Alles rosig in der Notunterkunft

Knapp 300 Personen kamen zur Info-Veranstaltung. Viele äußerten Befürchtungen und erhielten Antworten auf ihre vielen Fragen.

Knapp 300 Personen kamen zur Info-Veranstaltung. Viele äußerten Befürchtungen und erhielten Antworten auf ihre vielen Fragen.

„Das macht mir Sorgen!“ Und: „Wieviel Sicherheitspersonal wird eingesetzt?“ und „Womit wollen Sie die Flüchtlinge beschäftigen?“

Knapp 300 Aachener hatten am Donnerstag dieser Woche viele Fragen, als die Kölner Bezirksregierung ins Audimax zur Info-Veranstaltung geladen hatte. Es ging um das Gelände am Westbahnhof, wo nach Karneval – Zug um Zug – bis zu 1000 Flüchtlinge untergebracht werden sollen.

Der stellvertretende Regierungspräsident Wilhelm Steitz und Aachens zuständiger Sozialdezernent Dr. Manfred Sicking sollten reden. Beide erschienen nicht zu der Veranstaltung.
Wohl aber andere Vertreter der Stadt Aachen, der Polizei und des Deutschen Roten Kreuz (DRK). Die Diskussion gestaltete sich im Wesentlichen so: Die Bürgerinnen und Bürger – deutlich noch unter dem Eindruck der Ereignisse in Köln – äußerten sachlich ihre Befürchtungen. Und die Offiziellen unternahmen es, zu beschwichtigen und Vorfälle in Aachen, von denen einige Fragesteller wussten herunterzuspielen.

Tatsächlich gibt es wohl in einer Notunterkunft nicht mehr und nicht weniger Anlässe für Polizeieinsätze, als in anderen Stadtvierteln. Nur schaut mancher bei Flüchtlingen besonders intensiv hin. Und was ansonsten übersehen oder schnell wieder vergessen wird, fällt bei Flüchtlingen gewaltig ins Auge. Derartige Effekte erläuterte sachkundig ein Kripobeamter. Ihm wurde applaudiert.

Das Bagatellisieren gelang. Die Menschen ließen sich lang und breit erklären, wie friedlich es doch für gewöhnlich in einer Notunterkunft zugeht, was alles für die Sicherheit der Flüchtlinge und für die der Nachbarschaft unternommen wird, wie viel Personal da rund um die Uhr im Einsatz ist und wie die Kinder betreut werden. Auch die medizinische Versorgung sei top, hieß es. Und den Öcher Bend werde eine Hundertschaft bewachen.
Selbst auf bohrende Fragen gab es gut gemeinte, beschwichtigende Antworten. Tenor: Vor uns stehen Menschen, die dringend Hilfe brauchen und denen helfen wir jetzt.

Die Veranstaltung war geprägt von Sachlichkeit. Beruhigend: Weil Aachen am Westbahnhof 1000 Menschen (in drei Zeltbauten) wohnen lässt, werden danach monatelang keine weiteren Flüchtlinge mehr in die Stadt kommen. Die 1000 und alles, was sie brauchen (Unterkunft, Essen, Betreuung, Bewachung) wird komplett aus der Kasse des Landes NRW bezahlt, Aachen bleibt finanziell außen vor.

Nur sechs oder acht Wochen, nicht länger, bleiben die Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien und dem Irak am Westbahnhof. Danach werden sie auf ganz NRW verteilt. 250 Aachener, die zuvor keine Arbeit hatten, wurden übrigens zur Versorgung der Flüchtlinge schon eingestellt, vorzugsweise Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen, die nebenbei auch übersetzen können.

Ein Jahr wird es am Westbahnhof die Notunterkunft geben, „was danach geschieht, wissen wir nicht“. Was die Gruppe der jungen Männer von 18 bis 30 betrifft, so riet eine junge Frau, ihre Erfahrungen in Griechenland hätten sie gelehrt, das SPORT die Lösung des Problems sei. Möglicherweise könnten die Flüchtlinge ja in den benachbarten Hochschulsport eingebunden werden. Um das seelische Wohl der Menschen werden sich  Vertreter der verschiedenen Religionen kümmern. Das ließ ein Mitarbeiter der Bilal-Moschee wissen.

Nicht wenige Menschen verließen das Audimax deutlich zufriedener, als sie hingekommen waren.

Über AachenNews

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