Schluss mit Grau: Ein Kunstwerk für Forst. Jetzt abstimmen, das geht auch analog.

Der Etat für den Kulturbetrieb in Aachen wird höchstwahrscheinlich stark gekürzt, in Forst darf man sich aber freuen. Die Kunst kommt zu den Menschen in Form einer Wandmalerei. Vier Künstler wurden beauftragt, Entwürfe für eine Bunkerwand zu erstellen. Aus diesen vier dürft ihr nun den aussuchen, der euch am besten gefällt.

Diese Bunkerwand in der Zeppelinstraße/Ecke Mataréstraße soll nicht grau bleiben. Das Werbeplakat musste mitbedacht werden bei der Wandgestaltung.

Es kann per Internet abgestimmt werden. Doch das ist nicht gerade einfach, man muss sich registrieren. Erste Stimmen sind schon eingegangen. Aber man kann auch analog an der Abstimmung teilnehmen.

Die Verwaltung war total fleißig und engagiert, ganz im Sinne der Menschen in Unterforst, die „ihren“ Bunker lieber in Farbe statt Grau in Grau sehen wollen. Die Verwaltung teilt nun mit:

Heute (27. Januar) startet nun der Wettbewerb für die Gestaltung der Fassade Mataréstraße und läuft über 2 Wochen bis zum 7. Februar. Wir haben vier Künstler aufgefordert, ein Gestaltungskonzept einzureichen. Diesem sind auch alle vier Künstler nachgekommen und haben ganz unterschiedliche Konzepte eingereicht. Die vier Gestaltungsvorschläge finden Sie ab heute auf unserer Webseite: www.Aachen.de/Zukunft-forst .“

Eine niederschwellige, analoge Abstimmung erfolgt in Unterforst mit
Abstimmungskarten, die an alle Haushalte verteilt werden. Zusätzlich
wurden die Vereine und Akteur*innen vor Ort eingebunden. So kann
das Quartier mit Unterstützung der unterschiedlichen Institutionen vor
Ort direkt und unkompliziert beteiligt werden. Hier die vier Entwürfe.

***

Hier noch die Hinweise für die Registrierung im Internet. Denn: Für die Teilnahme an der Umfragen über das AachenPanel ist eine einmalige Registrierung im Serviceportal der Stadt Aachen mittels BundID notwendig:

1. Zugang zum Serviceportal über www.aachen.de/aachenpanel
2. Wer noch keine BundID hat, kann sich dort eine erstellen. Wichtige
Info: Es reicht dabei die Auwahl „Benutzername&Passwort“ (Die
Sicherheitsstufe über AusweisApp ist nicht erforderlich
3. Nach erfolgter Registrierung wird der Link zum Bereich AachenPanel
unter Beteiligung NRW angezeigt, hier ansonsten der direkte Link:
https://beteiligung.nrw.de/portal/aachen/beteiligung/themen/1009547
4. Unter Beteiligung.NRW muss man sich oben rechts über dieses
Spielfigürchen-  Symbol anmelden, und zwar dort über den Text „Mit
BundID-Konto anmelden“.

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Die einen retro, die anderen wollen Zukunft

Es ist Wahlkampf, aber man merkte es bisher kaum. Dieser „Kampf“ verlief anfangs erstaunlich ruhig (kann sein, dass sich das nach dem Doppelmord von Aschaffenburg gerade ändert). Will man Fotos von Wahlplakaten machen, muss man in Aachen schon viel rumrennen um von allen Parteien unterschiedliche Motive zu finden um dann eine Linie daraus abzulesen. Wir haben deshalb diesmal auch im Internet nach Plakaten gesucht.

Sichtbar ist in der Oppenhoffallee die CDU in Person ihres Kandidaten Armin Laschet. Der schaut – ganz wie es seinem Naturell entspricht – freundlich drein. Ein bisschen verhalten, nicht aufdringlich und schon gar nicht aggressiv.

Insgesamt will die CDU offenbar da hin, wo wir schon mal waren. In die 1990er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Ob das überhaupt geht?

