Ihre Ausstellungsräume sind klein, doch ihre Liebe zur Kunst, zur zeitgenössischen Kunst natürlich, ist riesengroß. Marie Helene von der Milwe lädt schon seit mehreren Jahrzehnten immer wieder neu in ihre Galerie in Aachen, Kleinkölnstraße 1, zu Ausstellungen ein. Mit einem guten Gespür für angesagte Kunst, übrigens. Das macht ihr – so progressiv und kontinuierlich – in Aachen keine einzige andere Galerie nach. Die Galerie von der Milwe ist keine Galerie im üblichen Sinne, es ist eine Aachener Institution. Ihre Existenz ist der Beweis, dass es in Aachen immer noch progressive Köpfe gibt, denen schwierige und schwierigste Kunst wichtig ist und die dieser etwas abgewinnen können.
Gestern wurde in der Galerie von der Milwe eine kleine Foto-Ausstellung mit dem Titel „Ich hab’s gesehen“ eröffnet. Zehn Künstler und Künstlerinnen zeigen jeder ein, zwei oder höchsten drei Arbeiten in der unteren Etage des schmalen Hauses und im Schaufenster. Es sind hauptsächlich schwarz/weiß Fotos. Eindrucksvoll: Algirdas Milleris fotografierte das Aachener Klinikum in einem Zustand, als nurmehr die Aufzugschächte in den Himmel ragten, sonst nichts. Und Eckhard Heck zeigt – ebenfalls in Schwarz/Weiß – die Berliner Mauer, hässlich und bizarr, wie sie nun mal war. Man erinnert sich mit leichtem Schaudern. Ja, so hat das da ausgesehen.
Klaus Dauven, der für seine Arbeiten weder Stift noch Pinsel zur Hand nimmt, ist mit zwei Fotos vertreten. In rasender Eile scheint dieser Künstler alle nur möglichen Formen des Abtragens von Schmutz und Patina auszuprobieren. Man sieht immer wieder neue Variationen seines Verfahrens. Christian Blei befasst sich mit Raum und Licht. Er lässt auf seinen Fotos Natur wie Architektur aussehen. Bedrohlich, unromantisch, sehr modern ist sein Bild von der Natur.
Yukako Anno ist Meisterschülerin von Magdalena Jetelova. Sie hat sich mit einem kleinen Bagger und einem großen Sandhaufen abbilden lassen. Das Foto, das Karl Peters (aus Düren) zur Ausstellung beisteuert, ist das Lieblingsbild der Galeristin, wie sie im Überschwang erzählt. Es zeigt eine Struktur, die aussieht, wie ein mehrgeschossiges Gebäude aus Beton, gerade eben in Gaza beschossen. Es ist aber ein Geflecht von einem Stuhl oder Sessel oder Sofa.
Weiter sind Arbeiten zu sehen von Christa Feuerberg, Reinhard Doubrawa, Christine Sommerfeld, die Meisterschülerin von Thomas Ruff ist, und von Heike Weber sowie Nannae Suzuki. Die Letztgenannte zeigt ein mehrdimensionales, kleines Foto, man denkt an ein Amphitheater. Dreht man aber das Bild um 180 Grad, erscheint das römische Pantheon mit seiner gewaltigen, offenen Kuppel.
Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 12 bis 16 Uhr. Die Galerie ist auch im Netz vertreten unter http://www.galerie-von-der-milwe.de
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