Fast 4500 Quadratmeter groß ist das Grundstück in der Franzstraße, das nach langem Warten bald bebaut werden soll. Dort befand sich einmal die katholische Hemmerle Schule, die ist längst abgerissen worden. Jetzt planen Politik und Verwaltung, auf dem Grundstück außer Wohnungen zwei unterirdische Sporthallen zu bauen und eine – sage und schreibe – 7-gruppige Kita. Obwohl man genau weiß, dass in der Innenstadt noch von allen Stadtteilen die wenigsten Kinder leben.
Und es werden immer weniger. Diesen Eindruck kann man auch gewinnen, wenn man öfter mal durch die Innenstadt spaziert und darauf achtet, wieviele Kinder einem noch begegnen? Erschreckend wenige.

Kindergärten zu bauen, das ist in einer Stadt wie Aachen prinzipiell eine gute Sache. Es sollte aber mit Augenmaß geschehen. Man hat auf absehbare Zeit 1. den allergrößten Mangel an Erzieherinnen und kann das Angebot an Betreuungszeiten nicht befriedigen (aus Mangel an Personal). Und 2.: Kitas werden geplant und gebaut, obwohl in Aachen die Zahl der Kinder unter 6 Jahren sinkt und sinkt.
Gerade wurde im zuständigen Ausschuss eine Studie zur Kenntnis genommen, in der steht, dass 3. gerade in der Innenstadt – wenn man ganz Aachen betrachtet – überhaupt sehr wenige Kinder leben. Wörtlich:

„Innerhalb der Stadt verteilen sich die Anzahl und der Anteil von Haushalten mit Kindern in den einzelnen Lebensräumen sehr unterschiedlich. Anteilig leben mehr Haushalte mit Kindern am Stadtrand oder in Gebieten mit geringer Siedlungsdichte. In der Innenstadt leben die wenigsten Haushalte mit Kindern (überwiegend unter 10 %)“.
Foto: Anlage hier einsehen. Projekt „Urbanes Wohnen mit Kindern“.
Wäre es da nicht besser, sich mit einer kleineren, lediglich 5-gruppigen Kita zufrieden zu geben, statt eine 7-gruppigen Mega-Einrichtung zu bevorzugen?
Die Architekten hatten auch anders geplant, sie hatten für die Kita-Kinder ein Gewächshaus und ein sog. grünes Zimmer vorgeschlagen. Beides soll auf Wunsch der Politik entfallen und somit die 5-gruppige Einrichtung zu einer 7-gruppigen werden. Wobei zur Verwunderung von AachenNews die Spitze des Jugendamtes in Gestalt von André Kadelbach im Ausschuss meinte, in Aachens Innenstadt leben gar nicht weniger Kinder als in den übrigen Teilen von Aachen. Hää?

Wie dem auch sei: Die neue Kita soll die Kinder der Kita Lochnerstraße (3 Gruppen) und die Kinder der Kita Boxgraben (2 Gruppen) aufnehmen. AachenNews hat lange gerechnet und recherchiert und hat herausgefunden, dass 3 plus 2 nicht 7 sind, sondern 5.
Hier soll nicht verschwiegen werden, dass auch die Vertreterin der Kita-Eltern sich eine möglichst große Kita wünscht. Offenbar nicht ahnend, wie sich der stundenlange Aufenthalt von Unter-Dreijährigen in großen Gruppen auf die Kleinen auswirkt. Na ja. Da wird man hoffentlich baulich noch viel abtrennen.
Zu dem geplanten Neubau gäbe es noch viel zu sagen, z. B.: Man möchte sich lieber nicht den Hol- und Bringverkehr (im Pkw) vorstellen, den eine 7-gruppige Kita und zwei Sporthallen in der engen Franzstraße verursachen werden. Denn, wie die Grünen meinen, dass bald die meisten Eltern ihren Nachwuchs mit dem Lastenrad transportieren werden . . . damit ist nicht zu rechnen. Dafür sind die Lastenräder viel zu teuer.
Was die Kosten für die komplette, neue Anlage betrifft, so war bisher öfter von 37,2 Millionen Euro die Rede, zuletzt aber auch von 32 Millionen und sogar von 30 Millionen. – Mal sehen.
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