Dieser Tage wurde uns von einem Vorgang berichtet, den einige Menschen in Aachen für einen Skandal halten. Und die örtliche Presse verfasste mit leichter Empörung in Print die Schlagzeile: „150 Jobs rollen an Aachen vorbei“. Hier
Vorbei, vorbei? Etwa wieder eine Firma, die China gegenüber unserem schönen Deutschland den Vorzug gibt? Die im Ausland expandiert? „Wie ärgerlich“, war der erste Gedanke. Aber dann? Falsch gedacht, zwei Unternehmen – mit ihren 150 neuen Arbeitsplätzen – bauen statt in Aachen im nahen Stolberg und zwar zwei riesige Produktionshallen – die eine 220 Meter und die zweite 75 Meter lang. Sie benötigen dazu ein Areal von 50.000 Quadratmetern. Die wurden zunächst im extrem eng bebauten Aachen gesucht . . . und nicht gefunden. Wohl aber auf Camp Astrid.
Wenn Unternehmen Stolberg statt Aachen wählen. . . das soll eine Art Katastrophe sein? Wohl kaum. Da kann man vielmehr lernen, was Kirchturmdenken ist. Kirchturmdenken/Kirchturmpolitik nennt man es, wenn nur so weit gedacht wird, wie der eigene Kirchturm reicht. Wenn also im politischen Handeln nicht etwa die StädteRegion mit in den Blick genommen wird, sondern allein Aachen mit seiner Begrenzung Richtung Belgien und die Niederlande. – Kirchturmpolitik sollte es in der Europastadt Aachen nicht geben.
Bei den „abwandernden“ Unternehmen handelt es sich um das Traditionsunternehmen Talbot und um Aixrail. 45 Millionen Euro wollen beide zusammen investieren. Ein 35.000 Quadratmeter Gelände braucht Talbot und ein 15.000 Quadratmeter großes Aixrail – mitsamt Bahnanschluss. Güterzüge will man warten und instand setzen und möglicherweise sogar bauen.
„Eine Schande“, nennt CDU-Oberbürgermeisterkandidat Dr. Michael Ziemons den Vorgang, dass zwei so viel Platz beanspruchende Firmen in Stolberg statt in Aachen expandieren. Und: „Wir müssen dafür sorgen, dass uns das, was gerade mit Talbot passiert ist, nicht noch mal passiert.“ – Bei aller Liebe zu Aachen, aber muss man da von „Schande“ reden?

Beide Bahndienstleister haben volle Auftragsbücher, Talbot könne sich vor Aufträgen kaum retten, so wird mitgeteilt. Beide Unternehmen ergänzen sich, sie haben in Stolberg (auf dem ehemaligen Belgier-Camp-Gelände Camp Astrid direkt an der Bahnlinie) noch jede Menge Platz um mit ihren Industriearbeitsplätzen noch weiter zu expandieren. (Erster Spatenstich soll dieses Jahr sein.)
Klar, dass man sich in Stolberg freut, für Industrieansiedlungen ist diese Stadt bekannt. Aber: In Aachen alles an sich zu reißen und dem Umland die Ansiedlung nicht zu gönnen . . . kann man machen. Besser ist es, das Umland im Blick zu behalten. Zu einer blühenden Stadt gehört schließlich ein blühendes und kein heruntergekommenes Umland.
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