NRW-Schulen bekommen einen „Vertrauensraum Internet“

Beim Landschaftsverband d Rheinland in Köln muss demnächst die Politik über ein großes Projekt entscheiden, über einen "Vertrauensraum Internet".

Beim Landschaftsverband  Rheinland in Köln muss demnächst die Politik über ein großes Projekt entscheiden, über einen „Vertrauensraum Internet“.

„Logineo“ steht in dem politischen Gremium, das ich als Vertreterin der Piratenpartei in Köln besuchen darf, auf der Tagesordnung. „Logineo“ soll ich zustimmen und auch, dass „Logineo“ an allen 6300 Schulen des Landes NRW eingeführt wird.

Was ist Logineo? Und ist das gut für die Schulen oder nicht? Die Verwaltung des Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat auf 24 Seiten versucht, das zu erklären. Ich muss sagen: Da gab es schon bessere Vorlagen. Drei Stunden habe ich mit @navelbrush , @Guntfred und anderen daran gearbeitet und versucht, das Projekt zu verstehen.  

Logineo sei ein „Vertrauensraum Internet“, steht da. Ich habe selten einen Text gelesen, in dem die Worte „Vertrauen“ und „sicher, Sicherheit“ so oft vorkommen und der zugleich so diffus und vage ist. Etwa 200.000 Lehrer sollen mit Logineo arbeiten, 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler ebenfalls. 400 Schulträger sind in Kürze damit befasst, und 2014 wurden schon 600.000 Euro ausgegeben. In den Jahren 2015/16/17 wird Logineo jeweils 1,2 Millionen Euro kosten. (Wer diese Summen zahlt? siehe unten.)

Geschaffen werden soll – wie erwähnt – ein „Vertrauensraum Internet“, der datenschutzrechtlichen Anforderungen genügt und in dem Kinder, Jugendliche und der Lehrkörper arbeiten können. Angeblich wurde alles schon an 30 Pilotschulen erprobt und für gut befunden. Wurden keine Fehler verzeichnet, weil niemand es benutzt hat?, frage ich mich und denke an die millionenteure de-Mail der Bundesregierung, wo bisher auch kaum jemand jemals eine Mail verschickt hat, obwohl sich (wohl wegen der Prämien) mehrere 100.000 Personen angemeldet haben.

Entwickelt wurde Logineo unter anderem von der regio-IT Aachen, der LVR-InfoKom, vom kommunalen  Rechenzentrum Niederrhein und der Medienberatung NRW. Die Kosten übernimmt das Land NRW, doch auch die Kommunen werden zahlen müssen. Wieviel? – Im Herbst diesen Jahres soll alles stehen, wenn ich das richtig verstanden habe.

„Eine geschützte Lehr- und Lernumgebung im Internet“ soll es geben. Außerdem: „Ein Vertrauensraum in der digitalen Lernwelt“, alles ausschließlich „auf vertrauenswürdigen Servern“. „Sichere digitale Kommunikation“ wird gewährleistet. Und „geschützte Dateiordner“, „geschützte Räume für pädagogische Prozesse“ und so ohne Ende weiter. Das alles ist schön, aber was genau werden Kinder und Erwachsene machen in diesen Räumen, wie genau? Das steht da leider nicht. Es ist alles etwas unkonkret. Was fehlt, ist die Schilderung eines echten Verfahrens: „Lehrer macht X, Schüler macht Y, Nutzen ist Z“.

Und noch ein Symbolbild vom LVR-Gebäude in Köln, um den langen Text optisch etwas aufzulockern.

Und noch ein Symbolbild vom LVR-Gebäude in Köln, um den langen Text optisch etwas aufzulockern.

In der Kurzbeschreibung steht, dass alle in der Schule E-Mail-Adressen und Zugriff auf einen Terminkalender erhalten. Alle können auf allerlei Lernmittel (z. B. der Siemens-Stiftung) zugreifen, Lehrer bekommen Zugriff auf vom Schulministerium erworbene, lizenzgeschützte Materialien. Stundenplan, Essensbuchung, digitale Schulbücher . . .  alles mit Logineo. Es ließe sich „eine Kultur des Miteinander in der digitalen Welt entwickeln“.

Gibt es für das Projekt einen zentralen Server? Oder wird Logineo in den kommunalen Rechenzentren gehostet? Ausreichend Bandbreite und geeignete Endgeräte müssen zur Verfügung stehen, so steht in der Vorlage. Was ist mit der Bandbreite im Sauerland, in der Eifel, in anderen ländlichen Gebieten von NRW? Die reicht doch nie und nimmer. Bleiben dort die Schulen außen vor?

