Eifeldörfer: Das dürfen oder müssen wir uns leisten?

In Monschau und seinen   Dörfern gibt es quirliges Leben, doch damit das Leben insbesondere nicht aus den Eifeldörfern weicht, muss investiert werden. Wie viel können wir uns da noch leisten?

In Monschau und seinen Dörfern gibt es quirliges Leben, doch damit das Leben insbesondere nicht aus den Eifeldörfern weicht, muss investiert werden. Wie viel können wir uns da noch leisten? Foto: Archiv

Es gibt Menschen in den ländlichen Regionen des Rheinlands, die sind fest davon überzeugt, dass die NRW-Landesregierung den Dörfern in der Eifel nicht wohlgesonnen ist. Mehrfach wurde erzählt, dass man in Düsseldorf plant, die Städte finanziell zu unterstützen, die Dörfer (unter 2000 Einwohner) aber nicht mehr.

Klar, die Menschen ziehen verstärkt in die Städte. Da lebt es sich bequem mit dem Ärztehaus, der Apotheke, dem Metzger und dem Bäcker in der Nähe, mit allen Geschäften, Buchhandlungen, Frisiersalons und was auch immer direkt um die Ecke. In manchen Dörfern bleiben nur die Alten, die sich keine Wohnung in der Stadt leisten können. Etliche Dörfer in der Voreifel haben keinen einzigen Lebensmittelladen, keine Kneipe mehr, nichts, es rechnet sich nicht. Die ärztliche Versorgung wird immer schlechter, der ÖPNV ebenfalls. Und schnelles Internet gibt es schon gar nicht. Viele Alte sterben und ihre Häuser stehen leer, niemand will sie haben. Auch Schulgebäude braucht niemand mehr. Es wird in 15, 20  Jahren Dörfer geben, die leergefallen sind.

Das Schulgebäude in Monschau im Rosental steht seit vielen Jahren leer. Foto: Archiv

Das Schulgebäude in Monschau im Rosental steht seit vielen Jahren leer. Foto: Archiv

Da lohnt es sich in der Tat nicht, die teure Infrastruktur noch aufrecht zu erhalten. Kanalisation, Winterdienst, ÖPNV, Postzustellung, Feuerwehr . . . da könnte die Landesregierung in der Tat schon mal auf die Idee kommen, die Subventionen zu stoppen und alles in die Städte fließen zu lassen. Ob es in einer Region 20 halbleere oder 10 touristisch attraktive Dörfer gibt, das macht einen Unterschied.

Die Städteregion Aachen hat – zumindest seit CDU und Grüne die Mehrheit haben und eine Koalition bilden – unentwegt versucht, die Dörfer der Eifel zu stärken. Und das bis jetzt auch geschafft.

Konzen mit seinen berühmten Hecken, Mützenich an der Grenze zu Belgien und das prächtige Dorf Höfen mit seinen Strohdachhäusern und dem Eifeltor, diese und andere (z. B. in Simmerath) sind prächtige, lebendige Dörfer mit Hotels oder Cafés, Sehenswürdigkeiten. Sie sind tipptopp gepflegt. Auch Rohren und Kalterherberg mit seinem Eifeldom können sich noch sehen lassen. Imgenbroich mit seinem Industriegebiet und den vielen Geschäften ist quicklebendig. Große Filialen, große Parkplätze: Da geht man gern einkaufen.

Anders sieht es im Kreis Düren aus, aber dieser Kreis ist hier nicht das Thema.

Städteregionsrat Helmut Etschenberg ist kein Weg zu weit, um die Dörfer im Eifeler Bereich der Städteregion zu fördern. Ob nun gerade das Fahrradkompetenzzentrum in Kalterherberg ein Erfolg sein wird, darf zwar bezweifelt werden (Folgekosten?). Aber im Grunde ist es schon richtig, wenn man die Dörfer so ausstattet, dass am Ende junge Familien dort gern wohnen und der Tourismus blüht. Andernfalls sollte einfach der Letzte das Licht ausmachen.

„Freiwillige Leistungen“

Nur: Maßnahmen beispielsweise für den sogenannten Aktivtourismus (von denen auch die Städter profitieren) sind „freiwillige Leistungen“. Das bedeutet, die klamme Städteregion könnte sich das Geld auch sparen. Für Sozialausgaben gilt das nicht, das sind Pflichtaufgaben. Wobei – nebenbei gesagt – die Städteregion auch im Sozialen einige Maßnahmen finanziert, die über die Pflichtaufgaben weit hinausgehen. Um Geld aus Förderprogrammen (z. B. LEADER) zu bekommen, muss stets ein Eigenbeitrag geleistet werden.

Für Tourismus ist die Eifel gut geeignet. Dort gibt es Wachstumsraten und steigende Nachfrage. Auf dem Eifelsteig (Wandern) und der Vennbahn (Radfahren) knubbeln sich die Menschen. Auf dem Rursee sind die Wassersportmöglichkeiten gut usw. usw.

Die Stärken der Region sollen gestärkt werden. Aber das kostet. Und die Städte und Gemeinden müssen teilweise Kredite aufnehmen, um die gestiegene Umlage für die Städteregion zu zahlen. Kann man sich die (touristische)  Förderung der Region noch leisten?

CDU und Grüne meinen „ja“. Sie werden wohl zustimmen, wenn am kommenden Freitag, 28. November, ab 16 Uhr im Tourismus- und Kulturausschuss der Städteregion 82.000 Euro eingestellt werden, damit Wanderwege und Radwege gepflegt, die Nutzer mal gezählt, die schon vorhandene touristische Infrastruktur vervollkommnet wird und die Pläne für ein „Aktivkompetenzzentrum“ (vormals Radfahrkompetenzzentrum genannt) weitergetrieben werden. Nicht zuletzt soll auch die Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut werden.

Die Ausschuss-Sitzung ist öffentlich. Gäste sind gern gesehen. Einfach Freitag am Eingang nach dem Alten Sitzungssaal fragen und dann auf den Zuschauerplätzen niederlassen. Man sieht sich.

(Fotos aus den genannten Dörfern liegen noch nicht vor, sie werden nachgereicht.)

Über uebergangshymne

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