Wahlentscheidung aus dem Bauch heraus

Heute habe ich mir das neue Video von Alvar Freude angeschaut. Dort wird einem vorgeführt, wie tausende Stuttgarter und andere sich freuen, weil es in Baden-Württemberg den Regierungswechsel gegeben hat. Die Aufnahmen sind, und das darf man glauben, entstanden, als am Wahlabend die ersten Hochrechnungen bekannt gegeben wurden. Und danach, bis es dunkel wird. Zu sehen ist ein Freudenfest, ein wenig wie Karneval im Rheinland. Menschen machen auf der Straße Krach, tanzen, singen und freuen sich ganz doll. Also für Schwaben schon doll, finde ich. Welch ein Jubel. Auch außergewöhnlich: gemeinsam öffentlich die Wahlergebnisse zu schauen. “Wann gab es das schon?”, twitterte Alvar Freude.
Jetzt haben die einen grünen Ministerpräsidenten. Vor 18 Monaten, 2009, bei der Bundestagswahl, da haben die mit großer Mehrheit CDU und FDP gewählt. Da waren die mit der Politik der Konservativen zufrieden. Die Grünen landeten schlapp auf Platz vier. Und nur 18 Monate später, das ist der Hammer, sind die mit der Politik der Konservativen so unzufrieden, dass die Rot/Grün mehrheitlich ihre Stimme geben. Was bedeutet das?
In den 18 Monaten hat sich kein bisschen die Politik der Konservativen geändert. Die Kandidaten von CDU/FDP wurden im September 2009 gewählt und haben bis zum Wahltag ihre Richtung kein bisschen geändert. Was aber hat sich geändert? Nun, es sind die Bilder im Fernsehen, die sich geändert haben. Weil die Wähler im TV die Katastrophe von Japan gesehen haben, täglich, haben sie sich bei der Wahl mehrheitlich umentschieden. Das ist ein Wechsel des Abstimmungsverhaltens aus dem Bauch heraus. Nicht aufgrund rationaler Überlegungen, sondern aus Emotionalität.
Dass Leute so wählen, kann einem Angst machen. Sie vergessen, was fünf Jahre lang war, sehen ein paar grauenhafte Bilder im Fernsehen und schwupps, wählen sie eine Partei (die Grünen), die 18 Monate zuvor noch an vierter Stelle lag, hinter der FDP.
Natürlich haben viele auch der CDU den Rücken gekehrt, weil sie es satt haben, Irrsinns-Projekte wie Stuttgart 21 aufgebrummt zu bekommen. Aber ich bin sicher: Hätte es den Tzunami nicht gegeben, hätten wird jetzt immer noch eine schwarz/gelbe  Mehrheit im Landtag von Baden-Württemberg.
Wem der grüne Ministerpräsident also seinen neuen Job verdankt, das dürfte damit klar sein.

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