Auch CDU-Spitzenkandidat Friedrich Merz schaut uns freundlich an. Man hat tatsächlich ein Foto machen können, auf dem er einigermaßen gut aussieht. ABER die Sprüche. Die sind so dermaßen nach hinten gewandt, dass es einen schaudert. „Versöhnen statt spalten“, mit diesem Spruch ist doch Johannes Rau (SPD) in unser aller Erinnerung geblieben. „Für ein Deutschland, auf das wir wieder stolz sein können“. Das ist doch eine Anleihe an Trumps Spruch (great again). Und: „Fleiß muss sich wieder lohnen“. Alles soll wieder so sein wie früher. CDU insgesamt: alles retro

Egal wie, die CDU will zurück in die Vergangenheit. In die Zukunft will – laut ihren lila Plakaten – im ganzen Wahlkampf nur eine Partei: Volt. Für diese Partei wirbt Maral, die kein Mensch kennt. Wieso hat Volt in den Jahren seines Bestehens nicht eine Persönlichkeit aufbauen können, deren Stimme man schon mal irgendwo gehört hat? Wer ist Maral? – Auf der Rückseite stehen Slogans mit Blick auf eine Zukunft „Mit Lösungen für bezahlbares Leben“ oder „Mit sozialem Wohnraum statt steigender Mieten“ oder „Mit günstiger Mobilität für alle“.

Kommen wir zur FDP, die ihren Erfolg erstaunlicherweise darin sieht, sich wie zuvor tatsächlich ganz auf Christian Lindner zu konzentrieren. Und den mag nun wirklich keiner mehr. Das von allen Wahlplakaten einzige so verunstaltete Plakat fanden wir im Frankenberger Viertel. Oh je.

Da stand: „Bürokratie runter, Netto rauf.“ Lindner ist in schwarz/weiß erneut als cooler Typ dargestellt. Verzicht auf Farbfotos soll wohl Konzentration auf das Wesentliche bedeuten.

Die FDP meint „Alles läßt sich ändern“, man denkt sogleich: . . . nur die FDP nicht. Wer möchte, dass die nächste Koalition ebenfalls platzt, wählt FDP. Nebenbei: Die Liberalen haben die beste Seite im Internet, sehr übersichtlich, schön gestaltet. Okay, das können sie, das muss man ihnen lassen. Die FDP will hauptsächlich: viel ändern, ändern, ändern. Mal sehen.

Die SPD fordert uns unter jedem Slogan auf, das Plakat zu scannen. Es ist ein QR-Code drauf, da gibt es Videos.

Erstaunlich, wo doch die SPD gerade von älteren Personen gewählt wird, die jetzt nicht dafür bekannt sind, dass sie alle Nase lang etwas einscannen wollen. Was wird versprochen? „Mehr für Dich. Besser für Deutschland“. Die SPD duzt uns. Warum?

Starr und streng blickt uns Bundeskanzler Olaf Scholz von seinem SPD-Plakat aus an. Fast schon aggressiv. So als wollte er führen (nachdem er gerade darin drei Jahre lang total versagt hat). Scholz (historisch unbeliebt) ist das Zugpferd seiner Partei, beliebt ist von den Sozialdemokraten ein anderer.

59 Millionen Wahlberechtigte könnten auch die Partei von Sahra Wagenknecht (BSW) wählen. Wagenknecht ist es wichtig – egal was sie fordert, ob mehr Wohnungen oder mehr Rente, mehr Sicherheit oder mehr Lehrer und Ärzte – es heißt immer „Aber die alten Parteien haben versagt“.

Die Eine-Frau-Partei stellt natürlich ihre Namensgeberin groß raus. Gesehen an Rothe Erde.

Die Grünen kommen für die Wahl am 23. Februar mit erstaunlich langweiligen Slogans raus, wohl die langweiligsten, die sie jemals hatten. „Ein Mensch. Ein Wort“, was sagt uns das? Oder „Ein Bündnis. Ein Wort.“ Die Grünen formulieren diesmal betont vorsichtig: „Natur und Klima: Schützen!“ oder „Leben: Bezahlbar machen!“

An einer Aachener Maiglöckchen-Laterne in der Innenstadt: Robert Habeck, Kanzlerkandidat von Bündnis 90/Die Grünen. Er konnte vor 4 Jahren nur Annalena Baerbock beim Fehlermachen zusehen. Jetzt will er es selber wissen. Aber: Bei der grünen Wahlwerbung wird uns keine Richtung angeboten, da wird nur beruhigt. Und: Statt relativ viel Text wie früher gibt es nur noch ein einzelnes Wort, z. B. „Zuversicht“.

