Alte Villen, neue Freundschaften

Sollen Freundschaft symbolisieren: Zwei Flaggen, die deutsche und die polnische, in einem Sticker.

Sollen Freundschaft symbolisieren: Zwei Flaggen, die deutsche und die polnische, in einem Sticker.

Der Ort Schreiberhau hat eine großartige Geschichte. Er gehörte einst zu Deutschland, jetzt gehört er zu Polen und heißt Szklarska Poręba

In diesem Schreiberhau im Hotel Krysztal war jüngst eine Gruppe zu Gast, die sich zusammensetzte aus Kommunalpolitikern der Städteregion Aachen, aus Mitgliedern der Verwaltung der Städteregion Aachen, aus einer Lehrerin und vier Schülerinnen und Schülern aus Sittard (NL), einer Kulturdezernentin aus Bamberg und einem für Europafragen Zuständigen aus dem Saarland.

Eine bunte Mischung also, wo man als Neuling (ich) zunächst Mühe hat, den Durchblick zu bekommen. Wer gehört wo hin, und warum ist dieser oder jener eigentlich dabei? Alle Beteiligten wollten und wollen dasselbe: freundschaftliche Verbindungen offizieller, also mehr als privater Art, zu Menschen in Polen ausbauen und diese pflegen, sofern sie schon bestehen. Und gerne auch noch freundschaftliche Beziehungen zu den Leuten, zu denen die Polen ihrerseits schon Freundschaften pflegen. 

Ja, Krieg, Streit und Feindschaft, die lassen sich leicht herstellen. . . . wie man sehen kann. Zerstritten ist man schnell, wenn man es darauf anlegt. Ein paar Provokationen, ein paar fiese Gemeinheiten  ein paar Grenzüberschreitungen und Niederträchtigkeiten, das ist gar keine Kunst (wie man bei der Piratenpartei sieht).  Aber Freundschaft schließen, Vertrauen aufbauen, zusammen arbeiten? Das ist unendlich schwieriger. Und genau diese schwierige Aufgabe haben in Deutschland und in Polen einige „Partnerstädte“ in Angriff genommen. Ich kann nur sagen: Das unterstütze ich.

 
Im Konferenzsaal des Hotels in Schreiberhau. Unter den Teilnehmern: Hans-Jürgen Fink von der Fraktion Piraten/UFW

Im Konferenzsaal des Hotels in Schreiberhau. Unter den Teilnehmern: Hans-Jürgen Fink (Mitte, links) von der Fraktion Piraten/UFW

So gehörte ich zu der Delegation, die jüngst in die Region Jelenia Gora in Polen aufbrach – als Pirat mit Vertretern von CDU und SPD, Grünen, FDP, und einer von Die Linke war auch dabei. Nicht zu vergessen mein „Koalitionspartner“ von der UFW,  Hans-Jürgen Fink, der mit seinen Leuten eine Koalition mit der Piratenpartei gebildet hat. Die Region Jelenia Gora ist seit bald 25 Jahren Partnerkreis vom Kreis Aachen, der jetzigen Städteregion. 

Die polnischen Gastgeber zogen während des Besuchs alle Register und wollten uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich machen. Auch wenn es Sprachprobleme  gibt, so war allein schon daran zu erkennen, dass sie uns sehr schätzen und gern mit uns befreundet sein möchten. Wir, von deutscher Seite,

Ein Baum im Bus. Er wurde quer durch Deutschland von Aachen nach Jelenia Gora chauffiert.

Ein Baum im Bus. Er wurde quer durch Deutschland von Aachen nach Jelenia Gora chauffiert.

sparten nicht mit Gesten, die Freundlichkeit symbolisieren. So war im Bus von Aachen aus ein Baum mitgereist, fast drei Meter hoch, den die Polen zum Einpflanzen als Geschenk erhielten. Außerdem hat man es zusammen geschafft, sich gemeinsam an einem EU-GreKo-Projekt zu beteiligen. Ein hartes Stück Arbeit, wo eigens ein Mitarbeiter der Städteregion eine Weile im polnischen Partnerkreis gearbeitet hat, um die nötigen Unterlagen für Brüssel zusammen zu bekommen. 

Mehr über die Tour schreibe ich unten in einem weiteren Text:

 

Reise: Städteregion Aachen – Jelenia Gora

Zu meinem großen Glück wurde ich nach der Kommunalwahl Mitglied des Partnerschaftsbeirates der Städteregion Aachen. Bisher habe ich 1. an einer Sitzung dieses Beirats teilgenommen, 2. an einer Konferenz in Düsseldorf zum Thema „Städtepartnerschaften“ und 3. an einer Partnerschaftsreise nach Jelenia Gora (Hirschberg) in Polen. Diese Arbeit im Partnerschaftsbeirat ist nur etwas für Menschen, denen eine gewisse Internationalität anhaftet und die damit umgehen können. Und: Wen es zum Beispiel wütend macht, dass im heute polnischen Schlesien wunderschöne alte Villen, Grundbesitz und vieles mehr den ursprünglichen Eigentümern weggenommen wurden, der ist bei so einem Partnerschaftsbeirat fehl am Platze.

