Fachkräfte sollen wählen: Weniger Gehalt oder Wechsel zu einem anderen Arbeitsplatz

Leisten hervorragende Arbeit, werden aber durch eine veränderte Gesetzeslage vor große Schwierigkeiten gestellt: Fachkräfte in den integrativen Einrichtungen. Nicht nur ihnen selbst, auch den Kindern und Familien wird plötzlich einiges zugemutet.

Das war eine echte Überraschung: Bevor sich diese Woche Aachens Fach-Politiker*innen im Eurogress mit Fragen, die hiesige Schulen und Kitas betreffen befassen konnten, mussten sie durch ein Spalier von protestierenden Erzieherinnen gehen. 

Knapp 60 Aachener Erzieherinnen mit Spezialausbildung („integrative Fachkräfte“) sollen sich entweder einen neuen Arbeitsplatz suchen oder teils empfindliche Einschnitte im Gehalt hinnehmen. Und das, obwohl sie sich nichts haben zuschulden kommen lassen. Kein Wunder, dass die Fachkräfte auf die Barrikaden gehen. 

Ein Beispiel: In einer Aachener Kita sind neben anderen sechs Mitarbeiterinnen beschäftigt, deren Arbeit mit Spezialausbildung in genau dieser Kita plötzlich nicht mehr gebraucht wird. Sechs Erzieherinnen sollen sich also anderweitig (in Richtung anderer städtischer Kitas) orientieren . . . und der Kita, die die Sechs verlassen, fehlen auf einen Schlag sechs Erzieherinnen, das wäre dann ein Drittel des Personals. Woher soll da Ersatz kommen?

Möglich ist das alles wegen der Änderung eines Gesetzes (Bundesteilhabegesetz, BTHG), das man sich in Aachen nicht ausgedacht hat. In der Stadtverwaltung ist man – wie es scheint – trotzdem gezwungen, den neuen Vorschriften des BTHG Geltung zu verschaffen.

Die Lage ist verzwickt und verwickelt, so sehr, dass die zuständigen Politiker*innen gleich beschlossen, sich in ihrer nächsten Sitzung im April mit der Sache intensiv zu befassen. Vielleicht können ja dann die allerhärtesten Zumutungen für die Erzieherinnen noch abgewendet werden. 

***

UPDATE: Um Druck auf die laufende Tarifrunde auszuüben, legten am Freitag, 18. März, zum zweiten Mal in anderthalb Wochen viele Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen und Sonderpägagog*innen in Aachen, in der StädteRegion und Düren die Arbeit nieder und trafen sich zu einem Zug durch Aachens Innenstadt. Auch die Fachkräfte (s.oben) waren mit ihrem Spezialproblem dabei.

Die Gewerkschaften Verdi und Komba hatten zu dem Streik aufgerufen. Die Tarifverhandlungen finden in Potsdam statt (21. und 22. März).

Bei der Kundgebung auf dem Münsterplatz war von den hohen Belastungen der Kolleginnen und Kollegen die Rede. Da müsse sich niemand wundern, dass viele ihren Beruf aufgeben und sich andere Jobs suchen.

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