Angst um Europa

Gingen 2017 für ein vereintes und friedliches Europa auf die Straße: Menschen in Aachen. Foto: Archiv

Wie geht es weiter mit der EU, mit Europa? Im Jahr 2017 hat mich von allen politischen Themen diese Frage am meisten interessiert und im Laufe des Jahres auch in Angst und Schrecken versetzt.

Denn das muss ich gestehen: Ich sah z. B. in Holland und Frankreich die Gefahr, dass krasse Nationalisten (Geert Wilders, Marine Le Pen) die Wahlen gewinnen als realistisch an. Und nicht nur da. Trump hätte mit einem Europa, das sich in seine einzelnen Nationen zerlegt, leichtes Spiel.

Die Debatte um die Zukunft Europas ist jetzt in vollem Gange, und ich habe mich tierisch darüber gefreut, dass ein wirklicher Europäer wie Emmanuel Macron in Frankreich Präsident geworden und Marine Le Pen mit Karacho abgeschmiert ist. Macron hat einen ganz auf Europa konzentrierten Wahlkampf gemacht, statt der Nationalhymne sogar symbolträchtig die EU-Hymne zu wichtigen Anlässen bevorzugt.

Ehrlich gesagt hatte ich große Zweifel, ob die Franzosen mit einem dezidiert EU-freundlichen Präsident noch etwas anfangen können. Doch es zeigte sich: Sie können. Prompt hat auch Macron (in seiner berühmten Rede) einen Fahrplan vorgelegt, wie die EU neu aufzustellen ist. Das geht nur mit Deutschland zusammen, doch hierzulande befasst man sich seit vielen Wochen nur noch mit der Bildung einer Regierung. Und wird nicht fertig. Ich rechne mit Neuwahlen.

Das war der Horror 2017: Dass ein EU-Politiker (Martin Schulz, SPD), den ich sogar selbst zur EU kluge Dinge habe sagen hören, im Wahlkampf in Deutschland NICHT über die EU gesprochen hat. Da kam nichts, nada. Eine Katastrophe. (Auch persönlich finde ich es übrigens keine gute Eigenschaft, wenn jemand grundsätzlich in der Lage ist, in einem Wahlkampf über sein wichtigstes Lebens-Thema derart zu schweigen.) Wie sich ein überzeugter Europäer so zurücknehmen kann, das produziert bei mir keine Hochachtung.

Was den Brexit betrifft, so bin ich erleichtert. Die ewig und immer nur bremsenden Britten sollen gehen. Sie standen doch wirklich seit 20 Jahren JEDER positiven Entwicklung im Wege und ließen sich ihre Zustimmung immer nur teuer bezahlen, mit Geld und Sonderrechten und Einschränkungen für alle anderen, das war doch immer fürchterlich zu beobachten.

Geht es um die ehemaligen Ostblock-Länder, so kann ich gut verstehen, dass sie – gerade aus der Vormundschaft der Russen rausgekommen – Wert auf größtmögliche Selbstständigkeit legen. In Polen, Ungarn, Tschechien usw sollte es Abstimmungen geben: Ob sie jetzt bei der EU bleiben wollen und den Beschlüssen aus Brüssel Folge leisten wollen oder nicht. Die EU ist ja ein Projekt, wo jeder Nationalstaat Macht und Kompetenzen abgibt und sich in gewissen internationalen, also länderübergreifenden Fragen (wie z. B.  Umweltschutz) aus Brüssel regieren lässt.

Wenn in Europa jedes einzelne Land . . . den Machthabern in China, Indien und den USA alleine entgegentritt, dann kann sich auch jedes einzelne Land auf unserem Kontinent alleine gehackt legen. Viel Vergnügen.

Hier hört ihr (allerdings in Spanisch, mit englischen Untertiteln), was Europa ganz eigentlich ist:

 

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Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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