Aquis Plaza: Die schöne Welt der Waren. Jetzt mit einer kontroversen Diskussion (s. unten)

aquis plaza innen

Es glänzt und glitzert oben, unten, rechts und links im neuen Tempel der Warenwelt.

Jetzt ist es also fertig und eröffnet, das neue Aquis Plaza, das neue Warenhaus in Aachen mit 130 zusätzlichen Läden. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle Ladenlokale vermietet. „Zara“ ist gleich mehrfach vertreten. Dafür stehen die alten „Zara“-Räume in der Adalbertstraße jetzt leer (update: Es ist schon wieder neu vermietet, s. Kommentar von Alleswisser Peer).

Soweit zu sehen war, sind sehr viele Aachener begeistert von dem neuen Konsumtempel. Über 60.000 kamen am ersten Tag. Und es ist ja auch ein überwältigendes Warenangebot, aus dem man auswählen kann. Dazu gibt es Speisen und Getränke: Man kann Türkisch/Arabisch essen, es gibt leckere Bio-Burger, süße Speisen und Eisberge türmen sich, man kann Japanisch und Chinesisch essen, reihenweise tolle Säfte trinken usw. Aber man muss schon gute Nerven haben, um die Fülle aushalten zu können.

Außen, entlang der Adalbertstraße, macht das imposante Gebäude einen eher abweisenden Eindruck. Aus Stahl und Glas sind die Außenwände. Das Aquis Plaza könnte so auch in jeder anderen Stadt stehen, es hat nichts speziell „Aachenerisches“ an sich. Wenn man drin ist, gibt es nichts, woran du erkennst, dass du in Aachen bist. Es ist wie ein großes Raumschiff an seinen Platz gestellt worden. Aber Lokal-Bezogenheit ist wohl heute nicht mehr erwünscht. Die Menschen wollen und sollen sich in einer Umgebung aufhalten, die sich nicht von Orten in anderen Städten unterscheidet. Das Gefühl von Heimatlosigkeit wird sich nicht vermeiden lassen.

Das große Center in Düren sieht sehr ähnlich aus. Die ovale Form ist offenbar ein Muss. Und dann die Stahl-Glas-Fassade! Da kann man schon mal auf die Idee kommen, alte Fassaden aus den 50er Jahren sollten doch am besten unter Denkmalschutz gestellt werden (s. ganz unten).

An zwei Stellen kann man das Gebäude betreten, der Rest sieht etwas abweisend aus. Schade, dass man dort die Läden nicht auch nach außen geöffnet hat, nur nach innen.

An zwei Stellen kann man das Gebäude betreten, der Rest sieht etwas abweisend aus. Schade, dass man dort die Läden nicht auch nach außen geöffnet hat, nur nach innen.

Auf der Seite Adalbertstraße.

Auf der Seite Adalbertstraße.

Da entlang zu gehen, ist etwas langweilig.

Da entlang zu gehen, ist natürlich langweilig. Die Läden öffnen sich – bis auf wenige Ausnahmen – nur nach innen.

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Abwechslung im Stadtbild, wer würde sich das nicht wünschen. Deshalb: Helft mit, eine alte Kino-Fassade zu erhalten.

Abwechslung im Stadtbild, wer würde sich das nicht wünschen? Deshalb: Helft mit, eine alte Kino-Fassade zu erhalten (Kommt zum Treffen am Dienstag, 10. November, 11 Uhr, direkt gegenüber vom Elysée auf dem Theater-Vorplatz).

*

Hermann Josef Pilgram, Ratspolitiker der Grünen in Aachen, hat auf Facebook auf den oben stehenden Text mit einem längeren eigenen Text reagiert. Alles nicht uninteressant. Mit seiner Erlaubnis bringe ich den Text hier. Pilgram schreibt:

In deinem Artikel schreibst du: „Aber Lokal-Bezogenheit ist wohl heute nicht mehr erwünscht. Die Menschen wollen und sollen sich in einer Umgebung aufhalten, die sich nicht von Orten in anderen Städten unterscheidet. Das Gefühl von Heimatlosigkeit wird sich nicht vermeiden lassen.“ – Dem möchte ich entgegnen, dass es eine ortsbezogene Architektur mit regionaltypischer Material-, Farb- und Formensprache nur noch selten gibt, und wenn, dann eher abseits der Städte, etwa in der Eifel. Die Gründerzeitviertel, die wir als „Heimat“ empfinden, sind in fast ganz Europa verbreitet und unterscheiden sich in ihrer Architektur nicht wirklich.

Gleiches gilt für andere Baustile, deren Wahrnehmung und Wertschätzung sich auch über die Zeiten ändert, z.B. „Bauhaus“, bei den Nazis geächtet, heute wieder hoch geschätzt. Der Bazar hat eine lange Geschichte, und ich behaupte, da gibt es keine großen Unterschiede, ob es der in Tunis ist oder in Istanbul.

