Bald ist es wieder soweit: In gut 14 Tagen rollen die Karnevalswagen bei den Rosenmontagszügen durch die Städte – und werden offensichtlich verschärft beobachtet vom russischen Geheimdienst. Was sich an Karneval auf den Straßen im Rheinland abspielt, das nimmt man tatsächlich in Moskau haargenau zur Kenntnis.

Dem berühmten Düsseldorfer Karnevalisten und Wagenbauer Jacques Tilly drohen jedenfalls bis zu zehn Jahre Haft, falls er sich in Moskau vor Gericht blicken lässt. Seine Putin-kritischen Pappfiguren brachten ihm ein Verfahren ein.
Wer noch Zweifel hatte, weiß jetzt: Karnevalswagen, sofern sie die Obrigkeit aufs Korn nehmen, wirken.
Tilly war auch in Aachen aktiv. Er baute einen (vergleichsweise harmlosen) Wagen, mit dem die Verkehrspolitik von Ex-Oberbürgermeisterin Keupen durch den Kakao gezogen wurde. Jene Verkehrspolitik, an der Keupen auch letztlich gescheitert ist. (Möge Putin das gleiche Schicksal ereilen.)
Foto aus 2023: Von Tilly gebaute Parodie auf Ex-OB Sibylle Keupen.
Im Karneval ist deftige Kritik erlaubt. Über die Mächtigen in Staat und Kirche wird manchmal kübelweise Hohn und Spott ausgeschüttet. Tilly ging zu weit, so fand man in Russland, in Deutschland staunte man und lachte. Mit diesen Wagen soll Tilly den Zorn der Russen erregt haben, so wird spekuliert.
Aber: Das ist alles nicht witzig. In Staaten, mit denen Russland ein Auslieferungsabkommen geschlossen hat, sollte der Wagenbauer besser nicht mehr reisen: nach Indien, Serbien und in die Türkei zum Beispiel. Sonst sitzt er womöglich schnell unfreiwillig in einem Flieger nach Moskau. Und weiter: Sollte einmal eine sehr russlandfreundliche Partei wie die AfD in Deutschland regieren, könnte das auch für Tilly gefährlich werden. Die AfD tanzt schließlich nach Russlands Pfeife, wie Tilly in diesem Podcast selber sagt.
Aber noch darf Satire bei uns bekanntlich alles, hoffen wir, dass das noch lange so bleibt.
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