Schulen, Kasernen, Turnhallen. Wer hat noch Platz?

Am heutigen Donnerstag, 10. September, sind in Aachen 1100 Flüchtlinge in kommunalen Einrichtungen untergebracht. Hinzu kommen 500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die über die Stadt verteilt sind. Außerdem noch 350 Menschen in Notunterkünften des Landes, also in Gebäuden, die nicht der Stadt, sondern dem Land NRW gehören. Das ist einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung zu entnehmen.

Leerstehende Schulgebäude, Kasernen, Turnhallen, die Kinderheime natürlich und ein Hotel sind voll mit Menschen. Der Ansturm ist tatsächlich so groß, wie zuvor angenommen. Auf das Aufstellen von Containern wird man nicht mehr verzichten können, weil höchstwahrscheinlich weitere Flüchtlinge Aachen zugeteilt werden.

Ein Foto von den Bauarbeiten am vorderen Teil des Gebäudes.

Ein Foto von den Bauarbeiten am vorderen Teil des neuen Stadtteilzentrums.

Die jungen Männer aus Syrien, mit denen ich sprechen konnte, wollen die deutsche Sprache lernen. Doch jeder betont auch, unvermittelt, ohne dass ich danach frage, mitten im Gespräch: „Ich will wieder zurück nach Syrien, wir wollen dort alles wieder aufbauen.“ Bleibt die Frage, ob man in einem Land, das vom IS regiert wird, überhaupt etwas aufbauen kann.

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Unterkünfte werden knapp, aber: Was ist eigentlich mit dem Gebäude der Landeszentralbank (LZB) in Aachen? Das bunkerartige Bauwerk an der Normaluhr (Römerstraße) gehört der Sparkasse, steht es leer?  Was ist mit dem ehemaligen Pfarrheim St. Elisabeth im Aachener Ostviertel? Oder mit dem Kloster in der Lousbergstraße? Gänzlich leer.

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Das Thema Flüchtlinge dominiert alles. Und man ist froh, wenn man sich mittels einer dieser grandiosen Apple-Präsentationen (6s, am gestrigen Mittwoch) etwas ablenken kann. Apple veranstaltete in Kalifornien ein Event mit 7000 Gästen, davon rund 500 Journalisten. Apple ist eben noch immer der Achthundertpfundgorilla der Branche. . .  Wir mussten allerdings auch erfahren, dass unsere iPhones leider ab sofort veraltet sind.

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Das alte Straßenbahndepot im Aachener Ostviertel soll Kulturzentrum werden.

Das alte Straßenbahndepot im Aachener Ostviertel soll Bürgertreff und Kulturzentrum werden.

Der neu hergerichtete Bürgertreff in der Talstraße (vormals Eisenbahndepot, sollte 9,4 Millionen, wird jetzt aber über 11 Millionen Euro kosten), gäbe ja eigentlich auch eine gute Flüchtlingsunterkunft ab. Zumal die sozialen und kreativen Vereine, die da eigentlich im Herbst 2016 einziehen sollten, die hohe Miete nicht werden aufbringen können. Das ist schon lange bekannt, wurde aber jetzt endlich einmal öffentlich mitgeteilt. Die Vereine sind so knapp bei Kasse, sie wollen zwei Jahre mietfrei dort unterkommen. Ich fürchte, daraus wird nichts.

Der Haken bei der ganzen Sache: Der Umbau geschah mit Geld vom Land NRW und ist an Bedingungen geknüpft. Wird das sanierte Bauwerk statt an finanzschwache Vereine an zahlungskräftige Firmen vermietet, dann sagt das

Ein Bild aus Umbau-Tagen. Im Herbst 2016 soll alles fertig sein. Alle Fotos: Archiv

Ein Bild aus Umbau-Tagen. Im Herbst 2016 soll alles fertig sein. Alle Fotos: Archiv

Land: „So war das nicht verabredet.“ Und will die Fördermillionen zurückerstattet haben.

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Thematisch ist dieser Blogpost wenig abwechslungsreich. Es geht noch mal um Flüchtlinge. Die Stadtverwaltung sucht zur Versorgung der neu aufzunehmenden Flüchtlinge kurzfristig ehrenamtliche Helfer für die Essensausgabe täglich jeweils von 7.30 bis 10 Uhr (Frühstück), 12 bis 14.30 Uhr (Mittagessen) und 18 bis 20.30 Uhr (Abendessen).

Wer helfen will, melde sich bitte unter der E-Mailadresse helfen@mail.aachen.de. – und bitte nur auf diesem Weg! Als Betreff sollte „Essensausgabe“ angegeben werden. Die Stadtverwaltung bittet darum, in der Mail den Namen, die möglichen Einsatzzeiten sowie eine Telefon- oder Handynummer anzugeben. Die Helfenden sollen angeben, ob sie bezüglich des Einsatzortes flexibel sind.

Die Einsatzleitung wird sich bei den Ehrenamtlern melden, sobald die Hilfe benötigt wird. Und: „Bitte kommen Sie nur, wenn Sie von der Einsatzleitung der Stadt angefragt werden!“

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Wie schön: Viele Unternehmen wollen sich in der Hochschulstadt Aachen ansiedeln oder expandieren. Da geht in Aachener Gewerbegebieten der Platz aus, alles voll, alles zu. Und statt jetzt etwa nach Stolberg ins leere Gewerbegebiet Camp Astrid auszuweichen, in dessen Anlage bereits Millionen investiert wurden, fixiert die Politik sich auf Aachen. Als ob es nicht auch für Aachen wichtig ist, dass 15 Kilometer vor der Toren der Stadt eine Kommune wie Stolberg prosperiert. Der wirtschaftliche Niedergang unserer Nachbarstadt Stolberg ist auch für Aachen eine Gefahr. 

 

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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