Ich möchte auch an die Einkaufspassagen erinnern, die im 19. Jahrhundert ihre erste Blütezeit hatten und dann durch die Warenhäuser abgelöst wurden. Mit Ortsbezogenheit hatte das aber nichts zu tun, Passagen gab und gibt es in Brüssel, in Mailand, in Paris etc. Wenn „lokale“ Geschäfte gemeint sind, so hat der Wandel zu Ketten, die überregional tätig sind, schon vor sehr langer Zeit begonnen. Da macht es wenig Unterschied, ob sie nun hinter- und nebeneinander an einer Einkaufsstraße liegen oder in einem städtischen Einkaufszentrum wie Aquis Plaza.

Letzteres bietet auf jeden Fall mehr Aufenthaltsqualität und ist auch schöner als die notdürftig nach der Kriegszerstörung aufgebauten 1- oder 2-geschossigen Verkaufsstätten, die hier vorher standen und die auch jetzt noch – überwiegend auf der anderen Straßenseite – zu sehen sind. Das waren Häuser, die mit geringstem baulichen und architektonischen Aufwand auf größtmögliche Rendite konzipiert waren.

Wenn das „Heimat“ ist und einem das Gefühl gibt, in Aachen zu sein – Nein Danke.

(Anmerkung der Redaktion: Das Gefettete ist von mir)

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Auf diesen Text habe nun wieder ich reagiert und auf Facebook an Hermann Josef Pilgram folgende Zeilen geschrieben:

Danke für deine ausführliche Mitteilung. Ich gebe zu, dass ich das neue Einkaufszentrum für einen wenig schönen Aufenthaltsort halte und – so oder so – lieber viele kleine und mittlere Läden hätte. Aber das Aquis Plaza ist da, und jetzt müssen wir damit leben.

Mir geht es zur Zeit mehr um das Elysée bzw. um den Erhalt der wellenförmigen Fassade aus den 50er Jahren mitsamt dem markanten Schriftzug am Kapuzinergraben. Dieses Kino war über Jahrzehnte ein wichtiger Ort für meist jüngere Menschen. Man hat sich dort oft gut unterhalten gefühlt, man hat via Film in die Welt hinaus geblickt, sich dort verabredet, und in den 50er Jahren sind die Menschen sogar aus dem Umland zu Fuß dorthin gepilgert, um bestimmte Filme zu sehen.

Die Fassade ist einzigartig und außergewöhnlich in Aachen. Sie erinnert, sofern sie erhalten bleibt, an unsere Eltern und Großeltern, an die Filmkultur vergangener Jahre. Ich denke nicht, dass man leichtfertig auf solche Erinnerungsstücke verzichten sollte. Glasfassaden gibt es doch nun wirklich genug, da darf doch diese kuriose Außengestaltung vielleicht auch bestehen bleiben.

Filmtheater, Stadttheater – das passt an dieser Stelle zusammen und das gehört zusammen. Häuser, insbesondere die Fassaden, können sich zu Marken und Zeichen entwickeln, Gesichter bekommen, zu sprechen beginnen, ein Eigenleben führen. Die Zeiten graben Entwicklungsgeschichte in Straßenschluchten ein wie Falten. Umbauten wirken manchmal wie Schönheitsfehler und Verletzungen.

*

Darauf nun wieder Hermann Josef Pilgram:

Eine interessante denkmalgeschützte Kinofassade gibt es in Köln.  – Hier wird gerade an Plänen für künftige Nutzungen gearbeitet. – Sicher ist auch beim Elysée ein Entwurf mit Einbeziehung der Fassade möglich und – da gebe ich dir Recht – damit könnte das Gebäude ein besonderes Gesicht bekommen.

Denkmalschutz ist aber unter Umständen sehr streng, der könnte auch gute und interessante Lösungen verhindern. Gute Architektur kann und soll Geschichte aufgreifen, sie braucht aber auch die Freiheit, die Veränderungen der Gebäude und Nutzungen zu visualiseren. – Was mich allerdings an vielen Diskussionen über Architektur stört, ist die undifferenzierte Negativbewertung von „modernen“ Baustoffen. Sicher ist damit viel Schlechtes realisiert worden.

Die sehr pauschale Ablehung ist aber möglicherweise auch ein spätes Überbleibsel der Ideologie des „Heimatschutzstils“.

*

Wichtige Anmerkung: Was „Heimatschutzstil“ ist, kann man hier nachlesen.

 

Über AachenNews

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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Eine Antwort zu Aquis Plaza: Die schöne Welt der Waren. Jetzt mit einer kontroversen Diskussion (s. unten)

  1. Peer van Daalen schreibt:

    Das alte ZARA-Haus ist komplett (1.950 m²) und langfristig von Vodafone angemietet worden. Der Umbau ist im vollen Gange (wer´s braucht …).

    Gefällt mir

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