Literatur im Jahr der Katastrophe

“Unerwartet kam ein Anruf aus Osaka. Das ist die südlichste Stadt in Japan. Ein alter Bekannter, den ich seit sechs oder sieben Jahren nicht mehr gesehen habe, fragte, ob ich ihm einen Gefallen tun kann.
Zwei Mädchen, mit ihm verwandt, wollten nach München fliegen. Ob ich die abholen und zu einem sicheren und nicht sehr teuren Hotel bringen kann. Ich sagte “klar”, und ich sagte nicht, dass ich gerade in Nizza bin.
Diese Mädchen kamen sehr ängstlich in München an. Als Erkennungszeichen, hatte ich gesagt, habe ich eine rote Krawatte an. Die Mädchen habe ich nach dem Einchecken ins Hotel noch zu einem Münchener Ratskeller gebracht. Sie aßen Fisch, ich bestellte für mich aus Jux, damit sie lachen, eine Haxe vom Ochsen und aß das demonstrativ mit dem größten Appetit . . .  Und erzählte ihnen, dass jeder Deutsche pro Woche drei Ochsenhaxen isst und an den restlichen Tagen Schweinshaxe.
Ich fragte mit keinem Wort, wie es mit dem Atomreaktor ist . . .  Und sie sagten davon auch kein Wort.

Als ich sie zum Hotel brachte, lachten sie.

Meine Aufgabe ist erledigt.”

(Eine wahre Geschichte, Literatur im Jahr 2011, im Jahr der Katastrophe.)

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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