Was wir in Aachen einatmen: Stickstoffdioxid, Feinstaub und Kohlenmonoxid

ADFC, Greenpeace, NABU und VCD können erklären, warum die Luft in Aachen so schmutzig ist, dass jetzt sogar ein Gericht verfügte, es müssten zum Schutz der Bevölkerung Fahrverbote realisiert werden. Es sind die Busse, es ist der Mangel an Möglichkeiten für Fahrradfahrer, es sind die vielen hemmungslos   in die Innenstadt geleiteten Pkw . . . dies alles und mehr bewirkt, dass die Aachener Luft die Grenzwerte nicht einhält.

Es gebe „kaum eine andere Stadt, die so konsequent den Weg zur Emissionsfreiheit geht wie Aachen“,  soll Oberbürgermeister Marcel Philipp nach dem Fahrverbots-Urteil gesagt haben. Man kann es nicht glauben. Und zweifelt an der eigenen Wahrnehmung, die sich mit der Bilanz der Umweltverbände deckt.

In mehreren langen Texten (alle mit Belegen gespickt) haben Fahrradclub (ADFC), Greenpeace, Naturschutzbund (NABU) und Verkehrsclub (VCD) dargelegt, was alles an Luftreinhaltungs-Maßnahmen versprochen und wie wenig davon eingehalten wurde. Es ist erschreckend, dass alles einmal so gebündelt vor Augen geführt zu bekommen.

Parken in der Innenstadt wird in Aachen in jeder Weise gefördert. Parken am Straßenrand ist viel preiswerter, als das Parken im Parkhaus. Und viele, teils relativ neue Parkhäuser laden jeden und jede ein, mit dem privaten Pkw doch bitte mitten in die Innenstadt hinein zu fahren. Wie soll da die Luft sauberer werden?

Im Folgenden bringe ich ausschnittweise einen weiteren Text der Verbände. 

 

Die Umweltverbände ziehen Bilanz:

Es ist unstrittig, dass in fast allen stark befahrenen Straßen in Aachen Autos, Motorräder oder Motorroller den höchsten Anteil an den Belastungen mit gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffen hat. Zu diesen Schadstoffen gehören unter anderem Stickstoffdioxid, Feinstaub oder auch Kohlenmonoxid. Nur auf sehr wenigen Straßen, wie zum Beispiel der Peterstraße, ist der öffentliche Nahverkehr mit Dieselbussen ursächlich für die derzeit diskutierte Überschreitung von Grenzwerten.

Daher ist es richtig und dringend erforderlich, kurzfristig bei der Reduzierung der Verkehrsmengen des Pkw-Verkehrs anzusetzen um die Luftqualität in der Stadt zu verbessern.

Andreas Schulze von Greenpeace Aachen hebt hervor: „Dies würde die Lebensqualität von Anwohnerinnen und Anwohnern, die Attraktivität für Besucherinnen und Besucher sowie die Verkehrssicherheit für zu Fuß Gehende und Radfahrende erheblich verbessern.“ Ein zeitnaher und flächendeckender Wandel der Kfz-Flotte hin zur Elektromobilität erscheint nicht realistisch und wird der Dringlichkeit des Problems nicht gerecht.

Bereits im Luftreinhalteplan 2009 waren Maßnahmen vorgesehen, um den Kfz-Verkehr in der Stadt zum Beispiel durch den Ausbau von Park-and-Ride-Konzepten zu minimieren. Die Ansätze der Stadt Aachen waren anscheinend nicht so attraktiv, als dass sich die Nutzerzahlen relevant erhöht hätten.

Hierzu gehörte ebenso die seit Ewigkeiten diskutierte Schließung des städtischen Parkhauses Büchel mit 436 Stellplätze. Eine Kompensation für die irgendwann dort entfallenden Stellplätze wurde bereits vor Jahren unter anderem mit dem Parkhaus am alten Bushof (EBV-Carré, 480 Stellplätze) geschaffen.

Zuletzt hat sich auch die Bezirksregierung Köln darüber beschwert, dass es bei der Schließung des Parkhauses Büchel keine Fortschritte gibt. Vielmehr gab es in den letzten Jahren eine Vielzahl an neuen öffentlichen oder privaten Parkhäusern, welche das Angebot an Kfz-Stellplätzen im Innenstadtbereich massiv erhöht haben (Kapuziner Karree +250, Parkhaus AachenMünchener Versicherung ca. +300, Aquis Plaza +600, Parkhaus am Dom +327).

Dies führt selbstverständlich zu mehr Kfz-Verkehr, da es attraktiver wird mit diesem Verkehrsmittel in die Stadt zu fahren – man findet immer einen Stellplatz. „Davon können Radfahrende manchmal nur träumen – am Elisengarten sind fast immer alle Fahrradbügel voll“, bestätige Helga Weyers vom ADFC.

Im aktuellen Luftreinhalteplan 2015 wurde ein Schwerpunkt auf die Minimierung des Parksuchverkehrs gelegt. Ziel war es demnach: „. . . das noch bestehende Kostengefälle zwischen öffentlichem Parkraum und Parkhäusern abzubauen um einerseits Anreize zum direkten Ansteuern freier Parkhauskapazitäten und zur verstärkten Nutzung der öffentlichen Stellplätze für Kurzzeitparker zu schaffen.“

Im Januar 2016 wurde von der Stadtverwaltung auf der zuvor genannten Grundlage eine Vorlage für den Mobilitätsausschuss erstellt, um den Parksuchverkehr im Stadtgebiet zu reduzieren. Diese wurde sehr schnell von der Politik vertagt und erst im Oktober 2017 wurde die Verwaltung von der Politik mit einer Anpassung der Parkgebühren beauftragt. Seitdem hat man leider nichts mehr gehört – „so funktioniert Luftreinhaltung nicht, wenn man die Themen immer nur auf die lange Bank schiebt“ – konstatiert Ulrich Bierwisch vom VCD Aachen.

Aus Sicht der Verkehrs- und Umweltverbände wäre eine Harmonisierung der Parkgebühren mit den fast jährlich steigenden Preisen für die Tickets des öffentlichen Personennahverkehrs ebenfalls längst überfällig. Die Parkgebühren wurden in Aachen zuletzt im Jahr 2008 erhöht. Seitdem sind die Tickets für den ÖPNV – gemäß einer Presseerklärung des VCD Aachen – um mehr als 30 % gestiegen.

Allein die niedrige Inflationsrate in den letzten zehn Jahren hätte eine Anhebung der Parkgebühren um 14 % gerechtfertigt. Ein Konzept über die erforderliche Höhe der Parkgebühren hat der ADFC Aachen bereits im März 2017 vorgelegt. Derzeit sind die Gebühren für kurzes Parken – bis zu einer Stunde – im Parkhaus fast doppelt so hoch wie am Straßenrand. Daher hat die Bezirksregierung Köln der Stadt auch auf diesem Themenfeld „Umsetzungsdefizite“ vorgeworfen.

Aus Sicht der Verbände würde eine Lenkung von Kfz in die Parkhäuser die große Chance bieten, den dadurch freiwerdenden Platz im öffentlichen Raum den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt zur Verfügung zu stellen. Steffen van Bergerem vom ADFC betont:

„Wenn weniger Stellplätze am Straßenrand benötigt werden, bleibt mehr Platz für Bäume und Sträucher, sichere Radwege, breite Gehwege und Außengastronomie. Das macht eine attraktive und lebenswerte Stadt aus.“

 

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