“Der Welt erzählen, was passiert.” Das muss möglich sein, denken wir. Und das erwarten wir auch von denen, die reisen können, mutig und unabhängig sind. Und wenn in einem Land das Internet abgeschaltet wird, dann möchten wir, dass von Europa aus ein Netz eingerichtet wird. Auch wenn es nur via Uralt-Modems funktioniert.
Darüber sprachen wir beim PolitCamp11, das wir Samstag und Sonntag in Bonn besuchten und von dem wir mit vielen neuen Eindrücken zurückkamen.
Bonn ist eine schöne Stadt geworden und geblieben. Am Rhein zumindest gibt es tolle Parkanlagen. Man hat den Eindruck, dass sich dort um jeden einzelnen Grashalm gekümmert wird. In Bonn beim pc11 durften wir uns in sehr schönen, hellen, eleganten Räumen aufhalten, sehr wohltuend.
Was uns am meisten interessierte, war mal wieder die Presse- und Meinungsfreiheit. Und zwar die im “Lebensraum Internet”, denn nach diesem pc11 haben wir jetzt definitiv kapiert, dass das Internet kein Medium ist, sondern ein Raum, der unseren Lebensraum um eine krasse Ecke erweitert. Das Internet ist ein Lebensraum, der sich unserem alten, wohlbekannten Lebensraum hinzugesellt hat. So dass wir jetzt zwei Lebensräume haben und das ist schön. Zwei ist besser als einer.
Massive Kritik gab es an der Nicht-Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen, die bei der tunesischen Revolution sehr spät eingestiegen sind und bei spanishrevolution fast gar nicht. Das kann so nicht weitergehen. Unser Vorschlag: Wenn wir Berichte wollen, müssen wir jemand bezahlen, der beispielsweise nach Madrid fährt und berichtet. Für diese Idee konnten wir erste Interessenten finden.
Dann ging es um Halal-Internet, wie es der Iran sich wünscht. Und um das zivilisierte Internet, wie es Sarkozy haben möchte. Beides ist sehr ähnlich und von allen befreit, was gläubige Moslems ablehnen, insbesondere natürlich von Pornografie. Es ist ein durch und durch zensiertes Internet, das besser als wir selbst weiß, was uns gut tut und was uns schadet.
Davon, dass die Amerikaner meinen, auf einen Angriff aus dem Internet auf ihre staatlichen Strukturen würden sie mit realen Waffen reagieren, war die Rede. Und inwiefern da das Selbstverteidigungsrecht gilt, obwohl man meist nicht genau weiß, wer den Angriff gestartet hat. Von der Internet-Enquete-Kommission war auch die Rede, doch diese Totgeburt interessiert uns gar nicht mehr. Auch die dauernde Rede von der Medienkompetenz nicht. Soll doch jeder selbst schauen, wie er im Netz kompetent wird, es gibt schließlich genug Möglichkeiten, und die Kids bringen es sich schon selbst bei.
Da stellt sich die Frage, ob wir immer so weiter nette Diskussionsrunden veranstalten oder nicht doch mal was machen müssen. Angesichts von Halal-Internet, “zivilisiertem Internet” und vds von Brüssel gewollt, ACTA und Netzsperren und INDECT. Müssen wir uns nicht mal eine konzertierte, coole Aktion ausdenken, die nicht übersehen werden kann?
Entdecke mehr von AachenNews
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.







