Käßmann fordert einen „Aufstand der Mitmenschlichkeit“

Friedenspreis Aachen

Ein Höhepunkt bei der Friedenspreisverleihung in der Aula Carolina in Aachen: Die Rede der Ex-Bischöfin Margot Käßmann.

Voll des Lobes für die Stadt Aachen war gestern der Vorsitzende des Vereins Aachener Friedenspreis, Ralf Woelk. „Wie man sich hier um die Flüchtlinge bemüht“, das sei vorbildlich, sagte er bei der Friedenspreisverleihung in der gut gefüllten Aula Carolina. „So weit sind wir also“, dachte ich: Ein im Grunde selbstverständliches Verhalten wird lobend erwähnt.

Schön war, dass die afrikanischen Preisträger bereits nachmittags von Oberbürgermeister Marcel Philipp im Rathaus empfangen wurden. Die Zeiten, da sich Teile der Politik vom Friedenspreis und dem Verein distanzierten, scheinen vorbei zu sein.

Im Mittelpunkt des Abends standen natürlich die Preisträger, ein Erzbischof und ein Imam aus Zentralafrika, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen. Außerdem eine Studentengruppe, die in Marokko gestrandete Flüchtlinge versorgt. Über diese tapferen Leute haben die Aachener Tageszeitungen schon viel geschrieben (da nachlesen). Die Arbeit der Studenten ist von Empathie geprägt und zugleich lebensgefährlich.

„Wir verdienen an den Kriegen, die wir beklagen und die die Menschen in die Flucht schlagen.“

Margot Käßmann, evangelische Theologin

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war sicherlich die beeindruckende Rede der evangelischen Theologin Margot Käßmann. Diese Frau wird gern deutlich und sagt schonungslos, was der Fall ist. Nämlich, dass es „eine Schande für Europa“ ist, was derzeit an seinen Außengrenzen passiert. Die Situation sei katastrophal. Das mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Europa erweise sich als dieser Auszeichnung nicht würdig.

Käßmann bewertete, mehrfach von Beifall unterbrochen, die Situation der Flüchtlinge in Afrika, die Deportationen und Auffanglager, sie zitierte Augenzeugenberichte. Von Menschenwürde könne keine Rede mehr sein. „Das Mittelmeer und die Sahara sind zum Massengrab geworden“, rief sie in den Saal.
Käßmann sprach auch über die Situation der Flüchtlinge bei uns. „Einen Aufstand der Mitmenschlichkeit“ müsse es geben. Und sie erwähnte, dass es deutsche Waffenexporte sind, die Krieg und Elend in andere Länder bringen

Friedenspreis Aachen

Die Preisträger mit der Laudatorin Margot Käßmann (2. v. l.) und dem Vorsitzenden des Vereins Aachener Friedenspreis, Ralf Woelk (r.)

und dafür sorgen, dass Menschen flüchten. Wir in Europa initiieren das, was wir am Ende beklagen und was wir andere mit dem Leben bezahlen lassen, so sinngemäß.

Aufgefallen ist mir, dass nur eine Person (außer mir) von der Veranstaltung twitterte, was für so ein wichtiges Thema ungewöhnlich ist. Auch der Widerhall bei Facebook war eher mager, in TV, Funk und Print dagegen größer. Bei der Preisverleihung schien mir ganz die Generation der 20- bis 30-Jährigen zu fehlen. Die ältere Generation dominierte das Bild. Die Frage steht im Raum, ob Friedenspreis-Verleihungen nicht in einem anderen Rahmen, in einer anderen Form stattfinden sollten. Ich fände es zudem schön, wenn die Rede von Margot Käßmann auf Youtube veröffentlicht würde. Bis jetzt habe ich nichts gefunden.

Die schwungvolle Musik zum Fest lieferte übrigens das Folk-Ensemble Da Musica. Denen hörte man sehr gerne zu, ihre Musik verbreitete eine fröhliche Stimmung.

*

update: Käßmann-Rede ist online https://www.youtube.com/watch?v=AIABtTONOAc

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