Die Darstellung (Brustbild, frontal, auf grünem Hintergrund) ist ebenfalls nicht besonders inspiriert. Da hat man sich nichts einfallen lassen.

Die Partei die Linke bleibt ihrem Namen treu und formuliert als einzige linke, quasi klassenkämpferische Sprüche. Man ist daran gewöhnt, dass in Deutschland die von „Unten“ gegen „Ganz-Unten“ kämpfen, also Geringverdienende gegen Bürgergeld-Empfänger. Auf den Plakaten tritt man mal andersrum, nicht mehr nach unten (Flüchtlinge und Asylbewerber), sondern gegen die Reichen (Vermieter, Konzerne). „Ist Deine Miete zu hoch, freut sich der Vermieter.“ Krass, diese Zuspitzung und Umkehr. Das ist man in Deutschland so nicht gewöhnt.

Die Linke kämpft für die sog kleinen Leute, gegen die Reichen. Sie war zur Europawahl wegen ihrer Asylanten- und Flüchtlingspolitik (Uneingeschränktes Recht auf Asyl) unter die 5 Prozent Marke gefallen.

Sie meinen „Tax the Rich“ (besteuert die Reichen).

Die AfD wird wegen eines formalen Fehlers in Aachen Stadt und in der StädteRegion mit Direktkandidaten nicht wählbar sein. Mehr Infos dazu: hier. AfD-Plakate haben wir in Aachen noch nicht gesehen.

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Zwei Straßen neu: Pläne jetzt online anschauen

Die Harscampstraße und die Schildstraße sollen neu gestaltet werden. Das teilte jetzt die Stadtverwaltung mit: „Die Führung des Fuß- und Radverkehrs soll verbessert und der kleine Platz zwischen den beiden Straßen aufgewertet werden.“

Die aktuelle Planung sieht tatsächlich neu gepflanzte Bäume und neue Fahrradständer vor. Der Ausbau soll erfolgen, nachdem die Regionetz ihre neuen Leitungen gelegt hat. Die Verwaltung geht ja immer so vor: Die Regionetz muss sowieso die Straße aufreißen und neue Leitungen verlegen. Und weil die Straße einmal völlig aufgerissen ist, wird sie auch gleich neu gestaltet und nicht nur behelfsmäßig zugeflickt.

Der kleine Schildstraßen Platz, wie er mal ausgesehen hat. Er wird endlich aufgehübscht. Foto: AachenNews Archiv

Die Fachverwaltung der Stadt wird ihre Planung voraussichtlich im Februar 2025 in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte sowie im Mobilitätsausschuss vorstellen und beraten lassen. Beide Gremien sind öffentlich, ihr seid bei der Vorstellung willkommen und könnt dabei sein. Außerdem: Die Verwaltung stellt die aktuellen Pläne für den Ausbau und weitere Informationen in einer vertonten Präsentation derzeit online auf  www.aachen.de/schildstrasse zur Verfügung.

Parallel kann man die aktuelle Planung auch im Foyer des Verwaltungsgebäudes „Am Marschiertor“, anschauen. Fragen können Personen schriftlich bis zum 31. Januar auf zwei Wegen an die Verwaltung weitergeben: über den Briefkasten im Foyer des Verwaltungsgebäudes „Am Marschiertor“, Lagerhausstraße 20, oder per Mail: schildstrasse@mail.aachen.de.

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Musikschule im Bunker bald außen bunt?

Der Bunker in der Mataréstraße/Ecke Zeppelinstraße ist – das weiß auch noch nicht jeder – ein Musikbunker. In dem Bunker befindet sich eine Schlagzeugschule. Und zwar eine namhafte mit ausgebildeten Dozenten und über 100 Schülern. Es ist eine unter strengen Kriterien vom Bund der freien Musikschulen (BDFM) zertifizierte freie Musikschule.

Eine Außenwand des Bauwerks soll nach einem Wettbewerb von einem Graffiti-Künstler/Wandmaler gestaltet werden.

Sieht aus wie ein Bunker, ist auch einer, aber zugleich eine zertifizierte, frei Musikschule.

Stadtverwaltung und Politik wollen den Aachener Stadtteil Forst stärken und attraktiver machen. Forst soll sich entwickeln, da ist nämlich einiges liegen geblieben in den letzten 20 Jahren. Der Stadtteil soll schöner werden, und der Zusammenhalt der Menschen soll gestärkt werden.

