Großes Interesse an Bildern, die bleiben

Gestern: Eröffnung der Ausstellung „Blicke, die bleiben“ im Suermondt-Ludwig-Museum. Kuratorin Sylvia Böhmer hat aus über 1000 Fotos der Sammlung Fricke eine sehenswerte Schau zusammengestellt.

„Blicke, die bleiben“ so lautet der Titel einer Fotoausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen. Zu sehen sind rund 100 eindrucksvolle Schwarzweiß-Fotografien aus der Zeit von 1898 bis 2017. Es handelt sich um fotografische Porträts der Sammlung Fricke, über die das Museum als Dauerleihgabe verfügt.

Gestern wurde die Ausstellung eröffnet, vor lauter Menschen konnte man fast die Kunst an den Wänden nicht sehen. Zu dieser Ausstellung (bis 14. 01.) komme einmal „ein ganz anderes Publikum“ ins Museum, stellte die Kommunalpolitikerin und Ausschussvorsitzende Dr. Margrethe Schmeer (CDU) in ihrer Ansprache fest. Da hatte sie Recht.

Vier Jahre mussten die Kunstfreunde warten, bis Museums-Kuratorin Sylvia Böhmer wieder mal eine Schau mit Fotos aus dieser Sammlung präsentieren durfte. Jetzt ist es soweit. Wer gern und viel fotografiert, kann hier Erkenntnisse gewinnen: Wie große Meister der Branche ihre zumeist prominenten „Objekte“ ins Bild gesetzt haben, wie sie mit den Porträts klare Aussagen über Charakter und Wesen der Abgebildeten zu machen versuchten. „Wie bin ich?“ Der Fotokünstler gibt dem Abgebildeten seine ganz eigene Antwort. Jedes dieser Porträtfotos ist ein Statement: „So bist du.“

Den Arbeiten Lotte Jacobis widmet die Ausstellung ein vergleichsweise umfangreiches Kapitel. Ihre Aufnahme von Albert Einstein in der Lederjacke (1938) mit zerzausten Haaren wollte das Magazin LIFE damals nicht veröffentlichen. Begründung: So salopp und unkonventionell dürfe man den berühmten Nobelpreisträger nicht darstellen. . .  Heute zählt gerade dieses Foto zu den bekanntesten Bildern von Einstein.

Überhaupt heute: Wo fast jeder und jede ständig mit dem Smartphone knipst und Bilder um die Welt schickt, da ist es mehr wie angebracht, sich mit der Fotografie als Medium kritisch zu befassen. Das könnte eine passende Aufgabe für ein Museum sein, uns darüber aufzuklären, was dieser vor unseren Augen schnell dahinfließende, unendliche Strom von Bildern mit uns und der sogenannten Realität macht.

Überhaupt Porträts: Ein Vergleich der Fotos dieser Aachener Ausstellung z. B. mit den Porträts der Renaissance-Maler scheint mir interessant zu sein.
Wie viele Parallelen es doch gibt! Auch dort lacht z. B. kaum jemand, alle schauen ernst und offen, so, als wollten sie „bedeutend“ erscheinen. Es ist zudem ersichtlich, dass sich die Künstler (Fotografen wie Maler) viel Mühe gemacht und Zeit genommen haben, um das Porträt zu erstellen. Die Bilder wirken inszeniert.

Erstaunlich, wie einen die Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum inspirieren kann, wenn man sich darauf einlässt und sich für die Darstellung von Menschen interessiert. Auch Fragen nach Individualität versus gesellschaftlicher Repräsentation stellen sich.

Hier sei noch auf einen Vortrag hingewiesen: Professorin Dr. Sigrid Weigel aus Berlin spricht am Mittwoch, 6. Dezember, ab 19.30 Uhr über das Thema „Fremd und doch vertraut. Das Gesicht im Wandel der Zeiten und Medien“.

Es gibt unter anderem auch Sonderführungen unter dem Motto „Der persönliche Blick“ mit Dr. Christiane und Karsten Fricke (Mi., 08. 11., 18 Uhr), mit Fotografin Bettina Flitner (Di., 21. 11., 18 Uhr) und mit Wilhelm Schürmann, Professor für Fotografie und Sammler von Kunst der Gegenwart (Mi., 13. 12., 18 Uhr).

Infos dazu gibt es unter  http://www.suermondt-ludwig-museum.de

Aus diesem lesenswerten Text aus der örtlichen Tageszeitung hat Museumschef  Van den Brink bei seiner Begrüßungsansprache mehrfach zitiert: https://www.aachener-zeitung.de/news/kultur/suermondt-ludwig-museum-praesentiert-portraets-aus-der-fricke-sammlung-1.1742071

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