Wahlkampf ist Kampf, das muss man merken

Wenn man Interviews liest, die Piraten den Journalisten geben, dann fällt immer wieder auf: Es finden sich in den Piraten-Antworten viele Allgemeinplätze und Phrasen. Sachen, die sowieso schon jeder weiß. Langweilige Beschreibungen von Selbstverständlichkeiten. Dabei will der Leser vom Pirat immer nur wissen: Was kannst du für mich tun? Warum soll ich dich wählen?

Typisches Beispiel: “Wir müssen es hinkriegen, die politisch interessierten und aktiven Menschen in XY auf unsere Seite zu ziehen”, sagt der Pirat. Ja, ich meine, das ist doch selbstverständlich, so was braucht man doch nicht noch mal zu sagen. Lieber gleich (zum Beispiel) sagen: Wir werden den Menschen erklären, wie sie heimlich von ihrem Arbeitgeber überwacht werden.
Peng, ein Schlag, der Leser reibt sich die Augen. Wie denn, wo denn? Der Leser ist betroffen und interessiert, liest weiter.

Noch ein Beispiel: “Parteien bestimmen unser Leben, unser politisches System ist auf Parteien ausgerichtet. Sie bestimmen unser Handeln und die Voraussetzungen, in denen wir leben” usw. blablabla. Warum erzählt der Pirat mir, was Parteien sind, verdammt?
Piraten fangen immer an, so selbstverständliche Sachen zu erklären. Seipenbusch erklärte mal lang und breit bei einer Diskussion auf Phönix, dass Google ein amerikanisches Unternehmen ist. (Es ging um Streetview).

Piraten müssen konkret sein, direkt sein, wenn es darum geht, wie man Wähler gewinnen will. Und darum geht es immer bei den ganzen Fragen vor Wahlen. Beispielsweise sagen: Musik, die man sich runterlädt, muss legal und kostenlos sein. Senioren, die ins Netz wollen, sollen kostenlose Kurse bekommen, und zwar alle.

Noch ein Beispiel für Laberlaberlaber gähn: “Ich halte es gerade für die Bürger, die ein konkretes Anliegen haben, für sinnvoll zu gucken, wo es Schnittstellen mit der Piratenpartei gibt”, sagt der Pirat. Zapperlot, ich soll nach Schnittstellen gucken? Völliges Wischiwaschi. Sag mir doch, Pirat, was du für mich tun kannst? Vielleicht interessiere ich mich dann für dich. Sag: Wir sorgen dafür, dass auch in ländlichen Gebieten schnelles Internet hin kommt. Aber erzähl mir nicht, dass ich Schnitte und Stellen suchen soll.

Nächstes Beispiel für Blabla: “Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der Parteienlandschaft ist das Thema Transparenz und zwar auf allen Ebenen, sowohl organisatorisch als auch im politischen Forderungskatalog”, sagt der Pirat. Was für’n Merkmal im Katalog? Sag doch lieber gleich: Bei uns können alle Mitglieder den Parteivorsitzenden mitwählen. Wir kungeln nicht, alles ist im Netz zu sehen.

Kurze Sätze, die wie Hiebe sind, die bleiben hängen, die fesseln das Interesse. Konkret sagen: Beim Wassertisch wird gekungelt, das wollen wir alles an die Öffentlichkeit zerren.

Weiteres Beispiel: ”Den grünen Höhenflug müssen wir sicherlich ernst nehmen.” Muss man das denn nun sagen? Ist das nicht sowieso klar? Wenn man nach der politischen Konkurrenz gefragt wird, muss man gleich die Mängel der Konkurrenten beschreiben, und gerne auch ein bisschen krass. Damit der Leser es auch mitbekommt, wenn er/sie die Zeitung noch halb schlafend am Frühstückstisch liest.

Weitere Beispiele: Bei der FDP “wird auch viel 1:1 bei den Piraten abgeguckt, das finden wir immer wieder”, sagt der Pirat. Dann lieber gleich einen Punkt nennen, den die FDP abgekupfert hat, wenn man schon nach der FDP gefragt wird. Druff, druff, auf sie mit Gebrüll. Nicht so zaghaft.

So, wie einige Piraten jetzt den Beckedahl in die Pfanne hauen, so lieber im Wahlkampf auf die anderen Parteien draufhauen. Es heißt nicht umsonst WahlKAMPF. Die haben uns doch lange genug geärgert mit ihrem Widerwillen, sich mit dem Internet zu beschäftigen.

Auch so schwurbelige Formulierungen wie diese sollte man vermeiden: “Wir müssen es schaffen, über unsere Themen ein Thema zu werden – und darüber wiederum Themen zu setzen.” Häää? Denkt der Leser. Dann nenn mir doch mal EIN Thema. Weiter geht es mit “…Themen über Twitter nach außen kommunizieren….”. Wie kann man nur so reden?
Die Piraten wollen doch eine treibende Kraft sein. Aber treibende Kräfte reden anders.
Wie gesagt: Das ist alles nur beispielhaft, auch die Interviews im NRW-Wahlkampf waren mehr Krampf als Kampf. Wirklich. Ich denke mit Schrecken daran.

Aber es muss auch gesagt werden, dass Piraten neu sind auf der politischen Bühne. Sooo schnell wird man nicht zum knackigen Interviewpartner, wo das Interview auch mal von online in die Printausgabe wandert. Ich möchte meine Kritik konstruktiv verstanden wissen. Nutzt jede Gelegenheit, mit der Presse zu sprechen. Aus Fehlern können wir nur alle lernen.

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Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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Eine Antwort zu Wahlkampf ist Kampf, das muss man merken

  1. kungler schreibt:

    /sign

    Aber sowas von!

    Gefällt mir

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