Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge XIII

Mit Entsetzen haben wir, das Patenkind aus Afghanistan und ich, vor mehreren   Wochen zur Kenntnis genommen, dass das mit dem JobCenter vereinbarte Geld nicht auf dem Konto des Flüchtlings gelandet ist. Ich musste mich also erstmals um die Finanzen kümmern und fiel mal wieder aus allen Wolken. Der Junge hatte bisher monatlich nur 609 Euro bekommen, davon zahlte er Miete (330 Euro), Strom, Handy, Kleidung, Frisör, Essen und Getränke und was er sonst noch haben muss.

Plötzlich gab es – einschließlich Kindergeld – nur noch die Hälfte.

Wir haben im JobCenter mehrfach vorgesprochen. Es hieß zunächst, er habe

JobCenter Aachen

Das neue JobCenter in Aachen an der Krefelder Straße. Wurde es nicht schon in einer Geschichte von Franz Kafka mal erwähnt? Nein?            Foto: Archiv

seine Abrechnungen für seinen Job in einem kleinen Restaurant (201 Euro jeden Monat) nicht korrekt abgegeben. Da haben wir sofort alle Abrechnungen kopiert und zusammen vorgelegt, obwohl der Junge schwört, er habe diese Belege in Kopie schon alle mehrfach eingereicht. Ich war misstrauisch, dachte „irgendwas hat er ja wohl falsch gemacht“. Aber ich wusste auch: Es ist ein ehrlicher Junge, das konnte ich schon mehrfach erleben. Er gibt mir gegenüber immer gleich alles zu, wenn er etwas falsch gemacht hat. Sogar Sachen, die ihn sehr blöd dastehen lassen.

Im Monat darauf kamen aber wieder nur etwas über 300 Euro, und die Miete wurde im Juni erstmals nicht überwiesen, weil auf dem Konto die passende Summe nicht vorhanden war. Im Juli passierte dasselbe. Miete wurde nicht überwiesen.

Nach sehr viel Hin und Her haben wir erfahren, dass im JobCenter ein Fehler gemacht wurde, und es wurde uns zugesagt, dass das Geld nachträglich geschickt wird. Niemand hat sich entschuldigt, es hieß am Schalter im Anmeldebereich wörtlich: „Wir sind alle nur Menschen“. Die Sachbearbeiterin  durfte ich übrigens noch niemals persönlich treffen, obwohl ich um ein Gespräch gebeten hatte, aber ich stelle mir diese Dame derzeit nicht gerade „menschlich“ vor.

Ob sie eigentlich weiß, wie wichtig es für einen Flüchtling ist, dass er die Miete pünktlich bezahlt und nicht zwei Monate hintereinander diese nicht überwiesen wird? Ob sie das weiß? Was soll der Junge machen, wenn ihm das Zimmer gekündigt wird, das ohnehin das schlechteste in der ganzen Wohnanlage ist, wo man das Fenster nicht öffnen kann?

help_02Was mir nun vollends den Schlaf raubt, und warum ich die Angelegenheit überhaupt erwähne, das ist der Umstand, dass der Junge sagt, auch mit mehreren seiner ausländischen Freunde werde vom JobCenter so verfahren. Stets werde das Geld gekürzt, ein Fehlverhalten werde angeprangert, der Flüchtling schlägt sich doppelt und dreifach um den „Fehler“ zu korrigieren und am Ende – nachdem man schon halb verrückt geworden ist – wird gesagt: Es ist uns ein Fehler unterlaufen.

Andererseits: Die Damen und Herren im Jobcenter machen ganz zweifellos einen schweren Job. Dass bei der Masse der Neuzugänge Fehler passieren, liegt auf der Hand. Gleichwohl: Was machen eigentlich die Flüchtlinge, für die sich kein Pate stark macht?

Das will ich mir lieber nicht vorstellen.

Update: Das Geld ist nun angekommen, es sind sogar ein paar Euro mehr als wir zunächst dachten.

(wird fortgesetzt)

Folge XII findet ihr hier

Über AachenNews

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Eine Antwort zu Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge XIII

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