Zu Forst gehören nicht nur Schönforst, Altforst und Forster Linde, sondern z. B. auch Unterforst (mit Mataréstraße und Zeppelinstraße). Und da gibt es den häßlichen Bunker, wie geschaffen für eine künstlerische Gestaltung der Außenwände.

Noch in 2024 wurden vier bekannte Graffiti-Künstler eingeladen, Vorschläge für eine Gestaltung einer Wand einzureichen. Das wurde bei einem Treffen der Lenkungsgruppe mitgeteilt und von den Anwesenden erfreut zur Kenntnis genommen. Es sollen vielleicht auch Kinder der Grundschule Mataréstraße bei der Arbeit einbezogen werden.

Ein Bunker mit schwieriger Außenfassade: Er hat Vorsprünge und seltsame Löcher.

Wie und ab wann die Bürger*innen über ihren favorisierten Beitrag abstimmen können, wird noch mitgeteilt. Dem Vernehmen nach sollen Aphenoah, Jagama, Philip Wallisfurth und White Trash um Vorschläge gebeten worden sein. Das Kunstwerk mit den meisten Stimmen könnte dann im Sommer 2025 realisiert werden.

Hier wird weiter berichtet.

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Aachen nimmt Aufmarsch von Neonazis nicht hin, sondern demonstriert und blockiert

Jetzt mit Stellungnahme des Autonomen Zentrums

800 Rechtsradikale wollten gestern, am Samstag, Aachen einen Besuch abstatten. Genauer: Sie wollten eine Veranstaltung in Bahnhofsnähe stören, wo es eine Party von und für Queer-Personen geben sollte. 100 bis 120 bedrohlich aussehende Neonazis werden es gewesen sein, die tatsächlich nach Aachen kamen bzw. in Aachen leben. Viel weniger als gerüchteweise angekündigt, doch für Aachen immer noch eine Menge.

Sie kamen nachmittags am Bahnhof Rothe Erde an, quasi „empfangen“ von mehreren Hundert Gegendemonstrant*innen. Ferhat Sentürk, eine verlorene und desperate Persönlichkeit, ehemals Mitglied der AfD, reiste über den Reichsweg an. Der Mann war der Veranstalter des rechten Aufzugs, er kommt aus Aachen. An seinem Gesicht und an den Gesichtern seiner Kumpane erkennt man die Spuren von biografischen Katastrophen. Und: Man möchte ihnen – auch einzeln – nicht im Dunkeln begegnen.

„Aachen ist bunt nicht braun“ und ähnliche Slogans konnte man hören. Der bürgerliche Protest war gestern in jeder Hinsicht stabil. Alle Fotos Henning Brinkmann

Die Polizei war massiv präsent. Die jungen Beamtinnen und Beamten verdienen nicht viel Geld, üben einen schweren Beruf aus und gleichen soziale Defizite aus, die sie weder zu verantworten haben noch lösen können. In Aachen trennten sie Rechtsradikale und Gegendemonstranten, schlugen aber über die Maßen heftig zu, als sich auf dem Adalbertsteinweg (etwa auf Höhe der Elsaßstraße) Autonome auf die Straße setzten, Barrikaden bildeten und so den Neonazis den Weg versperrten. Die gelangten schließlich – über Umwege – gegen 20 Uhr auf den Bahnhof-Vorplatz, wurden in Polizeibegleitung in einen Zug gesetzt und abtransportiert.

Die Autonomen wurden ebenfalls abtransportiert (die Blockaden wurden „geräumt“, wie die Polizei mitteilt). Ein Blockierer teilte mit: mehrere mussten bis 22.50 Uhr in Polizeigewahrsam in einem Polizeikessel auf der Straße bleiben. Berichte und Fotos (in großer Zahl) über das Ereignis finden sich im Internet, bei Facebook, in der Aachener Zeitung und bei YouTube. s. dazu auch Polizeibericht. Um Missverständnisse auszuräumen, hier nochmal der Hinweis: Es gab einen Kessel, aber keine Festnahmen.

So sah das aus: Eindrucksvoller Protest in Aachen, Bismarckstraße.

