Was ein Städteregionsrat ist, weiß kein Mensch

Tim Grüttemeier (CDU) ist als Sieger aus der Wahl zum Städteregionsrat (das ist ein Landrat) hervorgegangen. In einer Stichwahl muss er sich gleichwohl am 18. November noch bestätigen lassen. Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass Grüttemeier – wenn man mal alle Wahlberechtigten nimmt – dass er von denen nur knapp 14 Prozent für sich gewinnen konnte. Die Wahlbeteiligung liegt aber bei etwa 35 Prozent. Und bei so wenig Wählerinnen und Wählern kommt der Kandidat natürlich auf seine Quote.

Jetzt kann man hingehen, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und die niedrige Wahlbeteiligung beklagen. Damit greift man allerdings zu kurz.

Beklagt werden muss: Dass Menschen zu einer Wahl gerufen werden, während sie gar nicht wissen, was die Städteregion ist, zu was die Städteregion gut ist, was ein Städteregionsrat ist, was seine Aufgabe ist, wieviel Macht er eventuell hat. Das ist eine Zumutung. Ich kenne Menschen, die sagen „Sei mir nicht böse, aber ich habe wirklich keine Zeit, mich mit einer so komplizierten Sache zu beschäftigen.“ Gerade in Aachen denkt doch alles: Wir haben einen Oberbürgermeister und einen Rat, für den Rest gibt es die Bezirksregierung in Köln und den Armin Laschet mit seiner CDU in Düsseldorf.

Viele haben seit Jahren versucht, den Leuten die Städteregion zu erklären. Die Tageszeitungen leisteten seitenweise Aufklärung. Wer hat das gelesen? Wer hatte so viel Zeit? Die SPD verteilte aktuell 20.000 Flyer mit Infos über die Städteregion, es gab Info-Stände in großer Zahl.

Hat alles kaum was bewirkt. Und ich denke allmählich: Die Existenz der Städteregion und die Existenz eines Städteregionsrates (und schon gar eines Städteregionstages) ist Menschen, die sich nicht ohnehin für Politik ganz stark interessieren, nicht erklärbar. Mit diesem Konstrukt stimmt etwas nicht. Vielleicht muss dieser ganze Laden anders aufgestellt werden, muss anders funktionieren, anders wirken.

Oder man gibt sich damit zufrieden, dass eben in Sachen Städteregion nur diejenigen entscheiden, die Bescheid wissen. Das sind von Monschau bis Baesweiler eben von allen Wahlberechtigten nur 35 Prozent. Die allermeisten haben stressige Jobs, manche sogar zwei davon, haben Familie und müssen schauen, dass die Eltern irgendwie versorgt werden, dass die Kids was lernen usw. Dass sie sich nur immer so nebenbei über Politik informieren wollen, kann ich zumindest denen nicht vorwerfen.

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Eine Antwort zu Was ein Städteregionsrat ist, weiß kein Mensch

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