Das lokale Fernsehen interessiert sich für die Ansichten von Städteregionsrat Helmut Etschenberg (r.).

Das lokale Fernsehen interessiert sich für die Ansichten von Städteregionsrat Helmut Etschenberg (r.).

Weil genau diejenigen Partnerschaften von Brüssel gefördert werden, die sich als Ringpartnerschaften aufstellen, trafen sich im Kreis Jelenia Gora, im Städtchen Schreiberhau, das heute Szklarska Poreba heißt, Menschen aus vier Nationen: Niederländer, Deutsche, Polen, Tschechen. Wir absolvierten ein straffes Programm, zu dem auch eine kleine Konferenz gehörte. Der erste Teil davon fand im Hotel statt, der zweite Teil auf 1363 Meter Höhe in einer Unterkunft. Dort kam man sich vor wie im Hochgebirge.

Los ging die Fahrt (Freitag) für fünf Niederländer aus Sittard und uns Deutsche aus der Städteregion Aachen um 6 Uhr morgens in Aachen. Ankunft nach 13 Stunden. Die deutsch-niederländische Delegation wurde sozusagen angeführt vom Chef der Verwaltung der Städteregion, Regionsrat Helmut Etschenberg. Außerdem dabei: die anderen leitenden Herren der Verwaltung, die Fraktionsvorsitzenden und eben die Mitglieder des Beirates. Man kann sagen, die Reise war personell prominent besetzt. Daraus kann für jeden ersichtlich werden, wie viel Bedeutung die Städteregion der Freundschaft mit Jelenia Gora beimisst.

Am ersten Abend gab es gleich ein sehr festliches Abendessen im 4-Sterne-Hotel, an dem wohl 50 Personen teilnahmen. Mit dabei jetzt der polnische Landrat, Jacek Wlodyga, und die Damen und Herren, die in dieser polnischen Kreisverwaltung die leitenden Posten inne haben. Ich wurde als Mitglied der Piratenpartei vorgestellt. Und fragte im Laufe des Essens das mir gegenübersitzende Paar. „Have you ever heard about the pirate-party?“ – Die Antwort mit verlegenem Lächeln: „Not yet.“ Das gab mir die Gelegenheit, die „Bürgerrechtspartei mit Schwerpunkt Internet“ ein wenig vorzustellen.

Samstag wurden ab 10 Uhr die Zusammenarbeit der beiden Kreise, die Vergangenheit, die Ziele und Instrumente von verschiedenen Referenten vorgestellt. Das lokale Fernsehen rückte an und interviewte unter anderem Helmut Etschenberg. Übersetzt wurden seine Worte von der Mitarbeiterin der Verwaltung der Städteregion, Monika Lulinski, die Polnisch spricht.

Keramik-Produktion in großem Stil und weitgehend vollautomatisch wurde besichtigt als ein Beispiel europäischer Zusammenarbeit von Unternehmen.

Keramik-Produktion in großem Stil und weitgehend vollautomatisch wurde besichtigt als ein Beispiel europäischer Zusammenarbeit von Unternehmen.

Danach ging es zur Besichtigung der Firma Polcolorit S.A., die ein Beispiel für die europäische Zusammenarbeit von Unternehmen darstellt. Es ist ein italienisches Keramikunternehmen, die Produktion von Kacheln in großem Stil

Große Maschinen haben etwas Faszinierendes.

Große Maschinen haben etwas Faszinierendes.

hat mich sehr beeindruckt. Es gab kein Fotografierverbot, wie ich es oft in großen, deutschen Firmen erlebt habe, und ich machte viele Fotos von imposanten Maschinen.

Danach gab’s eine Wanderung, kilometerweit durch einen finsteren Wald und einen steilen Berg hinauf, in strömendem Regen über knubbelige, rutschige Steine. Und dann – höchstlich erschöpft – gab es in einer kreisrunden Unterkunft aus Holz ein tolles, rustikales Essen. Schließlich passierte etwas Schreckliches: Alle fingen an zu singen und zwar „Oh wie schön ist es am deutschen Rhein“ oder so ähnlich. Etwas peinlich fand ich das, eine Niederländerin war der gleichen Ansicht. Na gut. Danach gab’s noch

 

gora_7782

Infos zu dem Unternehmen, das wir in Piechowice besichtigt haben, gibt es unter www.polcolorit.pl

flotte Musik und schönes Tanzen.

Sonntag mussten mittels Sesselbahnfahrt enorme Höhen erreicht werden. Ich blickte von meinem Stühlchen frei schwebend in einen Abgrund der Extraklasse . . . Es ging nahezu steil senkrecht hoch. Und später wieder runter. Oben gab es in einer Hütte, wie man sie in Davos nicht schöner findet, den zweiten Teil der Konferenz. Davon ist mir in Erinnerung, dass man demnächst Journalisten zur Mitreise einladen will. Eine gute Idee, schließlich soll die Kunde von einer funktionierenden Partnerschaft möglichst verbreitet werden.

