Neue Radautobahn kostet 15 Millionen Euro. Motto: Hau raus die Kohle.

Es ist doch erstaunlich, was sich hiesige Städte, Gemeinden und die Landesregierung leisten, obwohl sie hoch verschuldet sind. Millionen und Abermillionen Schulden hindern die Politik nicht daran, weitere Luxusprojekte in Auftrag zu geben. Zum Beispiel einen Radschnellweg von Aachen über Herzogenrath nach Heerlen. 15 Millionen Euro soll der auf deutscher Seite kosten. 15 Millionen!!! mitsamt Brücken und Tunnel.

So ist das geplant: Raus aus dem Auto, rauf auf das Fahrrad und mit diesem über einen Radschnellweg von Aachen über Herzogenrath nach Heerlen fahren.

So ist das geplant: Raus aus dem Auto, rauf auf das Fahrrad und mit diesem über einen Radschnellweg von Aachen über Herzogenrath nach Heerlen fahren.

Glaube niemand, das Projekt ließe sich noch verhindern! Wer das denkt, ist auf dem Holzweg. Obwohl Umweltschützer große Bedenken haben. Die Trassenführung  – am Naturschutzgebiet Wurmtal entlang – nennen sie „überflüssig, unsinnig und ökologisch bedenklich“.

Geplant ist eine Art 30-Kilometer-Radautobahn, fast komplett ohne Kreuzungen, vermutlich 4 Meter breit. Allein die schon in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie wird schätzungsweise 300.000 bis 400.000 Euro kosten. Und das ist erst der Anfang. Die Radautobahn wird natürlich Folgekosten verursachen: für einen Winterdienst, der Eis und Schnee entfernt und für die Beleuchtung und Pflege der Strecke.

Es ist so, als könnte jemand vor lauter Schulden nicht mehr aus den Augen gucken und kaufte sich dann auf Pump ein Super-Rennrad mit allem Drum und Dran für viele tausend Euro. Ich fasse es nicht. Die Kosten für den Radschnellweg zahlen: Das Land, die Städteregion (federführend bei der Planung), die Stadt Aachen und die Stadt Herzogenrath.

Vollmundig wird mitgeteilt, Bürgerinnen und Bürger würden an dem Projekt beteiligt. Dabei heißt „Beteiligung“ nicht, dass die Menschen das Projekt noch ablehnen können. Sie dürfen z. B. bei der Trassenführung mitreden. Wie gnädig. Für diese „Bürgerbeteiligung“ gibt sich die Plattform unserac.de her. Auf der Plattform haben auch schon zwei Kommunalpolitiker (SPD) das Projekt bejubelt. Das ist ja wahrlich ein überragender Zuspruch aus der Bevölkerung.

Bezeichnenderweise wurde wörtlich mitgeteilt, die Bürger würden „AKTIV an der Planung beteiligt“. Ach so. Aktiv. Was das Wort „aktiv“ in diesem Zusammenhang bedeutet, hat zuletzt der Sprachwissenschaftler Professor Martin Haase beim 31c3 wunderbar herausgearbeitet. Es ist reine Augenwischerei, wenn ich Martin Haase richtig verstanden habe.

Als Freunde und Förderer der Fahrradfahrerei erweisen sich seit langem die Grünen. Die wollen erreichen, dass in ganz NRW möglichst viele Menschen per Fahrrad (und eben nicht mit dem Auto oder dem Bus) zur Arbeit fahren. Ich werde den Verdacht nicht los, dass man uns eine rigide Lebensweise vorschreiben will: nicht rauchen, kein Fleisch essen, kein Auto, keine Plastiktüten und auch sonst kein Plastik, keine Fernreisen usw. usw. usw.

Kleine, alte Autos.

Kleines, altes Auto (l.).

Weitere Radschnellwege werden gebaut zwischen Neuss – Uni Düsseldorf – Monheim (31 km), Bad Oeynhausen – Minden (36 km), Köln/Bahnhof – Frechen (8,4 km), Inselburg – Vielen (45 km) .

Wenn die Vier (Land NRW, Städteregion,  Stadt Aachen, Stadt Herzogenrath) das Geld tatsächlich auf der hohen Kante hätten, wäre ich übrigens auch für so einen Radschnellweg. Obwohl ich genau weiß, dass mittelfristig immer mehr Menschen zu Hause arbeiten werden, und gar nicht mehr zu irgendeiner Arbeit hinfahren müssen. Die diese Verkehrswege planen, haben eindeutig den Schuss nicht gehört, aber in ihrer Funktion als kleiner Koalitionspartner im Land und in der Städteregion können sie sich durchsetzen, weil ohne GRÜNE die SPD (im Land NRW) und die CDU (in der Städteregion) am Ende wären.

Entweder wir bekommen bald einen umfassenden Breitbandausbau oder die Arbeitsplätze werden nicht nur in ländlichen Regionen außerordentlich knapp.

Tja, anstatt das Geld in den Breitband-Ausbau zu stecken, werden nun 15 Millionen für bequemes Fahrradfahren ausgegeben. Das Großprojekt stand schon in mehreren Politiker-Gremien zur Diskussion. Es steht am Mittwoch, 14. Januar, um 17 Uhr in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte auf der Tagesordnung. Die Politiker treffen sich im Aachener Rathaus, die Sitzung ist öffentlich. Ich möchte fast wetten, dass restlos alle ohne Diskussion zustimmen werden.

*

Alle Infos habe ich im Laufe der letzten Monate den Aachener Tageszeitungen entnommen, den Pressemitteilungen, den öffentlich zugänglichen Sitzungsunterlagen und einer Info-Broschüre. Die Links erspare ich mir. 

Die Textanalyse von Martin  @maha  Haase seht ihr hier: 

 „Wir beteiligen uns aktiv an den Diskussionen“ http://media.ccc.de/browse/congress/2014/31c3_-_6264_-_de_-_saal_1_-_201412271245_-_wir_beteiligen_uns_aktiv_an_den_diskussionen_-_martin_haase_maha.html 

 

 

Über AachenNews

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