Bei der re:publica

Was schrecklich startete, wurde am Ende doch noch gut: die re:publica in Berlin.
Der Eröffnungsvortrag in einem großen Theaterssaal wurde gut besucht, aber schlecht vorgetragen. Es ging um “Design Thinking”, und der Redner hatte keine Freude am Sprechen vor einem so großen Publikum, nur Stress. Dann wollte ich zu etwas mit “Open Government“, aber drei Säle waren so voll, dass ich nichts sehen, nichts hören konnte und frustriert abzog.
Wenn das so weitergeht . . . Aber so gegen 15 Uhr geriet ich zufällig in den Vortrag von Jürgen Ertelt, dessen Tweets mir immer wieder positiv auffallen. Und der Vortrag war gut. Ertelt sprach zur Medienkompetenz. Neues gab es nicht, aber man erhielt eine gute Zusammenfassung, einen Überbick, zum Thema. Und ich dachte, na ja.
“Blogs in Deutschland” wurden behandelt, wo mir klar wurde, dass die Blogger sich viel zu sehr an den Printmedien orientieren. Und Tim Pritlove sprach spannend über “Podcasts und Radio als Werkzeuge der Öffentlichkeit”. Doch diesen und die anderen Vorträge besuchte ich nur, weil sie in sehr großen Sälen stattfanden und ich nicht eingequetscht stehen musste.
Und klar: Sascha Lobos Vortrag über “jüngste Erkenntnisse der Trollforschung” war am Anfang sehr gut. Er meinte, er wird ständig vom Fernsehen angerufen für Interviews und Talkshows, nicht weil er so gut ist, sondern weil wir anderen netzaffinen Leute so blöd sind und uns dämlich anstellen, dass wir nie angerufen werden. Das meinte er ernst und beschimpfte das Publikum auf’s Feinste.
Dieses war der erste Tag, es folgten noch zwei weitere. Das absolut Allerbeste: Günter Dueck, “Das Internet als Gesellschaftssystem”. Alle Vorträge gibt es auch bei youtube.
Es war auch schön, die Leute, denen man im Netz hinterherläuft, mal lebendig vor sich zu sehen. Philipp Banse zum Beispiel und Mario Sixtus, Markus Beckedahl und Jakob Augstein (ein Bild seines Vaters hängt in meinem Arbeitszimmer). Constanze Kurz stellte, zahm und unkritisch befragt, ihr neues, umstrittenes Buch vor. Und Alvar Freude und seine Freunde berichteten tolle Geschichten vom Widerstand gegen Stuttgart 21. Lorenz Lorenz-Meyer (auch nur aufgesucht, weil da noch Platz war), war eine Offenbarung. Nie werde ich vergessen, wie er schilderte, wie sich die Menschen in China gegen die staatliche Kontrolle wehren und sich informieren.
Also, ich nenne hier nur die Vorträge, die ich besucht habe. Eingeschlagen wie eine Bombe hatte ein neu gegründeter Verein “Digitale Gesellschaft”, von dem aber noch nicht klar ist, wer dahintersteckt außer Markus Beckedahl und was die wollen und ob sich dahinter nicht Grüne verbergen. Falk Lüke macht wohl mit und hatte nichts Besseres zu tun, als auf Kritik am Verein (wegen Intransparenz und Arroganz) eine fiese, wirklich fiese Beleidigung gegen Jörg Tauss vom Stapel zu lassen. Sehr unsympathisch. Sehr. Insofern warte ich jetzt mal auf weitere Aktivitäten dieser Digiges, bisher war es noch nicht so überzeugend.
Gewohnt habe ich in Mitte in einem sehr guten Viertel in einer viel zu kleinen Wohnung. Demnächst werde ich wieder in Wedding wohnen. Dort ist es zwar nicht vornehm, aber die Wohnungen, die man für eine Woche mieten kann, sind viel preiswerter und größer.
Bevor es überhaupt losging mit der re:publica konnte ich noch an einer tollen Führung durch den Reichtag mit Jörg Tauss und vier anderen teilnehmen. Ich habe viele Fotos gemacht und werde die bald mal auf Flickr hochladen.

Über AachenNews

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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