Jelenia Gora ist ein Landkreis, der im Dreiländereck Deutschland/Polen/Tschechien liegt. Der Tourismus spielt, wie bei uns in der Eifel, eine große Rolle. Außerdem liegt der Kreis am Rande eines Nationalparks.  So besichtigte die Gruppe das „Centrum Ökologische Edukation“ und informierte sich über die Arbeit im Nationalpark und die Arbeit der Nationalparkranger. Kurios: Auch die Polen schlagen sich mit der Fichte als Fremdkörper im Wald herum, der auch dort eigentlich gar nicht in die Gegend gehört.

Abends gab es ein grandioses festliches Essen im Palac Pakoszow (Schloss Wernersdorf) mit einem tollen Konzert in einem prächtigen Barocksaal. Das Schloss war eigentlich ein barocker Landsitz, einst Wohn- und Produktionsstätte (vorindustrielle hochwertige Leinenherstellung). Ein Wahnsinn. Von den Nachkommen seiner ursprünglichen Eigentümer  (vermutlich mit Geldern der öffentlichen Hand, Brüssel ?) zurückgekauft, wurde es aufwendig restauriert. Errichtet wurde es 1725, heute ist es ein Hotel mit Restaurant. (Tipp: Man kann dort in einem Doppelzimmer für 80 Euro die Nacht wohnen. Das Frühstück kostet 9,50 Euro, ein Drei-Gang-Menü als Abendessen kostet 25 Euro pro Person. Genaue Anschrift und Tel.-Nummer gebe ich gerne raus.)

In einer Hochglanz-Broschüre steht dazu: „Von 1725 bis 1945 befand sich Wernersdorf im Familienbesitz. Die Enkelin von Johann Martin Gottfried heiratete den Kaufmann Heinrich Hess, daher auch der Name „Hessische Bleiche“, Bielarnia Hessin. Der jüngste Enkel der letzten Bewohnerin, Margarethe Dress, geb. Heß, Dr. Hagen Georg Hartmann, konnte dank der europäischen Integration 2005 den alten Familienbesitz zurückerwerben und seiner jetzigen Bestimmung zuführen.“

Am Montag ging es früh los, Rückfahrt ab 7.30 Uhr. Nach 12 Stunden waren wir wieder in Aachen am Haus der Städteregion.

Resümee: Die Region Jelenia Gora ist eine Reise wert. Die Menschen dort haben für uns alle Register gezogen, was man nur macht für Menschen, die einem wirklich etwas bedeuten. Man hat ein gutes Gefühl, wenn man nach Polen ausdrücklich in friedlicher Mission fährt. Städte- und Kreispartnerschaften lebendig zu halten, das ist manchmal mühsam, aber es ist eine von mehreren Sachen, die dem Leben einen Sinn geben.

 
Außerordentlich viele große, alte  Villen gibt es in Schreiberhau. Produktionsstätten gibt es nicht darin, wohl aber viele wunderbare Erker.

Außerordentlich viele große, alte Villen gibt es in Schreiberhau. Produktionsstätten gibt es nicht darin, wohl aber viele wunderbare Erker.

Hier einige Fotos von prächtigen Häusern aus Schreiberhau. Die Vielzahl ist auffallend. Bisher habe ich noch nicht herausgefunden, wer sie erbaut hat, wer darin gewohnt hat, warum sie so prächtig sind und was genau drin stattgefunden hat.

Update: Die Sache mit den Villen hat sich geklärt. Danke Benno. Weitere Infos sind erwünscht.
Wer weiß etwas über die Villen von Schreiberhau? Die kleine Stadt hat heute einen polnischen Namen, Szklarska Poreba.

Wer weiß etwas über die Villen von Schreiberhau? Die kleine Stadt hat heute einen polnischen Namen, Szklarska Poreba.

Jede Villa ist anders, aber vom Typ her scheinen sie alle gleich zu sein.

Jede Villa ist anders, aber vom Typ her scheinen sie alle gleich zu sein.

gora_haus_7815

Manche dieser Häuser sind saniert, andere noch in einem beklagenswerten Zustand und trotzdem schön. Die sollen aber auch Zug um Zug renoviert werden.

Manche dieser Häuser sind saniert, andere noch in einem beklagenswerten Zustand und trotzdem schön. Die sollen aber auch Zug um Zug renoviert werden.

Wer etwas über diese Häuser weiß, kann gern unter margret.vallot@piraten-ufw.de zu mir Kontakt aufnehmen.

Wer etwas über diese Häuser weiß, kann gern unter margret.vallot@piraten-ufw.de zu mir Kontakt aufnehmen.

 
———–

Über AachenNews

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.