Krieg . . . und was daran aufgefallen ist

„Die Zeitenwende“ (Olaf Scholz) ist da, das heißt seit knapp vier Wochen müssen wir über Krieg nachdenken. Besonders über die Frage, wie er wieder beendet werden könnte oder zumindest, wie eine weitere Eskalation verhindert werden könnte.

Beurteilt man die Lage nach den Informationen, die uns erreichen, dann hat die Ukraine den Info-Krieg schon gewonnen. Die Ukraine zeigt Helden, sie zeigt Opfer, sie ist in Social Media (Twitter, TikTok, Instagram usw.) präsent und es hagelt Likes. Die ukrainische Regierung weckt Sympathie für die ukrainische Sache und zementiert das Bild des Landes als „tapferer Underdog“.

Die Russen versagen in dieser Hinsicht total. Niemand mag – weil sie ihre Positionen nie in tollen Videos erklären – die Russen.

Von der Cyber-Kriegsführung der Russen hatte man sich auch mehr erwartet. Ein paar Windräder wurden kurze Zeit unkontrollierbar, bei ein paar Stadtverwaltungen ging elektronisch fast gar nichts mehr, usw. Viel haben wir da noch nicht gesehen. Ich rechne aber fest damit, dass wir noch mehr „Ausfälle“ erleben werden.

Es sieht außerdem so aus, als kämen die Russen militärisch – also was Panzer, Soldaten und die Luftstreitmacht angeht – nicht richtig voran. Wir sehen Panzer, die von ukrainischen Traktoren abgeschleppt werden, riesige Geräte, die seltsam hilflos in sehr ländlichen Gegenden oder auf Landstraßen abgestellt wurden. Das hatte man sich alles anders vorstellt, Kyjiw (aka Kiew) ist immer noch nicht erobert.

Das ist für jemand, die/der mit der Vorstellung groß geworden ist, die Russen könnten in 2 Minuten auf dem Kurfürstendamm sein und uns ansonsten alle in Windeseile platt machen, sehr verwunderlich. Vielleicht haben die Russen gar nicht das Kriegsmaterial (Raketen, Panzer usw.), das wir immer bei ihnen vermutet haben.

Oder sie haben es bisher bewußt zurückgehalten und holen es im Laufe des Krieges noch hervor.

In Aachen in der Lothringer Straße. Spricht man darüber, wie die Ukraine und Russland den Krieg dem Ausland, (also z. B. uns in Deutschland) vermitteln, dann hat die Ukraine gewonnen. Alle Herzen schlagen für die Ukraine. Doch man sollte nicht vergessen, dass wir uns bei der Beurteilung der Lage gänzlich und zu 100 Prozent in einer Ukraine-Bubble befinden. Eine einigermaßen objektive Sicht auf die Dinge ist unmöglich.

Die Frage, wie es zu einem Waffenstillstand kommen könnte, beschäftigt zur Zeit vermutlich Heerscharen von Menschen in Ministerien und Institutionen. Verlängert man den Krieg, indem der Westen jetzt enorme Mengen an Waffen in die Ukraine liefert? Mit Sicherheit verlängert man dadurch den Krieg, aber man schwächt – wenn man keine Waffen liefert – die Position der Ukraine bei Verhandlungen. Was Letzteres offenbar niemand will.

Werden die Russen nukleare Waffen einsetzen, und sind diese dann in einem besseren Zustand als die Panzer? Man muss davon ausgehen, dass Putin – wie AachenNews bereits geschrieben hat – Nuklearwaffen einsetzen wird, wenn sich der Krieg nicht zu seinen Gunsten entwickelt. Vielleicht explodiert eine taktische Nuklearwaffe über dem Schwarzen Meer. Möglich wäre das.

Nebenbei: Warum will Putin eigentlich so unbedingt das schöne Odessa am Schwarzen Meer zerstören? Warum gerade Odessa vom Meer aus angreifen? Das war doch schon immer eine russische Stadt. Völlig rätselhaft.

Da Putin keine Hemmungen hat, den Krieg nuklear eskalieren zu lassen, ist die NATO, die alles tut bzw. unterlässt, damit der Krieg eben nicht nuklear eskaliert, im Nachteil, Putin im Vorteil. Die Hoffnungen ruhen insofern einzig und allein auf den Gesprächen, die es zwischen Ukrainern und Russen geben soll.

Allerdings ist zu bedenken: Je mehr Bilder von Kriegsverbrechen wir serviert bekommen, desto mehr werden die Menschen im Westen fordern, es müsse irgendetwas gemacht werden, z. B. eine Flugverbotszone eingerichtet werden. In den USA drängen darauf bisher nur die Republikaner. Wenn sie sich durchsetzen, wäre das für Europa verhängnisvoll. Für Amerika nicht.

Über AachenNews.org

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