Wissen und Informationen gnadenlos entfernt

Mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag ist bis heute dafür gesorgt, dass seit 2008 bis zu 80 Prozent der  Inhalte der ARD-Gemeinschafts-Telemedienangebote gelöscht werden mussten. Dies gilt zum Beispiel für das Angebot von tagesschau.de .   

 Und falls die Piraten eines Tages, also sagen wir mal in nur fünf Jährchen, nachvollziehen wollen, wie es mit ihnen anfing, wie sie in den dritten Programmen, in ARD und ZDF anfangs vorkamen, dann gibt es nix zu gucken und zu hören. Und man kann nur hoffen, dass sie dann ihre eigenen Aufzeichnungen finden.

Also keine Piraten auf tagesschau.de ? Dort wurden bis Ende August 2010 bereits rund 26.000 Audios, 270.000 Videos und 250.000 Meldungen “depubliziert”. So nennt man das, wenn Meldungen, die älter als ein Jahr sind, unerreichbar für die Gebührenzahler auf alle Zeiten entfernt werden müssen. Dabei wären sie für zeitgeschichtliche Recherchen zu einzelnen Themen – wie erwähnt – durchaus spannend. 

Konkret:  Fast alle Tagesschau-Sendungen oder das Nachtmagazin sind seit 2008 als komplette Sendung nur noch sieben Tage im Netz abrufbar.

Beim Gemeinschaftsangebot „DasErste.de“ wurden und werden viele Seiten gelöscht. Bei laufenden Sendereihen wie „Druckfrisch“, „Weltspiegel“ und „Plusminus“ müssen die Seiten zum Beispiel nach spätestens einem Jahr gelöscht sein.

Beim Gemeinschaftsangebot sportschau.dewurden nach bisherigen Schätzungen (ARD) mindestens 60 Prozent der Inhalte entfernt. So mussten aufgrund so genannter Verweildauerkonzepte nicht nur Berichte und Dossiers zu großen Sportereignissen der vergangenen Jahre wie Weltmeisterschaften oder Tour de France aus dem Netz genommen werden. Selbst ein preisgekröntes Format wie eine Multimedia-Reportage zu einem Rollstuhl-Rugby-Turnier ist nicht mehr verfügbar.

Blickt man auf die Onlineangebote der einzelnen Landesrundfunkanstalten, liegen die Prozentsätze ebenfalls bei bis zu 80 Prozent Entfernung. Beim rbb mussten zum Beispiel auf den Seiten von kulturradio.de rund 80 Prozent der Rezensionen von Filmen, Büchern, CDs und Theateraufführungen vom Netz genommen werden. Beim Politikmagazin „Klartext“ werden die Beiträge aus zehn Jahren nicht mehr verfügbar sein, die einen Überblick über politisch relevante Themen dieser Jahre ermöglichten.

Freien Zugang zu Information und Bildung, so lautet eine Forderung der Piraten. Die durch die Verlage gewünschten und durch die Rundfunkreferenten ermöglichten flächendeckenden Löschungen verhöhnen diese Forderung geradezu.

Weitere Beispiele müssen hier folgen: Beim SWR mussten unter anderem 60 Prozent der Dokumente zur „Teleakademie“ aus dem Angebot genommen werden. Bei WDR.de  gingen und gehen unter anderem die WDR-Sendung „Servicezeit“ mit vielen tausend Tipps zu Gesundheit, Familie, Mobilität und Ernährung verloren.

Auch zehntausende Beiträge der Hörfunkberichterstattung, deren journalistische Bedeutung weit über die Zeitspanne von zwölf Monaten hinaus geht, werden aus dem Netz entfernt. Das ist bei Themen von landesweiter oder bundesweiter Bedeutung bedauerlich und schränkt Recherchemöglichkeiten erheblich ein.

Beim NDR.de sind allein im Bereich Nachrichten und Wirtschaft ebenfalls rund 80 Prozent der Inhalte entfernt worden. Von der umfangreichen Berichterstattung über die Unregelmäßigkeiten bei UNICEF (wie praktisch bei diesen Zensursula- Befürwortern) oder den Folgen des Jahrhundertsturms Kyrill ist kaum noch etwas zu finden.

Der SR muss Unpolitisches, wie etwa das Archiv von „Leas Kochlust“, komplett aus dem Netz nehmen. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von regionaltypischen Rezepten. Näher als saarländisches Essen liegt mir das gesamte Comedy-Archiv von 103.7 UnserDing – weg damit!

Auch ein Thema wie Krebs liegt nicht mehr im öffentlich-rechlichen Interesse und musste entfernt werden: Eine Anfrage an die ARD wurde wie folgt beantwortet:

…..Dossiers zur Themenwoche Krebs aus dem Jahr 2006 sind wegen Ablaufs der maximal zulässigen Verweildauerfrist… nicht mehr verfügbar…

Diese Angaben kann man – zumal als Ex-Bundestagsabgeordneter – alle auf Nachfrage bei der ARD erhalten. Für das ZDF liegen noch keine vergleichbaren Zahlen vor. Die dortige Pressestelle schweigt gegenüber Tauss traditionsgemäß beharrlich. Doch dort sieht es nach internen Informationen genau so aus. Muss also erst wieder das Bundesverfassungsgericht den offenkundigen Skandal in unserer vermeintlichen “Informationsgesellschaft” stoppen? Offensichtlich!

 
Diese Fakten wurde alle von Jörg Tauss recherchiert und  zusammengestellt. Der Text ist Teil eines sehr viel längeren Werkes von Jörg Tauss, er wurde ganz wenig verändert und redigiert.
Weitere Infos auf   www.tauss-gezwitscher.de


Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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