Professor Schuh: „Aachener, seid ehrgeiziger“

Stellte sich am 1. Mai auf dem Aachener Markt den Fragen der Gewerkschaft: RWTH-Professor Günther Schuh (Mitte).

Professor Schuh, der – salopp gesagt – mit anderen Wissenschaftlern den e.GO Life erfunden hat und in Rothe Erde auch schon eine große Produktionshalle errichten ließ, hatte am 1. Mai auf dem Markt in Aachen einen interessanten Auftritt.

Zur Erinnerung: Der Professor möchte ab Herbst 2018 in seinem Aachener Unternehmen pro Monat hunderte Elektro-Autos produzieren – und dann

Der vordere Teil der Produktionsstätte, die sich im Ortsteil Rothe Erde befindet.       Foto: Henning Brinkmann

natürlich verkaufen. Teilweise zu dem relativ günstigen Preis von 16.000 Euro, nebenbei bemerkt.

Bei der Kundgebung zum 1. Mai sprach er auf Nachfrage von Gewerkschafts-Chef Ralf Woelk über die verschiedenen Arbeitskräfte, die er für die Produktion braucht. Schuh ist – mMn – der erste RWTH-Professor, der in Aachen am Tag der Arbeit jemals auf eine Bühne der Gewerkschaft geklettert ist und öffentlich umfangreich Fragen (später auch aus dem Publikum) beantwortete.

Der 2-Meter-Mann sprach nicht nur über Arbeitsplätze und Arbeitskräfte. Er sprach beispielsweise nicht nur darüber, wie viele Initiativ-Bewerbungen er pro Monat bekommt usw. Sondern auch darüber, dass einige Zulieferbetriebe für die

Auf der Bühne: Der Aachener DGB-Vorsitzende Ralf Woelk, Daniela Jansen von der IG-Metall und e.GO -Gründer Günther Schuh (v.l.).

e.GO-Produktion sich gern in Aachen ansiedeln würden. Und da forderte er die Aachener auf, doch etwas ehrgeiziger zu sein. Dringend, wie mir schien. Aachen und die umliegende Region könnten doch bestimmt etwas mehr Wohlstand gut verkraften. Da sei quasi noch viel Luft nach oben, so Schuh sinngemäß.

Zum Hintergrund: Aachen braucht nach umfangreichen Berechnungen in den nächsten 20 Jahren deutlich mehr als 100 Hektar Gewerbefläche. Aber: Wegen ihrer Tal-Lage hat die Stadt eigentlich gar keinen Platz mehr für Gewerbegebiete (und auch nicht für Wohnungsbau). „Alles voll“, wird immer gesagt. Aber stimmt das wirklich?

Ist da nicht noch das Gebiet zwischen Autobahn, Augustinerwald, Augustinerweg und Hitfeder Straße, das seit 1992 brach liegt und wo alle Gebäude verfallen sind? Das ehemalige Kasernengelände der belgischen Streitkräfte, wo betreten verboten ist? Wo man nicht weiß, was für gefährliche Reste noch im Boden rumgammeln? Wo aus tieferen Schichten u. a. Trinkwasser für uns alle gewonnen wird? Ist da nicht noch das Camp Hitfeld?

Ein schwieriges Gelände, das sei zugegeben. Eine ehemals von Belgiern jahrzehntelang militärisch genutzte Fläche ist wahrscheinlich ein Drecksloch. Aber was soll’s? Wenn schon Unternehmen nach Aachen kommen möchten, und die Wassergewinnung (via Eicher Stollen) dort – wie angedeutet wurde – sowieso bald aufgegeben wird, dann lohnt es sich bestimmt, Erdschichten abzutragen und Rückstände zu entsorgen.

Also rauf auf das Gelände und zum Gewerbegebiet aufmotzen!

Wem gehört es denn eigentlich? Ja, Camp Hitfeld gehört der Bundesrepublik, genauer: der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), mitsamt den Altlasten natürlich. Und weil sich die Stadtverwaltung samt Politik mit der Bundesanstalt niemals einigen konnten, wer die ganzen Altlasten entfernen muss, geschah Jahr für Jahr rein nichts mit dem Gelände.

Und jetzt wird es kompliziert. Sicher ist, dass im März 2016 ein Teil des Geländes auf dem freien Markt zum Verkauf angeboten wurde, und irgendwann danach ein Käufer/Investor aus Aachen (Landmerken AG) gefunden wurde. Doch zuletzt besann sich die Stadtverwaltung und fand heraus, dass sie mittels Vorkaufsrecht das Gebiet möglicherweise ebenfalls erwerben und selbst an diverse Unternehmen weiterverkaufen könnte. Oder so.

Jedenfalls trifft man sich demnächst mit dem Investor vor Gericht, um herauszufinden, wer jetzt eigentlich wie viel von der riesigen Fläche kaufen darf. Das kann dauern. Es sei denn, man einigt sich ganz ehrgeizig, erschließt das Gelände und und wartet nicht auf ein Urteil. 

Wer bis hierher gelesen hat, merkt, dass es an dieser Stelle bei mir mehr Fragen und Unsicherheiten gibt als gut ist. Deshalb verweise ich schon jetzt auf die Zusammenkunft der Bezirksvertretung Aachen-Mitte am Mittwoch, 9. Mai, um 17 Uhr und besonders auf den Planungsausschuss am Donnerstag, 17. Mai, um 17 Uhr. Dort wird die wirklich spannende und für Aachen wichtige Angelegenheit thematisiert. Das Gelände seht ihr, wenn ihr hier ganz nach unten scrollt, im Anhang.

Zum Weiterlesen: (wird noch was gesucht)

Da wir Piraten mit drei Personen im Rat der Stadt vertreten sind, werde ich über den Fortgang der Angelegenheit hier weiterhin umfassend berichten können. Es sei denn, die Datenschutzgrundverordnung macht mir einen Strich durch die Rechnung. Aber davon geh ich erst mal nicht aus. Notfalls gibt es ja auch noch die Seite www.margretvallot.org .

Stay tuned.

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Über uebergangshymne

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Eine Antwort zu Professor Schuh: „Aachener, seid ehrgeiziger“

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