Es ist schön, in einer Stadt zu leben, die Besuche von Neonazis nicht hinnimmt. Der Widerstand – mit den Barrikaden – war vom Feinsten. Bestimmt waren es am Ende rund um den Hauptbahnhof 8000 Menschen, darunter auch Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen.

Dieser Widerstand ist leider nötig. Gibt es ihn nicht, dann haben wir in Aachen bald Verhältnisse wie im Osten der Republik: Nazi-Aufmärsche am laufenden Band. Es ist beruhigend, dass die Gegendemos (8 waren angemeldet) viel größer waren als angekündigt.

***

Stellungnahme des Autonomen Zentrums Aachen zum Demonstrationstag, Samstag, 18. Januar, 2025. Wörtlich wird mitgeteilt:


Im Blick auf den vergangenen Demonstrationstag überwiegt die Dankbarkeit. Durch die letzten Tage und Wochen im Vorfeld der „WTF! – die Tuntenshow“ und auch des Naziaufmarsches, der unsere Besucher*innen gefährdete, hat uns eine Welle an Unterstützung und Zuspruch von vielen Seiten getragen – durch eine Zeit, die uns viel abverlangte. Das alles liegt hinter uns; wir haben diesen Angriff überstanden. Und auch, wenn wir uns sicher sind, dass der Nächste kommt:

Wir sind unglaublich froh und glücklich über die Solidarität, die wir vergangenen Samstag erfahren durften. Wir möchten uns bedanken für die vielen Tausenden Gegendemonstrant*innen, die sich den Faschist*innen in den Weg stellten und ein gewaltiges Zeichen setzten. Kaum eine Straße weit konnten die Rechtsextremist*innen ungestört laufen. Eine Stadt, die sich so geeint gegen Faschist*innen wehrt und vor allem auch unseren Besuchenden so mutig und entschlossen zur Seite steht ist eine, auf die wir stolz sind, und in der wir uns als Autonomes Zentrum nach dieser konkreten Bedrohung wieder wohl gefühlt haben.

Wir möchten uns auch für die vielen Menschen bedanken, die aus umliegenden Orten Solidarität mit uns gezeigt haben oder den Weg bis Aachen auf sich genommen haben, um uns sowohl auf der Straße als auch im AZ zu unterstützen, und auch denen Dank aussprechen, die Protestierenden warmes Essen und Getränke gereicht haben und alle zu jedem Zeitpunkt haben wissen lassen, dass sie niemals allein sind. Die Bilder der Aktionen gegen den Aufmarsch der Rechtsextremist*innen gehen derzeit um die Welt und machen nicht nur uns, sondern Menschen überall Mut.

Wir sind also wirklich unglaublich dankbar – und doch gibt es auch Dinge zu sagen, die wenig mit leichten Herzen, Dankbarkeit und Freude zu tun haben. Mehrere Dinge können zur selben Zeit wahr sein.

Denn die Freude und Leichtigkeit blieb uns im Hinblick auf die Berichterstattung teils verwehrt. Was wir und die Teilnehmenden der vielen Proteste gesehen haben, deckt sich nicht mit einer Berichterstattung in beispielsweise der Aachener Zeitung, die wir als spalterisch und unjournalistisch einordnen müssen. Wir alle sahen eine Stadt, die so geeint gegen Rechtsextremismus vorging, wie wir es uns kaum hätten erträumen können – die Proteste waren vielfältig. Das ist etwas, worauf man stolz sein kann, darf und auch sollte.

Leider lesen wir in der wichtigsten Zeitung der Stadt einen Bericht, der Protestierende und ihre Aktionsformen gegeneinander ausspielt. Man spricht von „zwei Gesichtern des Protests“, von „Störern“ und „Straftätern“, von „gewaltsamen Formen des Widerstands“. Die Zeitung übernimmt hier Aussagen der Polizei ohne Einordnung. Friedliche Formen des zivilen Ungehorsams so zu diffamieren ist nicht nur falsch, sondern stellt auch eine gefährliche Verschiebung des Diskurses nach rechts dar. Wir sprechen hier immerhin von Sitzblockaden und Gruppen, die im Angesicht von unverhältnismäßiger Polizeigewalt Protestlieder wie Bella Ciaogesungen haben. Die Gewalt ging am Samstag eindeutig von der Polizei aus, wie alle Anwesenden sehen konnten. Uns sind unzählige Protestierende bekannt, die mit Prellungen, Schmerzen und humpelnd nach Hause gingen, da Beamt*innen für ihren Protest auf sie einprügelten. Mindestens zwei Personen mussten im Krankenhaus behandelt werden; hunderte wurden für etwa sechs Stunden bei Minusgraden in einem Kessel festgesetzt. Diese Menschen haben nichts Falsches getan, indem sie sich Faschist*innen widersetzten.

