wir ein vermeintliches Schicksal? Oder nehmen wir die Dinge selbst in die Hand und entscheiden selbst über unsere Zukunft?“ Es sei nötig „unsere Fesseln abzuwerfen“, um ein unabhängiges Europa aufzubauen.

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Mehr als 100 Medienvertreter*innen hatten sich für die Karlspreisverleihung 2025 akkreditiert – darunter Teams von ARD, ZDF und WDR, POLITICO, Nachrichtenagentur Reuters, Television Espanola, Süddeutsche Zeitung, FAZ, efe press agency, DPA, Deutsche Welle, Funke-Mediengruppe, BILD, Euractiv, Börsen-Zeitung, AFP, Spiegel, sowie zahlreiche regionale Medien aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

Die Live-TV-Übertragung wurde im WDR Fernsehen gesendet und ist dort noch abrufbar.

Quelle: Stadt Aachen, Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing

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Die Verleihung des Karlspreises ist störungsfrei verlaufen. Das Sicherheitskonzept der Polizei Aachen sei umfassend aufgegangen. Das teilte die Polizei mit. Sieben Kundgebungen und Demonstrationen seien friedlich verlaufen. Die Einsatzkräfte sorgten für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sowie der nationalen und internationalen Gäste. Dazu mussten im Vorfeld – wie bereits in den Jahren zuvor – Sperrungen und Sicherheitszonen eingerichtet werden.

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Formvollendet in jeder Hinsicht und wie immer: der spanische König Felipe VI. Foto: Stadt Aachen/Andreas Steind


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