Marode Meiler? Macron versteigt sich zu dem Versprechen, dass sie sicher sind

Das war ein sympathischer, schwungvoller Auftritt, den Emmanuel Macron in Aachen hingelegt hat. Macron hat den Krönungssaal gerockt. Aber was der neue Karlspreisträger zu Tihange gesagt hat, zu den Risse-Reaktoren, die uns hier in Aachen bedrohen, das war unter aller Kanone. Zum Fürchten. Das darf nicht verschwiegen werden.

„Wenn ich glaubte, dass die Atomkraftwerke nicht sicher seien, hätte ich sie in Frankreich geschlossen.“

So wurde der französische Staatspräsident schon am Tag der Preisverleihung (auf Twitter) von Journalisten zitiert, und so stand es tags drauf in den

Im Netz zu finden: Marc Teuku (Piratenpartei) und seine Begleiterin zeigen mit Anti-Atomkraft-Flyern ihren Protest.

Zeitungen. Ganz davon abgesehen, dass man Atomkraftwerke nicht schließen kann wie ein Geschäft in der Adalbertstraße: Dieses Zitat lässt große Unkenntnis über die fürchterliche Zerstörungskraft uralter, kaputter Anlagen erkennen, wie sie nur 60 Kilometer von Aachen entfernt von einer Panne zur nächsten taumeln.

Vor rund 1000 Studierenden wurde Macron im neuen Hörsaal CARL auf das Thema angesprochen, nachdem ihm schon auf dem Markt beim Bad in der Menge der Protest lautstark entgegenschallte. Doch er tat noch eine weitere Äußerung, die einen doch etwas am Verstand dieses neuen Politik-Stars zweifeln lassen.

„Sie haben mein Versprechen, dass Sie in Sicherheit sind – wie auch das französische Volk.“

Ja, dann ist ja alles gut, möchte man rufen mit Sarkasmus. Und man weiß nicht, ob man weinen, laut lachen oder kotzen soll. „Sie haben mein Versprechen, dass Sie in Sicherheit sind?“ Wirklich? Hat er DAS gesagt? Das hört sich an wie jene betagten Damen und Herren beim LVR, die meinen, sie könnten ein Internet-Tool bauen lassen, das absolut sicher ist. Das erinnert anSie haben mein Ehrenwort, der das sprach landete wenige Tage später in Lausanne in der Badewanne, tot. Ja, das haben die Japaner auch gedacht, dass ihre Atomkraftwerke sicher sind. Man kann sich nicht genug aufregen über so viel Blindheit und Blödheit.

Da ist mir Merkel, die im Krönungssaal eine langweilige Rede hielt, lieber. Sie ist viel weniger charmant, hat aber als Physikerin das Richtige getan: Die Abschaltung deutscher Meiler in die Wege geleitet.

Und die Grünen? Hallo? Konnte nicht einer, nicht eine von euch mal im Krönungssaal ein Stopp-Tihange-Schildchen hochhalten? Nur mal kurz, für die Kameras, nein? Unfassbar. Hier sei nicht verschwiegen, dass Pirat Marc Teuku und seine Begleiterin diese Aufgabe übernahmen, als sie – aus dem Krönungssaal kommend – die Außentreppe vom Rathaus hinuntergingen. (Hier als Bild Nr. 57 der Internet-Fotogalerie der Aachener Zeitungen zu sehen.)

Von den Alt-Grünen Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit gab es noch nicht mal am Rande der Veranstaltung ein Wort der Kritik oder Sympathie mit den Atomkraftgegnern. Obwohl sie, auf eine zugegeben etwas ruppige Weise, darauf angesprochen wurden.

Was für ein Gesinnungswandel! Was für eine Anpassungsleistung ans Establishment! Die Anti-Atomkraft-Bewegung unserer ganzen, großen Region geht ihnen am Arsch vorbei.

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Über uebergangshymne

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3 Antworten zu Marode Meiler? Macron versteigt sich zu dem Versprechen, dass sie sicher sind

  1. Achim Ferrari schreibt:

    Die teilnehmenden GRÜNEN haben fast alle Stop-Tiange-Anstecker getragen, selbst Hermann Josef Pilgram als Mitglied des Direktoriums saß damit auf der Bühne.

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  2. Pingback: Marode Meiler? Macron versteigt sich zu dem Versprechen, dass sie sicher sind – Piratenpartei Aachen

  3. Uschi Ronnenberg schreibt:

    Ich habe „Gefällt mir“ angeklickt – nicht, weil mir die Inhalte gefallen, sondern daß Du darüber schreibst…

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