Aber wir wissen, dass diese Menschen, die für unser aller Freiheiten und Rechte kämpfen, nie gern gesehen werden. Schon immer wurde Aktivist*innen vorgeworfen, sich zu heftig und zu laut zur Wehr gesetzt zu haben, und schon immer wurden diese Menschen durch Berichterstattung verteufelt, zum Feindbild aufgebläht und mit erhobenem Zeigefinger zu mehr Ruhe ermahnt. Schon immer wurden die Menschen, die ein gutes Leben für alle wollten, als Extremist*innen diffamiert und schon immer würde eben solche Berichterstattung die erkämpften Erfolge erst Jahre später würdigen und nie in Zusammenhang mit diesen Aktionen stellen. Auch Polizeigewalt und die fehlende kritische Einordnung von Presseaussagen der Polizei sind nichts neues. Wir sind deshalb nicht verwundert – und trotzdem enttäuscht.

Aber eben deshalb möchten wir einmal lauter sagen, schreien, singen: Wir sind heute stolz auf und dankbar für alle Gegendemonstrant*innen, ganz egal welches Mittel des Gegenprotests gewählt wurde – alle haben gemeinsam zu diesem Erfolg beigetragen und niemand war allein. Wir werden weiterhin daran glauben, dass wir gemeinsam und geeint Großes schaffen können und wir werden uns weiterhin nicht spalten lassen. Wir hoffen, dass wir alle viel Kraft aus den Aktionen, den Bildern und den Nachwirkungen des Wochenendes ziehen können.

Denn auch die Gefahren sind bei Weitem nicht gebannt. Wir rechnen mit weiteren Angriffen auf das Autonome Zentrum, vor allem aber auch auf Menschen in unserer Gesellschaft, die für rechte Akteur*innen Feindbilder darstellen. Nur Rechten nützt es also, wenn wir uns spalten lassen, statt weiterhin geeint, laut und entschieden gegen sie zu stehen. In diesem Sinne:

Alle zusammen gegen den Faschismus!

No pasarán! 
Vielen Dank!

Autonomes Zentrum Aachen, 21.01.2025.

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Karlspreis-Direktorium: Alle stimmten für Ursula von der Leyen

Auch 2025 wird es wieder eine Karlspreisverleihung in Aachen geben. Diese Info konnte man gestern den Nachrichten – quasi weltweit – entnehmen.

Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission, erhält 2025 den Aachener Karlspreis. Der Vorsitzende des Direktoriums der Karlspreis-Gesellschaft, Dr. Jürgen Linden, und Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen gaben das in Aachen bekannt. Der Karlspreis gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise.

„Die Entscheidung für Ursula von der Leyen fiel im Direktorium einstimmig aus“, teilte Jürgen Linden mit. „Für uns ist die Präsidentin der Europäischen Kommission das Gesicht Europas in der Welt. Sie ist die Kommunikationszentrale für alle politischen Herausforderungen und Probleme, die sich in Europa – und für Europa – gegenüber der Welt stellen“, betonte Linden. 

Die ausführliche Begründung für die hohe Ehrung liest man hier.

Wer gehört zum Direktorium und wählte Von der Leyen einstimmig?

Mehr Infos:  www.aachen.de/karlspreis und www.karlspreis.de

Europa-Fest am 29. Mai

Der Karlspreis wird auch in diesem Jahr traditionell am Himmelfahrtstag, 29. Mai, verliehen. Jürgen Linden versprach: „Wir werden aus der Preisverleihung einen starken Karlspreis machen, der die Impulse, die wir setzen wollen, auch nach außen erkennen lässt.“ Oberbürgermeisterin Keupen kündigte an, den Verleihungstag neben der offiziellen Zeremonie im Krönungssaal des Aachener Rathauses als Europa-Fest mit Aachener*innen und Gästen zu feiern: „offen, lebendig und vielfältig“. 

