
„Kunst verkommt in der Notdurftecke“, hatten wir hier 2015 formuliert. – Jetzt nicht mehr. Die Kunst von Klaus Paier wird 2025 geschätzt, eins seiner wichtigen Werke ist fertig restauriert.
Jahre und Jahrzehnte verrottete die Arbeit des Aachener Wandmalers an einer Hauswand neben dem Café Kittel (Augustinerbach). Vor zwei Jahren fand sich ein Unternehmer, der sich auf den langen Weg machte, der bürokratische Hürden überwand und schließlich mit finanzieller Unterstützung von Stadt und Café Kittel die Sanierung der Arbeit finanzierte und möglich machte.
Jetzt sieht das Bild ein bisschen bunt aus. Ganz so farbig hatten wir es nicht in Erinnerung, aber da kann man sich täuschen. Es steht unter Denkmalschutz.
Gut 30 Jahre ist es schon her, da standen Aachener Künstler, Kunstfreunde, Jungjournalist*innen und andere vor den Bildern, die über Nacht in der Öffentlichkeit auftauchten und auf Geheiß der Politik schnell wieder entfernt wurden. Man empörte sich über diesen Umgang mit Kunst, erkannte ihre Bedeutung. Inhaltlich waren die Arbeiten von Paier – für die damalige Zeit – hochbrisant. Und deshalb wurden sie wohl auch immer schnell entfernt.
Es wurden poetische, aber ganz klar auch Themen aufgegriffen (Homosexualität, Atomkrieg, Verbrechen der Nazis an Kindern in Aachen, rücksichtslose Autofahrer fahren Radler tot , Häuserfresser und viele mehr), die man gesellschaftlich immer totgeschwiegen hatte, gerade in Aachen. Die Zeiten des Totschweigens vergangener und gegenwärtige Missstände sind nun vorbei (und kommen hoffentlich nicht wieder).

Bezüglich dem Krieg, der auf Paiers Bild noch nicht gemeint sein konnte, müssen wir uns mal fragen: Was wollen die Russen eigentlich von uns? Wollen sie mit Panzern durch Berlin fahren, wollen sie uns bombardieren?
Nein, das nämlich gar nicht. Putin will hier nichts in Deutschland. Es werden keine russischen Panzer durch Berlin fahren. Das Problem ist, wir haben es mit einem hybriden Krieg zu tun, der gegen uns seit fast 10 Jahren geführt wird, dessen Zweck und Ziel es ist, dass immer mehr Menschen das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des demokratischen Verfassungsstaats verlieren. Und das klappt: Viele Menschen haben bei der letzten Bundestagswahl Parteien gewählt, die eindeutig pro-russisch sind, nicht weil diese Parteien pro-russisch sind. Die Wähler*innen nehmen das bei ihrer Wahlentscheidung einfach nur in Kauf.
Das Problem ist auch: Wir sind keine resiliente Gesellschaft.
Falls es zum Verteidigungsfall kommt, sind wir nicht bereit, den politischen, ökonomischen und militärischen Preis zu zahlen, falls wir uns oder diejenigen, denen wir Hilfe versprochen haben, verteidigen müssen. Die Bedrohungslage ist für uns nicht fassbar.
Wir sind sozusagen Opfer unseres eigenen Erfolges geworden. Wir – genauer: zweieinhalb Generationen bei uns – kennen nur Frieden. Wir halten die Demokratie für irgendwie gottgegeben, etwas das immer da war und bleibt. Es fehlt uns das Gefühl dafür, dass Demokratie verteidigt werden muss.
Das hätte man doch so gern gesehen, wie Klaus Paier diese Problematik in Bilder umgesetzt hätte.
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