Mal was Historisches: Ein Text aus Januar 2008

http://www.aachener-zeitung.de/blogs/serendipity/index.php?/archives/711-Die-Rueckriem-Stadt.html

Ein Künstler, dessen Arbeiten ich schon lange bewundere, ist Ulrich Rückriem. Eine Arbeit von ihm ist hier: schloss dyck Ulrich Rückriem ist ein weltberühmter Bildhauer, wahrscheinlich der beste lebende deutsche Bildhauer.

 

Er lässt Steine spalten, schneiden, schleifen, polieren und . . . setzt sie dann wieder in der ursprünglichen Form, wie er sie im Steinbruch vorgefunden hat, zusammen. Wichtig bei diesen Kunstwerken ist der gesamte Raum, in dem sie stehen. Wichtig ist nicht der Block für sich allein.

Zehn Rückriem-Stelen vier Meter hoch, gibt es in Düren. Sehenswert.
„Ja, dieses Genie . . .“ sagt der liebe M. aus I., der ein Kunstbanause ist und alles, was nach 1920 an Kunst entstanden ist, für Schund hält, einschließlich übrigens Picasso.

Rückriems Arbeiten sind unvorstellbar teuer, sage ich, weil Sachen, die viel kosten das schlichte Gemüt vom lieben M. aus I. meist beeindrucken. In diesem Fall: Fehlanzeige. „Dass sie in vier geteilt sind, zeigt, dass in allen vier Himmelsrichtungen das Leben hart ist“, interpretiert und lästert das Freundchen. „Unten ist Afrika, die tragen die gesamte Last“ , sagt er. „Oben, wo es am schönsten ist, da ist der Katschhof.“

Ich bin ein geduldiger Mensch und gebe nicht schnell auf, wenn es um gute Kunst geht. „Dieses Kunst-Objeckt heisst: Frankensteins Steine“, wagt M. aus I. ein Wortspiel. Ich zeige ihm weitere Fotos.

Rueckriem

Ulrich Rückriem wurde VOR dem berühmten Peter Eisenman gefragt, ob er das Holocaust-Denkmal in Berlin machen will. Rückriem hat abgelehnt. Ich versuche durch Anekdoten Interesse zu wecken.

„Mann, das als Kunst, das kaufen nur Deppen“, wendet er ein und das Gespräch gewinnt auch danach nicht an Tiefe. Rückriem war 1978 bei der Bienale in Venedig, vier mal nahm er an einer documenta in Kassel teil. Dieser Mann ist in der Kunst unserer Zeit EIN WELTMEISTER, den Rückriem meine ich.

“ Ja . . . toll, nicht in meiner Welt. . . “ schallt es mir entgegen. Okay, sage ich, ein letztes Bild, dann höre ich auf. Vor der Neuen Nationalgalerie Berlin steht diese Arbeit:

Granit gespalten

M. aus I. fühlt sich jetzt angeblich „intellektuell unterfordert“. Ich frage ihn: Sind die, die das vor die Nationalgalerie in Berlin stellen, denn alle bekloppt???

Ich finde, ob eine Stadt sich ein Hakenkreuz aus Stacheldraht (wie Stolberg am Museum Zinkhütterhof), eine Pferdchengruppe (wie Aachen am Bahnhof) oder Stelen von Ulrich Rückriem aufstellt, das macht einen Unterschied. Was meinst du?

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Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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