Zu den früheren Preisträgern gehörten unter anderen Konrad Adenauer (1954), der spanische König Juan Carlos I. (1982), Francois Mitterand und Helmut Kohl (1988), Václav Havel (1991), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008), Papst Franziskus (2016), der französische Staatspräsident Emmanuel Macron (2018) und UN-Generalsekretär António Guterres (2019). 

Liste der Preisträger

Am Rande sei vermerkt: Frauen werden extrem selten mit dem Karlspreis ausgezeichnet (z. Königin Beatrix oder Angela Merkel). Hier die Liste der bisherigen Preisträger. Über 95 Prozent Männer.

2022 wurden die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo mit dem Preis ausgezeichnet, 2023 der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk sowie 2024 Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschafften in Europa.

Im Zuge des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 reiste Ursula von der Leyen schon Anfang April 2022 zu Gesprächen mit Wolodymyr Selenskyj per Zug nach Kiew. Sie besuchte auch den Vorort Butscha, um sich ein Bild vom Massaker von Butscha zu machen. Sie sprach sich oft dafür aus, dass die Ukraine Mitglied der EU werden soll. Foto: AachenNews Archiv

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Einmal alles neu: Vor dem Stadttheater und drumherum

Das Theater in Aachen ist ein Bauwerk, das man gerne anschaut. Es ist ein klassizistischer Gebäudekomplex mit acht ionischen Säulen. Innen und am Dach ist vieles kaputt, manchmal regnet es rein. Doch der alte Kasten ist immer noch ein Schmuckstück und hat es verdient, in einem besseren Umfeld präsentiert zu werden. Deshalb wird ab Ende Januar mit Bauarbeiten begonnen.

Der Platz vor dem Stadttheater wird neu gestaltet. Es gab einen Wettbewerb (Sieger: Club L 94, Köln), es wurde jahrelang überlegt, geplant, und das Ergebnis soll nicht dem Rotstift zum Opfer fallen. Am Theater-Vorplatz mitsamt der neuen Verkehrsführung wird ab 27. Januar drei Jahre lang gearbeitet. 10 Millionen Euro soll alles kosten, etwa 80 Prozent davon zahlen Bund und Land.

Nach drei Jahren Bauzeit soll es dann so aussehen. Auffallend: die vielen Bäume und das Wasserbecken. Visualisierungen: club L94 Landschaftsarchitekten 

Die Umgestaltung des Theaterplatzes und seines Umfeldes sei „eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Aachens“, teilte die Fachverwaltung mit. Begonnen wird mit umfangreichen Leitungsbauarbeiten im Untergrund. In mehreren Phasen wandert die Baustelle dann um das Theater herum.

Das Pferd erinnert an Aachen als Turnierstadt und bleibt an seinem Platz.

Der neue Theaterplatz wird gewissermaßen eine Bühne für alle sein. Da gibt es zumindest in Frühling, Sommer und Herbst viel Platz für entspanntes, urbanes, öffentliches Leben. Die Themen Wasser und Grün spielen eine große Rolle. Wichtig für Geschäftsleute, Künstler und Anwohner: Das Theater bleibt während der Bauphase ebenso wie alle Parkhäuser, Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Praxen für alle Menschen gut erreichbar.

So wird es einmal auf der Theaterstraße in Nähe des Kunsttempels aussehen. Hoffentlich verzögern nicht wieder archäologischen Funde das ganze Projekt.

Zunächst wird unter der Erde gearbeitet (zwischen Theater und Borngasse). Dazu errichtet die Regionetz ein sog. Schachtbauwerk und wühlt sich dann durch die Kanäle, die auch noch erneuert werden, seitlich am Theater vorbei. Da unterirdisch gearbeitet wird und man nichts sieht, ist mit Beschwerden zu rechnen wegen „Stillstand auf der Baustelle“. Das kennt man ja schon.

Unter dem Platz wird es einen neuen Löschwassertank geben und natürlich überall neue Kanäle, Stromleitungen, Internet, Fernwärme, Anschlüsse usw., wovon man nichts sehen wird. Ganz im Gegensatz zu den 30 Bäumen, die gepflanzt werden.

Das Haus von Generalintendantin Elena Tzavara feiert dieses Jahr sein 200jähriges Bestehen. Die Bauarbeiten werden die Proben, die tagsüber stattfinden, beeinträchtigen. Doch die Freude über das neue Ambiente überwiegt.