Schön und sicher ist zweifellos die Integration der Mail- und Kalenderdienste über die Schnittstellen IMAPS (Zugriff auf die  Email-Postfächer mit externen Programmen) und SMTPS (Email-Versand mit externen Programmen). Jede Menge Sicherheit wird in technischer Hinsicht versprochen. Dass die Medienbeauftragten an jeder Schule viel zu tun bekommen, scheint mir auch klar zu sein. Den First-Level-Support (bei Funktionsstörungen) sollen die Medienbeauftragten und die kommunalen Schulträger übernehmen, für den Second-Level-Support werden eine Hotline und ein Ticketsystem zur Verfügung gestellt.

Die Piraten-Landtagsabgeordneten habe ich gefragt, und die haben das Projekt jetzt auf dem Schirm und freundlicherweise folgenden Link geschickt: http://www.medienberatung.schulministerium.nrw.de/Medienberatung/Dokumentationen/Aktuelle-Dokumentationen/002_Lern-IT-NRW-Schulträgertagung-2014.html

Ein Pirat aus Aachen meinte dazu unter anderem: Das 4. und das 6. Video sind ziemlich erhellend. Es ist viel weniger ein nachgebautes Facebook als eine an die Schule angepasste Groupware. (Ich hatte den Verdacht geäußert, es sollte wohl  Facebook nachgebaut werden.)

Ich werde versuchen, zu einer der 30 Pilotschulen Kontakt aufzunehmen. Wish me luck.

Wer zu dem Ganzen eine Meinung/Kenntnisse hat: her damit.

——

Update (danke @navelbrush):  in der neuen Ausgabe „Städte- und Gemeinderat“ gibt es einen Artikel
über LOGINEO (sicheres Internet für Schulen):

http://www.kommunen-in-nrw.de/information/staedte-und-gemeinderat/ausgaben.html

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5 Antworten zu NRW-Schulen bekommen einen „Vertrauensraum Internet“

  1. Pingback: Logineo. Schulsoftware verkackt total (erwartungsgemäß). Schon 4 Millionen investiert. | AachenNews

  2. Fritz Jörn schreibt:

    Kleiner Tippfehler. IMAP heißt das, nicht IMAPS. Die Wikipedia erklärt’s (https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Message_Access_Protocol). Damit macht man modern E-Mail, besonders, wenn man’s von mehreren Geräten her tut, etwa dem PC und dem Handy und beim Schulfreund usw.. Das ist bloß am Rande wichtig, Stand der Technik, das Übliche, und hat mit Sicherheit nichts zu tun. Für weitergeleitete Mails ist IMAP eher hinderlich. – Mich tät’ viel mehr interessieren, ob nicht nur Lehrer, sondern auch Schüler ihre Logineo-Mails gleich weiterleiten können an ihre gewohnte E-Mail-Adresse, und wie einfach das ein- bezw. umzustellen ist. Die Schüler werden ja nicht immer extra noch ein E-Mail-Postfach abfragen. So spannend ist Schule auch wieder nicht … Gibt’s wo ein Logineo-Forum? Normalerweise kritisieren die Leute neue Software. Viele Grüße, Fritz Jörn

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    • Fritz Jörn schreibt:

      Weiterleiten gibt’s nicht. »Durch die automatische Weiterleitung von E-Mails verlassen die an die dienstliche Adresse gerichteten Informationen den geschützten Bereich von LOGINEO NRW. (Weiterleitung? – Nicht mehr mit „LOGINEO NRW“.) Dies widerspricht den Anforderungen des Datenschutzes.« (Quelle http://www.logineo.schulministerium.nrw.de/LOGINEO/Basis-Infrastruktur-f%C3%BCr-Schulen-in-NRW/E-Mail-Weiterleitung/) . – Quatsch! 1. Für Schüler ist das keine »dienstliche« Mailadresse. 2. Selbst die Uni Bonn lässt Weiterleiten zu. 3. Übliche Maildienstleister wie T-Online oder Gmail usw. bieten Mailabhol- oder -sammeldienste, die de facto (leicht verzögert) Mails von anderen Mailkonten zu sich hinziehen. So wird umgangen, dass man auf LOGINEO (man beachte die stolze Versalschreibung :–) nur online zugreifen kann. Fritz Jörn

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