Ein italienischer Politiker, an den in Aachen erinnert wird: Alcide de Gasperi

Das Aachener Stadtarchiv stellt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats vor. Im Mai 2026 ist es ein Foto des ehemaligen italienischen Staatspräsidenten Alcide de Gasperi, es entstand am 24. September 1952 bei der Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Aachen. Der Text zu de Gasperi lautet:

Wenn Mario Draghi am 14. Mai den Karlspreis erhält, wird er der fünfte italienische Politiker sein, dem diese Ehre zuteil wird. Im Jahr 2005 erhielt Carlo Azeglio Ciampi, der ehemalige italienische Staatspräsident, den Preis für seine Verdienste um die europäische Integration. Und 53 Jahre zuvor, am 24. September 1952, war der dritte Karlspreis bereits dem damaligen italienischen Ministerpräsident Alcide de Gasperi (1881-1954) verliehen worden.

Ebenso sind die italienischen Staatsmänner Antonio Segni und Emilio Colombo 1964 und 1979 mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden.

Der Aachener Oberbürgermeister Albert Maas würdigte de Gasperi im noch von Kriegsschäden gezeichneten Krönungssaal des Rathauses als klugen Verhandler im Kreise der europäischen Staaten an und nannte ihn einen „großen Baumeister des werdenden Europa“ – dies alles unter den noch frischen Eindrücken der ersten Versammlung der Montanunion, dem Vorläufer der heutigen Europäischen Union, 14 Tage zuvor in Straßburg und nur sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Damit war ein wichtiger Meilenstein des sogenannten Schuman-Planes erreicht worden, der eine überstaatliche Kontrolle der Kohle- und Stahlproduktion in Europa herbeiführen sollte, um ein erneutes Wettrüsten der europäischen Mächte zu verhindern. Gründungsmitglieder der Montanunion waren Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg – und eben Italien.

Währung und Bewegungsfreiheit

De Gasperi unterstrich in seiner Dankesrede, dass die Gründung der Montanunion nur ein erster Schritt zu einer europäischen Einheit sein sollte, die „sich nach und nach auch auf andere Gebiete erstrecken möge, bis zur Schaffung eines einzigen europäischen Marktes, mit einheitlicher Währung und Bewegungsfreiheit für Waren und Personen.“ Dem Preisträger war aber durchaus klar, dass diese Entwicklungen Zeit brauchen würden, und er appellierte, eine europäische Mentalität zu entwickeln, die einzelne Interessen überwinden und in einem gemeinsamen europäischen Interesse handeln sollte.

Alcide de Gasperi war der erste hochrangige Politiker, der den ab 1950 verliehenen Karlspreis erhielt. Seine beiden Vorgänger, Richard Coudenhove-Kalergi (1950) und Hendrik Brugmanns, wurden als intellektuelle Vordenker einer europäischen Einigung ausgezeichnet. Die Verleihung an de Gasperi markierte damit auch einen Reputationsgewinn für die Aachener Auszeichnung.

Auf ihn folgten mit Jean Monnet (1953), Konrad Adenauer (1954), Winston Churchill (1955), Paul-Henri Spaak (1956) und Robert Schumann (1957) einige der bedeutendsten Politiker ihrer Zeit. Alcide de Gasperi selbst starb im August 1954, gut zwei Jahre nach seiner Ehrung in Aachen. In den Monaten vor seinem Tod war er Präsident der Parlamentarischen Versammlung der Montanunion, aus der später das EU-Parlament hervorgehen sollte.

Quellen: Stadtarchiv Aachen, Fotosammlung XXV.11; Druckschriftensammlung K9


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