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Drei Religionen teilen sich einen Gott und eine Kirche

Die denkmalgeschützte Kirche in der Mataréstraße ist nicht nur berühmt, weil sie nach den Plänen des Architekten Professor Rudolf Schwarz in den 60er Jahren erbaut wurde und die Künstlerin Maria Katzgrau die Fenster gestaltet hat. St. Bonifatius ist jetzt auch wegen seiner Nutzer etwas Besonderes. Die Kirche ist nämlich nicht, wie leider auf dieser Webseite falsch behauptet wurde, entwidmet. Sie ist durchaus immer noch ein heiliger Ort und bleibt es auch.

Koptische Christen verehren in St. Bonifatius ihre Ikonen. Foto: AachenNews Archiv

In der Kirche zelebrieren seit dem Sommer 2024 an Samstagen und Sonntagen hintereinander katholische Christen, koptisch-orthodoxe Christen und neuapostolische Christen ihre Messen. An Ostern wird das ein ganz schönes Gedränge, aber man konnte sich einigen.

Die koptisch-orthodoxen Christen sind in Aachen mit etwa 200 Familien vertreten. Die Neuapostolischen sind zur Mataréstraße gezogen, weil sie sich in der Eifelstraße ein neues Gotteshaus bauen, das alte wurde abgerissen. Und Katholiken waren ja schon immer in St. Bonifatius präsent, lange geführt von einem kunstsammelnden Geistlichen. Wenn es auch alles Christen sind, so sind es doch drei sehr unterschiedliche Religionen, und es ist außergewöhnlich, dass sie sich so gut verstehen.

„Na siehste, geht doch“, möchte man sagen. Und vielleicht helfen ja ihre Gebete, ihre Bitten um Frieden in der Welt, wer weiß.

Von außen und innen wie ein Kasten: die Kirche St. Bonifatius in der Mataréstraße. Sie steht unter Denkmalschutz.

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Riesenstreit bei Hallenfußball. Mehrere Streifenwagen vor Ort. Kleine Kinder verletzt.

Jede/r weiß, dass beim Fußball die Emotionen plötzlich hochkochen können. Und wie! Gestern, also Sonntag, ereignete sich aber ein Streit mit Seltenheitswert. Da kann man nur noch sagen: Das darf nicht wahr sein!

Die Polizei berichtet: Bei einem Gerangel zwischen Erwachsenen während eines Hallenfußballturniers (35. Hallenstadtmeisterschaft Stolberg) sind gestern (12. Januar etwa um 14.30 Uhr) zwei Kinder verletzt worden.

Nach derzeitigen Erkenntnissen ist es im Rahmen eines Fußballspiels zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Spielern gekommen. Das Gerangel verlagerte sich vom Spielfeld auf die Tribüne, wo mehrere Personen darin involviert wurden. Durch das Gerangel wurden zwei Kinder (7 Jahre und 5 Jahre) leicht verletzt. Sie konnten nach erster medizinischer Begutachtung vor Ort in die Obhut ihrer Erziehungsberechtigten gegeben werden.

Die Polizei (hat ja auch sonst nichts zu tun) musste am Sonntag bei einem Hallenfußballspiel Streitende zur Räson bringen. Foto: AachenNews Archiv

Zur Schlichtung der Situation waren mehrere Streifenwagen vor Ort. Die Beamten fertigten eine Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Die Ermittlungen zu den genauen Umständen hat nun die Kriminalpolizei übernommen. (kg)

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Manheim: Wäldchen wird ab heute gerodet

Die anstehende, irrsinnige Rodung des ganzen Manheimer Wäldchens im Rhein-Erft-Kreis (Tagebau Hambach) hat Umweltschützer auf den Plan gerufen. Zumal die ganze Rodung durchgeführt wird, bloß um an Sand und Kies ranzukommen. Eine ziemliche Sauerrei, wenn man ehrlich ist. Vorgeschriebene Artenschutzmaßnahmen wurden – laut BUND – nicht umgesetzt. Sowas nennt man wohl „Naturfrevel“, ein Wort, das übrigens nicht bei Wikipedia erklärt wird.

Genau am heutige Montag, 13. Januar, soll die Rodung beginnen. Der BUND hatte im Vorfeld zu einer Protestaktion aufgerufen. Hier mehr Infos. Auch Mitglieder des Aachener Baumschutzbund wenden sich gegen die Naturzerstörung.

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