Das möchte man einfach mal wissen

Als ich mal die ein oder andere Diskussionsveranstaltung besuchte, stellte sich heraus, dass eigentlich kein Menschen genau weiß, wie es den Jugendlichen im Netz ergeht. Und was sie über Internet-Kompetenz denken. Da dachte ich, ich frag mal einen Jugendlichen.

So. Dann habe ich einen 17-Jährigen gefragt:
1. Wie schätzt du die Internet-Kompetenz deiner Lehrer ein?
Er sagte „mangelhaft“, und zwar die aller Lehrer an seinem Gymnasium in einer Stadt in Nordrhein-Westfalen. Sogar die Internet-Kompetenz seines Informatiklehrers sei mangelhaft. Der kommuniziere zwar mit Schülern über facebook, das mache die Sache aber nicht besser.

Die nächste Frage war: 2. Wie schätzt du die Internet-Kompetenz deiner Jahrgangsstufe ein?
In seiner Jahrgangsstufe seien über 100 Leute, sagte er. Und der Großteil „liest nicht mehr als einmal im Monat seine Mails“. Er nimmt an, dass seine Schule keine Ausnahme ist.
Ja, das fand ich sehr verwunderlich, aber ich gebe es hier mal so wieder, wie es mir gesagt wurde. Dazu müsste man eigentlich noch sagen, was mit Internet-Kompetenz gemeint ist. Früher bedeutete es, wie Sixtus sagt, „dass man weiß, dass die Bildzeitung lügt“. Heute weiß keiner mehr, was es eigentlich heißt. Trotzdem verwenden wir das Wort ohne Unterlass. So auch hier.
Die nächste Frage lautete: 3. Gibt es an deiner Schule ältere Schüler, die organisiert jüngeren Schülern helfen beim Umgang mit dem Internet?
Nein, sagte er. Und er sei auch nicht daran interessiert, so etwas an seiner Schule ins Leben zu rufen. Er halte die Leute für inkompetent und nicht interessiert an so etwas wie Kompetenz im Internet (hier im Sinne von Lebenskompetenz) zu gewinnen. Sie seien nur an facebook und chatten und schueler.cc interessiert.
Die nächste Frage 4. Falls ja, wer organisiert das? Die Schüler selbst? Die Lehrer? Die Eltern?
Die entfällt. Und deshalb hier Frage Nummer 5. Wie schätzt du die Ausstattung an deiner Schule ein (Rechner, Netzzugang, W-Lan) , mit der ihr ins Internet gelangen könnt?
Ja, es gebe Computerräume, so war zu erfahren. Aber software-technisch „ist es der absolute Müll“. Standart-Browser sei Windows 7.

Weiter ging es mit 6. Interessieren dich die Diskussionen um Jugendschutz im Internet? Antwort habe ich mal wörtlich mitgeschrieben: „Ja, aber sie machen mich aggressiv. Die Leute, die darüber sprechen scheinen keine Ahnung zu haben, worüber sie sprechen. Und sie scheinen, besonders Politiker, selber nie jung gewesen zu sein“.
Also das kann ich verstehen. Mich machen auch die Diskussionen über Jugendschutz im Internet aggressiv. Zumal sie nie mit Jugendlichen geführt werden. Sondern immer mit so schnieken Typen, die ihr ganzes bisherigen Leben damit verbracht haben, eine Politik-Karriere aufzubauen. Die haben in ihrem Leben nicht drei Stunden mit einem Teenager geredet. So sehen die aus. Echt wahr. Achtet mal drauf.
Einmal konnte man beim Politcamp in Bonn drei 17-Jährige befragen. Zu hören war, dass die Situation in den Schulen eine einzige Katastrophe ist und das Internet, wenn überhaupt vorhanden, dann zensiert ist.

Frage 7. Ist in deiner Schule der Zugang zum Internet zensiert?
Ja, lautete die Antwort auch in diesem Fall. Ich wurde darüber informiert, dass es ein Programm mit dem Namen „time for kids“ gibt. Da können die Schulen noch zusätzlich bestimmte Seiten unzugänglich machen. Und darüber sei, so sagte er, zum Beispiel die Piratenpartei nicht zu erreichen.
Daraufhin haben wir uns verschiedene Kinder- und Jugendlichen Seiten angesehen, eine lächerlicher als die andere, da müssen sich ja schon aufgeweckte 12-Jährige voll verarscht vorkommen.

Nächste Frage: 8. Gibt es etwas, wovor Kinder und Jugendliche im Internet geschützt werden sollen? Wenn ja, wovor? Und wie könnte das geschehen? Und Frage 9. Jetzt nur mit ja oder nein antworten: Gibt es etwas, was du im Internet gesehen hast, wovon du denkst, dass du das lieber nicht gesehen hättest? Die Antwort beide Male ein klares „Nein“.

Die Antwort auf die letzte Frage ist. „Die Idee finde ich nicht gut.“. 10. Was hältst du von der sozialdemokratischen Idee, dass Jugendliche einen “Internet-Führerschein” machen sollen? Er meinte: Dieser Internet-Führerschein werde ja dann doch wieder von Leuten gemacht, die selbst keine Ahnung hätten und nicht wirklich wissen, wovon die Rede ist.

Resümee: Diese nicht repräsentative Befragung ernüchtert. Ich schlage vor, dass man die Lehrer ganz vergisst und jede Schule die Jugendlichen arbeiten lässt. Völlig frei sollen die, die wirklich an den Möglichkeiten, Irrtümern, Wissens-Ozeanen und Menschen im Netz interessiert sind, eine AG gründen. Zu welchem Zweck und Ziel sollen sie selbst bestimmen. Und natürlich sollen sie sich frei im Netz bewegen dürfen.
Da käme bestimmt was Tolles raus.

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Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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