Hier wurde schon lange nichts mehr über eine Erzählung von Heinrich von Kleist niedergeschrieben. Also los. Heute geht es um eine Geschichte, wo Kleist die Frage von Schuld erörtert. Von großer, großer Schuld – und ob es die Möglichkeit gibt, sich von dieser Schuld reinzuwaschen. Dazu erzählt Kleist die Geschichte von einer Dame, Mutter von zwei Kindern, die Witwe geworden ist und nach einer Zeit der Trauer beschlossen hat, nicht wieder zu heiraten. Obwohl es Interessenten gibt.
Hier muss ich zwischenschalten, dass im weiteren das Thema “Vergewaltigung” behandelt wird. Denn das ist das Verbrechen, dessen sich in Kleists Geschichte ein Mann schuldig macht. Eingedenk der Diskussion um das nicht immer jugendfreie Internet mache ich also hier darauf aufmerksam, dass ich über ein Thema bei Kleist schreibe, das für Kinder nicht geeignet ist. – Wie eigentlich der ganze Kleist nicht für Kinder und Jugendliche unter 14 geeignet ist. Man denke nur an die Szene, wo der rasende Mopp auf ein junges Elternpaar mit Kind zurennt, und wie dann einer den Säugling bei den Beinen packt und an die Wand der Kirche schleudert, so dass das Gehirn aus dem Kopf spritzt.
Ja, Leute, Kleist ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven.
So, jetzt also die Geschichte von der jungen Witwe, die bei ihren Eltern in einem wirklich großen Gebäude lebt und sich ziemlich wohl in ihrem Leben fühlt. Ihre Eltern sind echt froh, dass mit den Kindern Leben in die Bude gekommen ist, und so ist alles ganz gut geregelt.
Bis . . ja bis ein Krieg ausbricht und Soldaten das Haus der Familie stürmen. Die junge Mutter rennt in Panik in einen kleinen Gartenpavillon, wo sie vor lauter Angst in Ohnmacht fällt. Hier findet sie ein Offizier. Na ja . . . . Als sie wieder zu sich kommt, streicht sich der Mann die Klamotten glatt und setzt sich den Hut auf. Das steht da so unprätentiös bei Kleist.
Die schöne Frau meint, sie sei von dem Offizier vor einer Meute mordlustiger Soldaten gerettet worden, und bald ist der Krieg aus und alles kommt in die gewohnte Ordnung zurück. Da regt sich beim Offizier das Gewissen. Er hat eine verdammte Tat begangen, kommt damit nicht zurecht und will die Schuld na ja . . . irgendwie wohl tilgen. Bei der Dame stellen sich unterdessen körperliche Symptome ein, die sie doch etwas an die Zeit erinnern, als sie mal schwanger war. Und sie kann sich und ihren Eltern verdammt noch mal nicht erklären, wie es dazu gekommen sein soll. Die Eltern sind entsprechend not amused und wissen nicht mehr, was sie von ihrer Tochter halten sollen.
Die Familie hat jetzt ein Problem der Extraklasse. Und zwar jeder mit jedem: Mutter hält zur Tochter, Vater fühlt sich von Tochter verarscht. Mutter zofft sich mit Vater, Tochter wird fast verrückt, muss sich aber um die beiden Kinder kümmern uswuswusw.
Und dann taucht auch noch der Offizier auf und macht der jungen Frau sofort einen Heiratsantrag. Die lehnt ab. Und weil er so insistiert, sagt sie ihm, sie wüsste auch nicht wie es kommt und er soll sie nicht für verrückt halten, aber sie wäre schwanger. Der Mann will jetzt nur noch dringlicher heiraten. Die Folge: Noch mehr Turbulenzen in der Familie. Was Kleist jetzt erzählt, ist dann der Versuch des Offiziers, seine Schuld abzutragen. Ob es ihm gelingt, muss jeder selbst nachlesen.
So, ich geh jetzt mit meinen Ski in den Westpark, in Aachen hat es nämlich geschneit, und ich habe Resturlaub. Und morgen sehen wir uns in Nizza, wo die Sonne scheint. 😉
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